Berlin ab 50…

… und jünger

Stellt Euch vor es ist Weihnachten – und keiner geht hin??

Kommen Sie auch gerade zurück aus dem Urlaub und gehen dann in ihren Lebensmittelmarkt und denken: “Bin ich zu spät aus dem Urlaub zurück?“ Da liegen doch schon kurz hinter dem Eingangsbereich in den ersten Warenpräsentern die Würfel ohne Punkte also die Dominosteine!

Beim nächsten Einkauf wird diese Fläche immer größer und größer. Erst die Figurenkekse namens Spekulatius, dann die Herzen aus Lebkuchen und Schokolade. Das zieht sich über Wochen hin und endet dann mit großen und kleinen männlichen Schokoladenfiguren in rot-weißem Stanniolpapier, teilweise sogar in der Farbe lila! Zudem findet man große, flache Schachteln mit vorgestanzten Zahlen von 1 bis 24 darauf, bunt bebildert – auch wieder hauptsächlich in rot-weiß – mit altmodischen Fahrzeugen, die sogar von Tieren gezogen werden müssen.

Sie sind der Kunde und lassen natürlich alles links liegen (übrigens links liegt die Kann- und rechts die Mussware).

Dann fällt Ihnen nach ein paar Tagen wieder ein, dass ja, wie alle Jahre wieder, ein großes Fest stattfinden wird. Dafür müssen Sie einkaufen, sich in vollen Geschäften und Kaufhäusern verlaufen, sich in noch vollere Verkehrsmittel hineinpressen, und das in höchst unbequemer, warmer Kleidung mit Einkaufstüten in beiden Händen. Da gibt es immergrüne Bäume zu kaufen, die im Wohnzimmer für den Duft des Waldes sorgen sollen.

Sie überlegen jetzt ernsthaft: Was soll ich machen? Sollte ich wieder in Urlaub fahren oder soll ich einfach wegrennen?

Und wenn Sie dann wieder zurück sind, erzählen Sie ganz begeistert, wie schön es doch war. In warmer Umgebung auf sonnigen Inseln, auf schwankenden Schiffen oder sogar ganz weit weg in exotischen Gebieten, die von vielen Menschen als Traumorte, Traumstrände oder als Traumstädte bezeichnet werden. Sie berichten, wie viele tolle grüne Bäume aus Plastik, sogar mit Blinklichtern, zu sehen waren. In den Supermärkten jener Länder wurde laute Musik gespielt, Musik, wie sie zu gleicher Zeit sogar hier in unserer Heimat erklingt. Das Essen aber – nur vom Feinsten. Geflügel in sämtlichen Varianten, hmm, lecker…

Auch ältere Herren mit weißen langen Bärten und roten Mänteln wurden gesichtet. Manchmal waren sie sogar begleitet von geflügelten jungen Damen in weißen, glitzernden Kleidern.

Ja, wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen…

Welcher Typ Zeitgenosse sind Sie denn nun? Gehören Sie zu der ganz großen Gruppe, die das Fest feiern möchte?

Vielleicht fangen Sie damit am sechsten Tag im letzten Monat des Jahres einmal an. Sie kennen doch das Sprichwort: Jemandem etwas in die Schuhe schieben… Könnte das nicht eine Gelegenheit sein zu einem ruhigen Abend in einem noch nie besuchten, schönen Restaurant, zusammen mit dem Partner oder einem Freund bei Kerzenlicht und Wein?

Bis zum großen Fest werden dann nur noch wenige Tage vergehen. In dieser Zeit, könnten Sie vielleicht einmal zum Telefonhörer greifen und dem einen oder anderen Menschen einen freudigen Überraschungsgruß übermitteln. Wir haben ja wohl alle schon eine Flatrate, also kostet das noch nicht mal was.

Vor dem großen Fest, das hat mir ein Weihnachtsmann erzählt (siehe Blogbeitrag 12/2015), sind viele Kinder ganz aufgeregt ob ER nun kommt oder nicht. Wenn er dann aber an die Haustür klopft ist die Freude groß und die Augen der Kleinen sind es ebenfalls. Er erzählte mir auch von der liebevollen Stimmung, die überall anzutreffen ist.

Es gibt ja in unserer Stadt viele Möglichkeiten, dieses Fest auch nachhaltig zu erleben. In manchen, ganz kleinen Geschäften, das sind oft sogar nur Kassen, sogenannte Theaterkassen, können Sie kleine und große Kärtchen erstehen, die oftmals erst im Sommer oder noch später eingelöst werden müssen. Wenn Sie diese Überraschungen bei einem Gläschen sprudelndem Getränk und leiser, wohlklingender Radio- oder CD-Musik überreichen, werden Sie bestimmt auch einen kleinen feuchten Schimmer in den Augen Ihres Gegenüber erkennen, und dann einen besonders stimmungsvollen Abend genießen.

Vielleicht, wenn bei eintretender Dunkelheit die Kirchenglocken Berlins, so eine nach der anderen, zu läuten beginnen, gehen Sie doch auch mal aus dem Haus und erleben, wie sich die Häuser unter den Glockentürmen füllen. Suchen sie sich einfach einen Sitzplatz und hören Sie dann das letzte gemeinsam gesungene Lied mit einer besonderen inneren Bewegung.

Eine Woche später sieht die Welt wieder ganz anders aus. Ohren betäubendes Knallen, Lichterblitze am Himmel, Musik zum lauten Mitsingen aus alten und aus neuen Zeiten, bunte Papierhüte überall, und auf dem Bildschirm die bekannten Pappnasen ähh…  Gesichter des letzten Jahres.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Vorweihnachtszeit.

Ihr brd

Fotos(c) brd

2 Kommentare

  1. Peter

    Ein erfrischender, leichter mit sanfter Ironie bestückter Beitrag! Ich habe ihn gern gelesen.
    Peter

  2. Günter

    Ist ja so wahr ! Habe beim Lesen still vor mich hin schmunzeln müssen. Danke Dieter.

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