Berlin ab 50…

… und jünger

Weihnachten rückt näher…

Heute ist der 1.Dezember. Das erste Türchen des Adventskalenders darf geöffnet werden – und damit beginnt die Zeit der Vorfreude auf Heilig Abend, auf den 24.Dezember.

Wie Sie sich vielleicht erinnern, sammele ich schon seit vielen Jahren Adventskalender („Vorfreuden!“, 21.12.2015) und sie hängen bei mir das ganze Jahr über – aus Platzgründen nur ein Teil der Sammlung – zur Freude aller Kinder, die mich besuchen, und zum Erstaunen der Erwachsenen. Besonders ein Handwerker, der jedes Jahr im November die Heizungstherme wartet, freut sich immer wieder aufs Neue, dass sie zum einen noch hängen und zum anderen, dass sein „Lieblingskalender“ (einer mit Väterchen Frost) auch noch hängt… wir teilen für einen Moment unsere kindliche Freude an der Adventszeit.

Ich sammele seit fast 35 Jahren. Und ich sammele nur diejenigen, die ich selbst aufgemacht habe. Also keine historischen, keine alten und keine „fremden“.

Die ersten gedruckten Kalender gibt es seit der Jahrhundertwende und wurden für die ungeduldigen Kinder entwickelt, um die Zeit bis zum Weihnachtsfest zu verkürzen. Auch in den frühen 80er Jahren, in denen meine Sammelleidenschaft begann, waren sie nur für Kinder gedacht. Ich war also eigentlich schon viel zu alt, um Adventskalender zu bekommen. Aber meine Mutter verschenkte und verschickte sie gerne – die Bären im Wald, die Bären schmücken den Christbaum, die Bären backen – es gab sie in allen Formaten, als Postkarte, als Briefkarte, im DIN A 3-Format bis ganz winzig.

Kaum hatten meine Familie und meine Freunde bemerkt, dass ich keinen der Kalender wegwerfe, bekam ich jedes Jahr zum Geburtstag, der nur 8 Tage vor dem 1.Dezember liegt, Adventskalender – große, kleine, gefüllte, welche zum Aufstellen, zum Aufhängen, zum Ausrollen etc.. Wenn ich meine Exemplare chronologisch betrachte, stelle ich gewisse Moden fest. Nach den Bären kam die Maler – Hundertwasser, Larsson, Wiener Werkstatt , dann kam die Alpenländische Idylle oder fremde Länder bis hin zum nostalgischen Stall in Bethlehem. Auch Puh der Bär, und Felix der Hase, hängen bei mir.

Inzwischen gibt es Adventskalender für groß und klein, für Hund und Katze, für jedes Alter und für jeden Geschmack, sogar mit Blindenschrift – vom Bierkalender über StarWars, für die Shopping Queen und die Beauty-Interessierte, von Lego- bis zum Teekalender. Es ist sicherlich Geschmackssache, wie man sich die Vorfreude auf Weihnachten gestaltet, ich persönlich bin für die kleinen Überraschungen, die ich hinter dem Türchen auf Papier gedruckt entdecke.

Seitdem ich vor zwei Wochen die Stätten des Christentums in Israel und Palästina besuchte, habe ich einen neuen Blick auf die Geschichte des neuen und alten Testaments gewonnen. Und dies färbt selbst auf den Adventskalender-Blick ab. Plötzlich gefallen mir die Sujets mit Palmen und Wüstensand, die mir vorher eher als Exoten vorkamen. Meine kindliche Erinnerung, dass Weihnachten eng verbunden ist mit Schnee, glitzernden Tannenspitzen und Kerzenschein schwindet, hat Platz gemacht für Wüstensand, Hitze und die herbe Schönheit der judäischen Wüste.

Dieses Jahr habe zum Geburtstag fünf Adventskalender bekommen – ich muss also 5 Minuten früher aufstehen, um über die Runde zu kommen. Neben dem Motiv „König Ludwig II und seine Cousine Sissi warten vor Neuschwanstein auf Weihnachten“‚ gibt es Bach vor der Thomaskirche in Leipzig und eine kleine Schokolade mit 24 Stückchen, für jeden Tag eines. Dieses Modell wird also Weihnachten nicht mehr erleben.

Ach, und fast hätte ich es vergessen – seit mehreren Jahren gibt es bei mir einen elektronischen Adventskalender, bei dem hinter jedem Türchen eine kleine Geschichte erzählt wird, ich aber auch Kränze und einen Weihnachtsbaum schmücken, Puzzles machen oder über die gespielte Musik in der Bibliothek nachlesen kann. Gerne würde ich sie alle sammeln, aber da sagt mein Rechner nein, also hebe ich lediglich den Vorjahreskalender auf – bis er durch den Neuen abgelöst wird.

So freue ich mich auf die tägliche kleine Überraschung und mit jeden Türchen rückt Weihnachten näher.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit

und bleiben Sie neugierig

go

Fotos(c) go

3 Kommentare

  1. Sentimentaler Opa

    „Inzwischen gibt es Adventskalender für groß und klein, für Hund und Katze, für jedes Alter und für jeden Geschmack, …“
    Ja, das ist scheinbar schön und doch schrecklich. Als meine Frau unsere Enkelin (6) mit einem liebevoll gestalteten Adventskalender mit 24 individuellen, kleinen Päckchen überraschen wollte, hatte sie schon vier und sie hängte ihn beiläufig zu den anderen. Solchen mit und ohne Schokolade, zum Aufhängen, Hinstellen, mit oder ohne Musik. Heute wird alles in Grund und Boden kommerzialisiert, kein Feld bleibt unbeackert, nur wir empfinden immer weniger Freude beim Schenken und beschenkt werden.
    Ich erinnere mich an die Adventskalender meiner Kindheit – hinter den Türchen, auf Transparentpapier mit blassen Farben gedruckte Motive wie Schaukelpferde, Puppen oder Eisenbahnen, die neugierig machten auf Spielzeuggeschenke an Heilig Abend und dann, am 24-sten Dezember, die große Tür mit dem Krippenkind.
    Nur Nostalgie? Gut möglich, doch diese Kalender blieben in meinem Gedächtnis bis heute haften. Wird sich unsere Enkelin an die Adventskalender ihrer Jugend noch in 60 Jahren erinnern?

  2. dieter

    Ist doch schön, dass es sowas altmodisches noch gibt . Wird eventuell daran gedacht die 24 Türen bis 0 Uhr zu öffnen??? Guten Appetit ….

  3. Tonia

    Auch die Oma ist frustriert!
    Es ist ja wahr: Eine schöne Sitte wird ad absurdum geführt und zwar so weit, dass es – unter abertausend anderen – inzwischen Adventskalender für Frauen gibt, die gefüllt sind mit „Pröbchen“ für Kosmetika. Nach dem Motto: Warum nicht auch mit (kostenlosen) Proben Geld machen. Ein solcher Kalender kostet locker über 20 Euro. Was Frau davon hat? Nichts, denn die Proben sind so klein, dass sich damit gar nicht testen lässt, ob die Cremes etwas taugen.
    Aber ist das Jammern nicht auch ein wenig wohlfeil? Wer kauft denn die Kalender? Die Erwachsenen!
    Tonia

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