Berlin ab 50…

… und jünger

Kaufinteressenten aus Russland und China

Das “Dentalhistorische Museum” in Zschadraß bei Leipzig

dentalsoll die weltgrößte Sammlung zur Geschichte der Zahnheilkunde beherbergen, las ich im Sommer in der Süddeutschen Zeitung (15.7.2016) – und dass Kaufinteressenten aus Russland und China schon vorbeigeschaut haben, weil die liebevoll von Andreas Haesler (55) zusammengetragene Sammlung in der Provinz nicht die entsprechende Würdigung, sprich hohe Besucherzahlen aufweist. Also auf nach Zschadraß und mal nachgeschaut, denn Zahnarzt ist ja ein Thema für jeden ab 50.

Mit der Wiedervereinigung  fing der gelernte Zahntechniker Haesler mit dem Sammeln an. Es begann 1990 mit der Übernahme eines Dentallabors aus Grimma in Sachsen. Mit der dental-2neuen Zeit verschrotten viele Zahnärzte im Osten Deutschlands ihre Ausrüstungen und der Experte holte alles ab: ganze Dental-Einheiten, Labore und Instrumente. Dazu kamen im Laufe der letzten 15 Jahre insgesamt 670 private Sammlungen aus ganz Deutschland, mit Exponaten, die zum Teil über sieben Generationen zusammengetragen wurden. Als 1993 ein großes Firmenarchiv aufgelöst wurde und die historischen Gerätschaften auf dem Müll landen sollten, griff er ebenfalls zu. Nun steht der Arbeitsplatz eines Zahntechnikers um 1873, das älteste vollständig erhaltene Dentallabor der Welt, in seinem Museum.  170 Bibliotheken –nicht Bücher!- mit dem Schwerpunkt Zahnheilkunde gibt es hier. Das älteste Werk stammt von 1490.  Viele Zahnärzte, aber auch Universitätsinstitute, bedachten bei Räumungen und Aussonderungen das Dentalhistorische Museum und so wuchs ein Museum und Wissenschaftszentrum, das sich seit 2006 in  vier Backstein-Gebäuden in der Klinik Zschadraß befindet.

gebisseDie Ausstellung beinhaltet auf 250 Quadratmetern Zeugnisse der zahnärztlichen Berufsausbildung vom Barbier zum Universitätsstudium, Zeugnisse der Zahnhygiene, des Zahntechniker Handwerks  und komplette Zahnarztpraxen aus den letzten 120 Jahren. Daneben gibt es durchaus auch einiges Kurioses zu sehen.Der weitaus größte Teil der Sammlung ist jedoch im Wissenschaftszentrum und im Archiv nur auf Anfrage zugänglich. Insgesamt eine sehr eindrucksvolle und sehensdental3werte Sammlung zur Wissenschafts-,  Kunst -und Kulturgeschichte der Zahnheilkunde.

Es ist zu hoffen, dass die Sammlung in Deutschland bleibt und deshalb sollten sie vielleicht auch mal vorbeischauen. Denn beim Anblick der alten Zangen und Bohrer wird man – ich jedenfalls  –  sehr dankbar für all die neuen, technisch aufwendigen Instrumente seines Zahnarztes. Fürs Navi: Im Park 9b in 04680 Zschadraß, Mittwoch bis Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, andere Öffnungszeiten nach Absprache möglich. http://www.dentalmuseum.eu/Oeffnungszeiten/Oeffnungszeiten.html

Und noch eine Zusatzinformation: Die „Landesanstalt Zschadraß“ war zwischen 1940  und 1942 Zwischenanstalt für das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten. Mehr als 3400 Patienten wurden von dort in die Tötungsanstalten Pirna-Sonnenstein und Brandenburg weiterverlegt und ermordet. 1943 wurde die Anstalt zur Lungenheilstätte. Sie war zu DDR-Zeiten wegen ihres hohen Standards berühmt. Seit 1998 betreibt das Diakoniewerk hier wieder ein Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie.

Im  Renaissance-Schloss Colditz in unmittelbarer Nähe war in der NS-Zeit  das sog. Oflag IV C ; ein Kriegsgefangenenlager für alliierte Offiziere. Durch die Darstellung von Ausbruchsversuchen in mehreren Filmen („Escape from Colditz“) und einer Fernsehserie erlangte das Schloss speziell in England besondere Bekanntheit. Heute gibt es dazu eine gut  besuchte Ausstellung.

Vielleicht fahren Sie mal hin – oder geben Ihrem Zahnarzt den Tipp –

Ihr mw

Fotos (c) mw

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