Berlin ab 50…

… und jünger

Aufgelesen: Eine Wahrheit, die uns keine Freude macht …

Aufgelesen: Eine Wahrheit, die uns keine Freude macht …

… und unser Selbstbild  ziemlich durcheinander bringt.

Wovon ist die Rede und: Wer ist mit „uns“ gemeint?

Gemeint sind wir, die Generation der 50- bis 70-Jährigen, also unsere Generation.

Und die Rede ist von der Erkenntnis der Experten, dass sich unsere Wirtschaft (und nicht nur unsere, sondern die aller Industrieländer) nicht mehr auf Wachstumskurs befindet.  Dazu nur ein Beleg von vielen: Wir produzieren heute nicht mehr als im Jahr 2007, obwohl mehr Menschen Arbeit gefunden haben. Anders ausgedrückt: Die Produktivität pro Kopf hat sich dadurch nicht erhöht.

Nun lässt sich natürlich einwenden, dass wir doch eigentlich im Überfluss leben; wozu also noch mehr Wachstum? Wir haben oftmals ein zweites Auto, ein drittes Handy, einen zusätzlichen Fernseher im Schlafzimmer, und was der Dinge mehr sind. Reicht doch, nicht wahr?

Es reicht eben nicht, denn der Punkt, um den es wirklich geht, ist die Verteilung: Wenn mehr vorhanden ist, kann mehr umverteilt werden; die (Jugend)Arbeitslosigkeit kann nur mit mehr Wachstum bekämpft werden. Stagniert es, wird sich das Rad der Beschäftigung nicht weiter drehen

Welches sind die Gründe für das nachlassende Wachstum? Es sind  mehrere verantwortlich, aber es gibt einen, der inzwischen immer mehr  an Gewicht gewinnt – und an dem Punkt kommen wir ins Spiel: Unsere Gesellschaft  ist zu alt! Wir Alten sind zu viele!

Das klingt nicht nur schmerzhaft, es ist es auch. Denn haben wir nicht gerade in den letzten Jahren gehört und gelesen, wie  wichtig wir sind: als Seniorpartner, -berater, als unverzichtbare Enkelkinder-Hüter, als freiwillige Helfer, ohne die die Gesellschaft nicht mehr zurecht kommt.

Ja, gewiss, das ist alles richtig.

Aber richtig ist eben auch: Innovation, Unternehmensneugründungen, Investitionen – das alles passiert nicht mehr mit 50 und schon gar nicht mit 60 Jahre. Eine Umfrage hat ergeben:  57 Prozent der Unternehmer(innen), die unter 40 sind, investieren. Dagegen nur 37 Prozent derjenigen, die über 60 sind.

Eigentlich klingt das nach gar nicht so wenig – könnte man meinen. Aber es reicht eben nicht, um nachhaltiges Wachstum  zu schaffen. Keine neuen Unternehmensgründungen, keine besseren Maschinen, keine  Neuanfänge  = weniger Wachstum. Eine einfache Rechnung.

Die Zeit, in der die „Babyboomer“ aus dem Arbeitsleben ausscheiden werden, steht noch bevor – dann wird die Verringerung des Wachstums noch zunehmen.

Sollen wir nun in Schutt und Asche gehen? Zumal uns „Alten“ noch von einer anderen Seite Kritik droht. Sie wissen, welche ich meine: Dass es ist die Alten sind, die für den Brexit gesorgt haben. Und damit den Jungen die Zukunft verbaut haben. Und dass es überhaupt immer die über 50-Jährigen sind, die bestimmend sind und etwas durchsetzen, was letzten Endes gar nicht mehr sie betrifft, sondern die nachfolgenden Generationen.

Wie lässt sich eine für alle verträgliche Lösung finden, denn die demografische Entwicklung ist, wie sie ist. Sie lässt sich nicht so ohne Weiteres aushebeln.

Ein kreatives Beispiel aus Irland kann den Weg zeigen: Anlässlich der Abstimmung über die Ehe für Homosexuelle haben Studenten eine Idee entwickelt. Sie begannen eine Kampagne //ringyourgranny = ruf deine Oma an. Was heißen soll: Erklärt euren Großeltern eure Meinung zu der Frage. Vielleicht denken sie darüber nach.

Wäre das nicht eine wunderbare Idee für alle anderen Abstimmungen, deren Ergebnis in erster Linie die jüngeren Generationen betrifft? Und natürlich auch umgekehrt: „Ruf deine Enkel an“, wenn es um grundsätzliche Wahlentscheidungen geht. Warum nicht die Enkel fragen –Altersweisheit kann und sollte auch bedeuten, unsere Kinder und Enkelkinder zu befragen, bevor wir entscheiden.

Wie denken Sie darüber? Vielleicht sind Sie mir und vor allem dem Blog gewogen und schreiben Ihre Meinung.

I.B.F.

 

Quelle: FAS, 12. Juni 2016; Süddeutsche Zeitung 8. Juli 2016

 

 

 

 

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