Berlin ab 50…

… und jünger

Zwischen Supermarkt und „Italiener“ ….

jued-theater

…..gibt es seit Mitte 2015 ein Theater.  Ein besonderes mit langer Berliner Geschichte.

Gemeint ist das „Theater Größenwahn“. Der Name ist zwar neu, aber bei dem Stichwort „ Jüdisches Theater Bimah“ mag vielleicht der eine oder die andere unter Ihnen aufmerken.

Schon 2001 wurde es vom israelischen Regisseur und Schauspieler Dan Lahav gegründet. Es war das erste jüdische Theater nach 60 Jahren Pause. Lahav ging und geht es aber nicht um ein Theater für die jüdische Bevölkerung, sondern um eine Spielstätte, die die jüdische Kultur denen nahebringt, die sich dafür interessieren.

Auf dem Spielplan fanden und finden sich große Namen: Friedrich Hollaender, Georg Kreisler, Kurt Tucholksy, Heinrich Heine,  Harold Pinter – das „name-dropping“ ließe sich zügig weiterführen. Klassisch oder modern – das Programm ist beidem verpflichtet und scheut keine Kontraste.

Die erste Spielstätte war am Fehrbelliner Platz, dann der Umzug zum Steinplatz (in die alte Filmbühne), dann noch einmal ein Umzug und noch einer (Berliner Admiralsplatz) und im März 2014 war erst einmal ganz Schluss.

jued-theater2Jetzt ist es, wie gesagt, wieder da. Unter dem  – passenden – Namen Theater Größenwahn. Mit dem Namen hat es einiges auf sich: Er ist nicht nur Zeichen einer  – wie ich finde – sympathischen Selbstironie, sondern zugleich eine Referenz an das legendäre Kabarett Größenwahn, das in den 1920-er Jahren  im einstigen Café des Westens am heutigen Kranzler-Eck residierte und damals nichts weniger war als eines der geistigen Zentren Berlins. Lang’ ist es her.

Die jetzige Spielstätte in der Meinekestraße 24 hat ebenfalls eine wechselhafte Geschichte hinter sich. Einstmals – das war noch zu Beginn des 2. Jahrtausends – beherbergte es das Fnac, ein großes französische   Kulturkaufhaus. Dann kamen die Miniraturwelten LOXX und darüber hinaus hatte auch das ehrwürdige Schweitzer Sortiment (eine traditionsreiche juristische Fachbuchhandlung) seinen Sitz dort.

Und eben dort fand Dan Lahav den seiner Meinung nach geeigneten Spielort für die Wiedereröffnung. So kommt es also, dass Supermarkt und „Italiener“ seine Nachbarn sind.

Lahav  hofft auch auf das Umfeld: viele Hotels der Vier- oder Fünf-Sterne -Klasse, gute Restaurants – das alles soll helfen, das Theater wieder zur alten Größe zu führen.

juedDas Programm ist bunt, spritzig scharfsinnig und ein Besuch eigentlich ein Muss für alle, die sich der Vielfalt gegenüber aufgeschlossen zeigen.

(Ich hätte Ihnen gern meinen persönlichen Eindruck geschildert, aber Hörschaden und Theater – das passt nicht zusammen.)

Eine Anmerkung nebenbei: Zwei Häuser weiter in der Nr. 21 hat der Nobelpreisträger Imre Kertész gewohnt, bis er aufgrund seiner schweren Erkrankung 2012  wieder zurück nach Budapest gegangen ist. Er wäre sicher einer der ersten Besucher gewesen, wäre es dafür nicht zu spät gewesen.  Im selben Haus Nr. 21residierte einst auch  das Hardrock-Café, das inzwischen  an die Ecke Kurfürstendamm gezogen ist. Die Meinekestraße hat, wie so viele Straßen, eine wechselhafte Geschichte hinter sich.

(Ein Buch-Tipp obendrein, der Ihnen die Meinekestraße und Charlottenburg im Allgemeinen aus der Sicht von Kertész sehen lässt: Letzte Einkehr (rororo-TB)). Ein ungemein berührendes Buch.

Bleiben Sie mir …… Sie wissen schon?!

I.B.F.

Theater Größenwahn, Meinekestraße 24

Email: deutsch-juedisches-theater@web.de

www.deutsch-juedisches-Theater.de  

Fotos (c) IBF

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: