Berlin ab 50…

… und jünger

Der unzufriedene Mr. Hitchcock und Berlin

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Filmplakat – Foto (c) impawards.com

Sie kennen ihn alle – den berühmten Hitchcock-Film DIE VÖGEL. Ab 1961 drehte der Altmeister des „Suspense“ diesen Hollywoodfilm  nach der gleichnamigen Novelle Daphne du Mauriers. Die Vögel selbst wurden trickanimiert und wirkten durchaus realistisch, aber die Tonaufnahmen von echten Krähen dagegen wirkten einfach zu harmlos, um die mörderischen Vögeln wirklich bedrohlich erscheinen zu lassen. Der Traumfabrik in Hollywood fehlte es an entsprechenden Geräuschen. Hitchcock war höchst unzufrieden. Da wurde er auf den in Berlin-Charlottenburg  lebenden  Komponisten, Pionier der elektroakustischen Musik  und Trautonium-Spieler Oscar Sala (geboren 18.7.1910 in Greiz/Thüringen) aufmerksam. Sala erhielt den Auftrag, den Film mit künstlichen Vogelstimmen und Effekten wie dem Geräusch schlagender Flügel zu unterlegen. Auf die herkömmliche  Filmmusik wurde ganz verzichtet, in damaliger Zeit durchaus ungewöhnlich.

Im Deutschen Museum in München wird der Nachlass Salas verwahrt. Sala TonstudioDer Link  http://www.oskar-sala.de/oskar-sala-fonds/klaenge/  führt Sie auf die Seite „Oskar- Sala-Fonds am Deutschen Museum“ und dort zu einer Klangsentenz aus den „Vögeln“.  Diese Klangwelt  wurde auf dem von ihm erfundenen Mixtur-Trautonium inszeniert. Mixtur-Trautonium?  Eine Weiterentwicklung des Trautoniums? Haben Sie schon einmal davon gehört? Das Gerät steht heute im Musikinstrumentenmuseum  am Kulturforum.

Erfinder des Trautoniums war Friedrich Trautwein (1888-1956) und man kann das elektronische Musikinstrument als Vorläufer des Synthesizers bezeichnen. 1930 wurde das Gerät auf dem Berliner Festival „Neue Musik“ erstmals vorgeführt,  ging bei der „Telefunken AG“ in Produktion, jedoch war – bedingt auch durch den hohen Preis – die Nachfrage gering. Oscar Sala tüftelte weiter und erfand das Mixtur-Trautonium, das aus zwei Manualen, zwei Pedalen und vielen Schaltern besteht. Es vereint Klavier und Geige und erzeugt eine Vielzahl von Geräuschen. Mit diesem Instrument  spielte er auch ab 1955  viele Filmmusiken ein und auch in Opernhäusern  war er ein gefragter Musiker. So ersetzte das  Mixtur-Trautonium in Wieland Wagners „Parsifal“-Inszenierung die Glocken und begleitete den Höllenhund in Honeggers  Oratorium „Jeanne d’Arc au bûcher“. Als Wegbereiter der elektronischen Musik verdanken ihm Gruppen wie „Kraftwerk“ oder „Die Einstürzenden Neubauten“ viele Anregungen.1987 wurde Sala für sein Lebenswerk mit dem höchstdotierten deutschen Kulturpreis,  dem  »Filmband in Gold«, ausgezeichnet. 2002 starb Sala mit 91 Jahren in Berlin. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Heerstraße.

Und wenn Sie Oskar Sala auf dem im Jahre 1952 fertig gestellte Mixtur-Trautonium in seinem Studio im Haus der  Neue Mars-Film, Charlottenburger Chaussee 51 – 55, Berlin – Spandau spielen sehen wollen, folgen sie doch dem link https://www.youtube.com/watch?v=TQ8IiKIRP4A  Und es lohnt sich auch, noch einmal die bedrückende Weltuntergangsstimmung  in den „Vögeln“ zu erleben – oder reicht Ihnen die Gegenwart?

Meint mw

Fotos (c)mw

impawards.com

Ein Kommentar

  1. Irene Rodrian

    wusste ich auch noch nicht… Super-Info! Weiter fröhliches Flügelschlagen:-)))

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