Berlin ab 50…

… und jünger

Tattoo for ever

Messi, Moreno, Neymar, Mölders, Boateng und Beckham haben es  –  warum nicht auch ich?

Zurück aus England möchte ich über eine mich bewegende, weil in der Sommerzeit besonders sichtbare Erscheinung berichten: 20 %  der Engländer über 16 Jatattoohre tragen ein Tattoo, dabei dominiert die Altersgruppe von 16 – 44 Jahre mit 30 %  (bei gleicher Verteilung auf Männer und Frauen). Bei den heute  über 60jährigen tragen immerhin stolze 9% ein Tattoo! Naheliegend, denn der Tattoo-Boom in England begann bereits 1990, also vor über 25 Jahren. Ein damals 35jähriger ist heute 60 Jahre. In den USA haben sogar 32 % der Altersgruppe 16 bis 44 Jahre ein Tattoo.  Nach einer Studie der Ruhr Universität Bochum von 2014 besitzen 9% der deutschen Bevölkerung über 16 Jahre ein Tattoo (6 Mio.) Jeder zehnte Tätowierte hat mindestens zwei Tattoos.  Die Anzahl Tätowierter dürfte aber heute, also zwei Jahre später,  in Deutschland  viel größer sein. Bei der Fußball EM konnten wir all die aufwendigen Tattoos der Spieler bewundern. Auch die Frau des britischen Expremiers Samantha Cameron hat einen kleinen Delphin-Tattoo auf dem Fußknöchel, so wie auch Carla Bruni. Ob unsere Kanzlerin auch ein Tattoo hat, ist mir nicht bekannt. Aber ganz sicher hat sie kein Tattoo mit „Herz und Horst“!

Als ich nun las, dass 3 % der über 60 jährigen Briten sich ihr erstes Tattoo erst nach dem 60. Geburtstag zugelegt haben, stellte ich mir die Frage, ob das auch etwas für mich wäre –  eine Überlegung, vor der der geneigte Blog-Leser vielleicht auch schon mal stand. Also informierte ich mich auf der Webseite des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unter     http://www.safer-tattoo.de/  über Tätowierungsmittel. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen dadurch bewusste und fundierte Entscheidungen zu Tattoos treffen können. Die sehr informative Seite bietet Checklisten  für die Auswahl eines guten Tattoo-Studios. Der „Tätowierer“ ist kein staatlich anerkannter  Beruf, jeder/jede kann ein Studio eröffnen und erstmal Erfahrungen sammeln. Es gibt  Hinweise zur Tattoo-Pflege, zur Geschichte des Tätowierens und zu den mikrobiologischen und stoffspezifischen Risiken des Verfahrens. In einem „Styleguide“ erfährt man spielerisch über die verschiedenen tattoo4Stile wie „ Oldschool, Newschool, Black and Grey, Fantasy, Asiatisch, Keltisch, Tribal, Dotwork, Orientalisch, Mystisch, Anatomie und Modern“. Eine wahre Stilkunde, über die man mit Tätowierten rasch in Gespräch kommen kann. Man erfährt auf der BMEL-Seite, dass  Tattoo-Farben aus Farbpigmenten und einer Trägerflüssigkeit mit Hilfsstoffen bestehen. Die Trägerflüssigkeit enthält üblicherweise Löse- und Verdickungsmittel und Konservierungsstoffe. Es gibt keine empfohlene Standard-Liste der Substanzen, die in Tattoo-Farben verwendet werden dürfen, keines der Pigmente ist für diesen Zweck in irgendeiner Weise „zugelassen“ und getestet. Deshalb unterschreibt man ja auch einen Vertrag mit dem Studio, in dem man die Haftung für die Risiken selbst  übernimmt. Bei Problemen mit einem Tattoo sind die gesetzlichen Krankenkassen nicht verpflichtet, für eine Behandlung zu bezahlen.

Meine weitere Recherche ergab, dass es zumeist unlösliche anorganische – wie Eisenoxid, Titandioxid- und organische Pigmente – wie Azopigmente –  und polycyclische Pigmente sind, die aber auch krebserzeugende Verunreinigungen enthalten können oder in gefährliche Bestandteile im Körper umgewandelt werden. Gern werden Pigmente, die normalerweise für Autolacke verwendet werden, wegen ihrer hohen Lichtbeständigkeit benutzt. Dieser chemische Cocktail wird mit einer elektrischen Tätowiermaschine in die Lederhaut eingebracht und bleibt dort bis ans Lebensende dauerhaft sichtbar. Junge Menschen, die Angst vor chemischen Stoffen im Nanogrammm-Bereich haben, sich vegan ernähren oder ganz „Bio“ sind, lassen sich freiwillig auf dieses Risiko  ein. Schon erstaunlich. Wir fürchten uns halt vor dem Falschen (https://berlinab50.com/2015/03/20/wir-furchten-uns-vor-dem-falschen/).

Niemand weiß genau, was über längere Zeit mit den Farbpigmenten im Körper geschieht. Die Lederhaut wird als  „lebende Hautschicht“ von feinen Blut- und Lymphgefäßen durchzogen, die die Stoffe zum Teil abtransportieren und im Körper abbauen. Etwa 9% der Tätowierten erleiden sofort gesundheitliche Schäden, von leichten Entzündungen bis hin zu schweren allergischen Reaktionen. Langzeitschäden sind nicht erforscht.

Da die Spannkraft der Haut nachlässt, verändern sich auch die Tattoos. Die Schmetterlinge auf dem Oberarm lassen dann ihre Flügel hängen und die Playmates  auf dem älteren Bierbauch wirken auch nicht mehr so sexy. Da die Haut mit 60+ schon an Spannkraft verloretattoo 3n hat, könnte dies also eher in Argument für das „späte“ Tattoo sein. Ach, was mich dann doch bewog, Abstand vom Totenschädel in „Gotic-Style“ zu nehmen, war der Hinweis, dass die Entfernung eines  Tattoos teurer ist, als ein Tattoo stechen zu lassen – bis zum zwanzigfachen des Preises – und dass die Krankenkassen dafür in der Regel keinerlei Kosten übernehmen. Ich werde das Geld also eher in Aktien von Unternehmen investieren, die an der Verbesserung der Laserentfernung von Tattoos arbeiten – denn die Kinder der heute Tätowierten werden dann ihre alten Eltern gern ohne verwelkte „Fantasy“ –Blumen sehen wollen.tattoo2

Falls der geneigte Blog-Leser sich aber dennoch für ein Tattoo entscheiden will, auf der 26. Internationalen Tattoo- Messe vom 12.-14.August  werden in der Arena in Treptow  Weltneuheiten gezeigt!

Ihr mw

 

Ein Kommentar

  1. Be

    Herrlich, hatte beim Lesen die ganze Zeit äußerst amüsante Bilder im Kopf.
    Da ich mich mit Tattoos nie befasst habe, fand ich die Infos sehr interessant und, was die Prozentzahlen betrifft, teilweise sogar erstaunlich.

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