Berlin ab 50…

… und jünger

Schon am frühen Morgen eine Heldin!

Soll heißen: Ich gehöre zu der Gruppe der „Kalt-warm-Duscher“ respektive „-duscherinnen“!

Und ich halte es jeden Morgen durch, auch wenn ich mich eigentlich ganz anders fühle. Was mich dann noch heldenhafter fühlen lässt!

Was oder wer mich dazu bewogen hat? Ich weiß es gar nicht mehr; es liegt schon sehr lange zurück. Vielleicht mein Vater, der – gesundheits- und abhärtungsbewusst, jugendbewegt und den alten Pfadfindertugenden nachtrauernd – bewusst-unbewusst nichts lieber tat, als uns Kindern seine Ideale nahe zu bringen. Großen, vor allem beständigen Erfolg hatte er allerdings nicht: Wir waren eben Kinder der Nachkriegszeit und empfanden vieles als „typisch Vater“. Kinder können desillusionieren!

Eines aber ist geblieben: die warm-kalte Dusche. Ohne sie würde mir am Morgen etwas fehlen; es wäre nur die halbe Morgentoilette (sagt man das heute noch?).

Später habe ich mich natürlich auch davon beeindrucken lassen, dass ich mit dieser Wechsel-Dusche etwas ganz Wesentliches für meine Gesundheit tue – so stand und steht es in fast allen Ratgebern zur Selbsthilfe und zum gesunden Leben.

Und ich bin mit diesem Glauben ja keineswegs allein. Kalte Güsse haben eine lange Tradition: Schon die Römer haben ihre Badehäuser nach dem Prinzip angeordnet: Das Kalte kommt zum Schluss.

So weit so gut. Oder doch nicht ganz so gut?

Vor ein paar Wochen bin ich auf eine Studie gestoßen, in der untersucht wurde, ob die kalten Duschen wirklich der Gesundheit dienen und ob sich das in weniger krankheitsbedingten Arbeitsfehltagen bemerkbar macht. Die Untersuchung wurde von einem holländischen Team mit 3000 Teilnehmern durchgeführt und die Ergebnisse wurden im September veröffentlich

Das, was dabei herausgekommen ist, hat mich erst einmal ziemlich frustriert: Tatsächlich ist es so, dass sich die Anzahl der Fehltage von uns Helden nicht von denen unterscheidet, die bei den Warmduschern registriert wurden.

Eigentlich mag ich es nicht glauben, denn ich war (und bin es noch!) fest davon überzeugt, dass ich – im Gegensatz zu den Kollegen und Kolleginnen – nur ganz selten krank bin. Wieso bilde ich mir das ein? Auch dafür haben die Ärzte eine Erklärung: Kaltduscher fühlen sich, selbst wenn sie Beschwerden haben, im Grunde nicht wirklich krank. Was nicht sein kann, darf nicht sein – so in etwa das Motto: Ich tue etwas für meine Gesundheit, also bin ich auch nicht krank.

Wieso es dennoch zu den Fehltagen in gleicher Höhe wie bei der Vergleichsgruppe kommt, ist mir zwar nach dieser Erklärung immer noch nicht ganz klar – Ihnen wird es ähnlich gehen.

Aber so sagt es nun einmal die Studie. Und die ist nach allen erforderlichen Kriterien für eine wissenschaftliche Untersuchung durchgeführt worden.

Was mir bleibt (und allen anderen Wechselduschern): Langfristig sind die Effekte durchaus erfreulich: Blutgefäße ziehen sich zusammen und weiten sich wieder, was Herz und Kreislauf außerordentlich freut. Gefühle der Depression werden gemildert. Das „Glückshormon“ wird aktiviert – kurzum: ein Wohlgefühl!

Noch wohler soll man sich fühlen, wenn man überhaupt nur kalt duscht. Aber das – nein, das ist mir wirklich zu viel. So viel Heldentum muss nicht sein.

Und weil wir uns gerade mit dem frühen Morgen und dem Aufwachen beschäftigen: Es gibt seit Neuestem noch eine Studie, die sich mit dem Einschlafen beschäftigt. Und das muss man ja erst einmal, um aufwachen zu können: Sie sollten nie mit belastenden und ärgerlichen Gedanken einschlafen. Denn selbst wenn Sie meinen, gut geschlafen zu haben, wird das, mit dem Sie am Abend eingeschlafen sind, immer wieder Ihre Gedanken belasten. Sie setzen sich fest. Denken Sie aber an etwas Schönes, Erfreuliches, fällt es Ihnen leicht, das Andere, das Hässliche zu vergessen.

Was wünsche ich mir und Ihnen? Dass wir Helden bleiben und gut verdrängen können.

In diesem Sinne: Bleiben Sie Ihrer kalten Dusche und mir gewogen.

I.B.F.

Quellen:SZ vom 10.10.2016 /FAT vom 30.11.2016

 

Ein Kommentar

  1. Genau, kaltes Wasser ist ganz großartig. Ich bin zwar nur eine partielle Kaltduscherin, aber immerhin …..

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