Berlin ab 50…

… und jünger

Was ich denke, wenn ich an das neue Jahr denke

Das vergangene Jahr endete für mich mit einem großen Ausrufungszeichen:

Was für ein Jahr!!

Denn es war ein Jahr, das in der Weltgeschichte seinen Platz finden wird: Es gab grundstürzende Veränderungen, eskalierende Kriege, Natur- und Menschen gemachte Katastrophen, nicht enden wollende Flüchtlingsströme, Globalisierungseffekte, die niemand wollte, und eine große Verunsicherung weltweit. Gewissheiten wurden fragwürdig.

Und am Ende des Jahres, eigentlich eine Zeit, in der die Menschen friedlicher zu werden scheinen, entspannter, in dieser Zeit wurde Berlin, wurde die Welt erneut von einem Anschlag betroffen, und wieder hat ein Ort seine Unschuld verloren, wie schon zuvor in Paris, in Nizza, um nur einige zu nennen.

Die Welt im Ganzen scheint unbewohnbarer zu werden; die Orte, die Ruhe und Orientierung versprechen, werden weniger.

Die öffentlichen Leitfiguren in Politik und Wirtschaft verlieren ihren Glanz– es sind eben auch nur Menschen.

Was bleibt und immer wichtiger wird, ist die Möglichkeit des Rückzugs ins Private, in den eigenen überschaubaren Kosmos. Die Wertschätzung der Familie, der Freunde – das alles gewinnt wieder an Bedeutung und scheint uns die Möglichkeit zu geben, zumindest unser eigenes Leben lebenswert und freundlich zu machen.

Was nicht heißen soll und darf, dass wir uns abschotten und die Augen verschließen gegenüber dem, was in der Welt und mit der Welt passiert. Aber jeder Mensch braucht das Gefühl, dass es einen Bereich gibt, der unversehrt ist. Für viele allerdings gibt es noch nicht einmal diese Sicherheit.

Ich denke, dass das zurückliegende Jahr aber auch etwas Großartiges gezeigt hat: Die Gemeinschaft, das heißt wir, ist noch fähig, miteinander zu trauern, Empathie zu zeigen und mit Ausdauer zu helfen. Nicht nur für eine kurze Zeit, sondern beständig.

Das ist unschätzbar und diese Erfahrung sollten wir in das neue Jahr mitnehmen. Ebenso den Willen und die Energie, dafür zu kämpfen, dass nicht das Böse uns beherrscht.

Das neue Jahr: Was wird es uns bringen?

Die Welt um uns herum wird eine ständige Herausforderung bleiben. Für uns alle!

Für unsere Stadt, für unser Land und die ganze Welt. Es wird kein Luftschöpfen geben – Istanbul ist ein böser Auftakt und es wird so weitergehen.

Denn man braucht kein Prophet zu sein, um zu ahnen, dass sich viele Konflikte auch in diesem Jahr nicht werden lösen lassen, dass neue hinzukommen und das Wort „Frieden“ für viele, viel zu viele Menschen ein Fremdwort bleiben wird.

Und was denke ich, wenn ich an das neue Jahr denke?

Etwas wird anders sein als früher: Der Überschwang, mit dem ich noch vor einiger Zeit ein neues Jahr begrüßt habe, ist verloren gegangen. Mit dem Älterwerden ist das Ahnen, dass die Zukunft nicht mehr unendlich sein wird (das war sie natürlich nie, ich glaubte es nur), zur Gewissheit geworden.

Inzwischen kann ich damit leben und genieße die „Zeitlosigkeit“ Das große Rad kann ich zwar nicht mehr drehen, aber gewonnen habe ich dafür etwas anderes: die Erkenntnis, dass das Leben nicht nur auf der Überholspur spannend ist. Denn immer auch nach hinten schauen zu müssen, ob mir nicht jemand den Platz streitig machen will, ist anstrengend. Und manchmal glaube ich, dass Überholspuren eigentlich Standspuren sind. Bin ich durch das Rennen auf der zweiten Spur wirklich weiter gekommen? War es nicht eine Illusion zu glauben, ich könnte, wenn ich nur wollte, alles erreichen? Vermutlich.

Aber: Will ich überhaupt noch darüber nachdenken, was wäre wenn… ? Nein, ich nehme mein Leben, wie es ist, und hoffe, dass es eine ganze Weile so bleibt.

Eben doch Illusion, nicht wahr? Aber am Anfang eines Jahres darf man ja noch Wünsche haben!

Bleiben Sie mir auch im neuen Jahr gewogen, für das ich Ihnen eine gute runde Zeit wünsche.

I.B.F.

P.S. Ich habe mir überlegt, wie ich diesen Beitrag ein wenig „auflockern“ könnte. Und bin auf zwei – wie soll ich es nennen? – „Bilder gestoßen. Am Savignyplatz. Die ich schon längst hätte sehen können, weil ich oft daran vorbeigegangen bin. Ich stelle sie Ihnen vor: Für mich sind sie Beweis, dass unsere Stadt noch viele kleine amüsante Überraschungen bietet, die uns das große – oftmals hässliche – Ganze für einen Moment vergessen lassen.

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