Berlin ab 50…

… und jünger

Die Kirchenguste (2)

Preußen im Heiligen Land

Friedrich Wilhelm IV nutzte die guten osmanisch-preußischen Beziehungen und schon 1841 wurde mit Konstantinopel ein Vertrag geschlossen, der die Protestanten als eigene Religionsgemeinschaft im Osmanischen Reich anerkannte und den Bau einer Kirche in Jerusalem gestattete. Dabei hatte er die Engländer mit ins Boot geholt und ein anglo-preußisches Bistum gegründet (er wollte eine gemeinsame anglikanisch-deutsche, evangelische Kirche).

Der erste evangelische Bischof 1842 war ein Brite, der die Judenmissionierung vorantreiben sollte. Nach seinem Tod, drei Jahre später, wurde der Schweizer Samuel Gobat Bischof, und durch dessen Tätigkeit wuchs die evangelische Gemeinde in Jerusalem und im Heiligen Land, aber auch durch Einwanderer aus Deutschland („Templer“ aus Württemberg) und Missionsarbeit unter den Juden und Muslimen. Doch bald richtete sich die Missionsarbeit vor allem auf orthodoxe Christen verschiedener Konfessionen sowie auf Waisen. 1852 wurde in Berlin der Jerusalems-Verein gegründet, der Geld zur Unterstützung der Mission und zum Bau der Kirche sammelte. Im Jahr 1854 kommt der württembergische Pietist Johann Ludwig Schneller ins Heilige Land und gründet das „Syrische Waisenhaus“ in Jerusalem. 1869 schenkte der Sultan der Gemeinde ein großes Grundstück mit einer Ruine in der Nähe der Grabeskirche in Jerusalem. Zur Zeit der Kreuzzüge standen hier die Kirche Santa Maria Latina und das Hospital des Johanniterordens. Dieser Orden wurde in Preußen bereits 1812 zur Krankenpflege neu gegründet. Nun endlich konnte eine repräsentative evangelische Kirche in Jerusalem gebaut werden. Aber es kommen der Deutsch-Französische Krieg und die Reichsgründung dazwischen und das Geld fehlt.

1886 wurde der Vertrag über das gemeinsame Bistum mit England gekündigt und dann 1889 die „Evangelische Jerusalem Stiftung“ gegründet. Am Reformationstag 1893 wurde der Grundstein für die „Erlöserkirche“ gelegt und nun konnte gemeinsam mit dem „Evangelischen Kirchenbauverein“ unter der Schirmherrschaft der Kaiserin der Bau beginnen, der am 31. 10.1898 in Anwesenheit des Kaiserpaars geweiht werden sollte.

Die große Orientreise im Oktober 1898 zur Weihe der Kirche in Jerusalem führte das Kaiserpaar auf der Yacht „Hohenzollern“ , eskortiert von zwei Kriegsschiffen, zuerst nach Istanbul, wo Wilhelm II. auf einem Schimmel in Paradeuniform einritt. Ja, er konnte sich in Szene setzten, der eitle Kaiser und so sollte es die ganze weitere Reise gehen. Getrübt wurde seine Stimmung nur dadurch, dass die Anspielung, dass er als „Deutschlands oberster Handelsvertreter ins Osmanische Reich gereist sei“ stimmte (Konzession für die Bagdad-Bahn), er sein Ziel aber bei seinem Freund Abdülhamid II leider nicht erreicht hatte. Danach erreichte der Hofstaat am 25. Oktober Haifa.  Insgesamt waren es 200 offizielle und 279 nichtoffizielle, auf eigene Kosten reisende Teilnehmer.   Von dort ging es mit der Kutsche weiter nach Jerusalem. Anschließend besuchte das Kaiserpaar noch Beirut und Damaskus, bevor es am 26. November wieder in Berlin eintraf.

In Jerusalem warf der Kaiser sich wieder in seine fantastische Paradeuniform, um dann in Anwesenheit vieler Diplomaten, Kirchenvertreter und Militärs der Weihe der Erlöser-Kirche beizuwohnen. Der Architekt Paul Groth hatte im Auftrag der „Evangelischen Jerusalemstiftung“ und des Kirchenbauvereins eine neuromanische Kirche mit neugotischem Innenraum und einem hohen Turm gebaut.

Nach der Kirchweihe der Erlöser-Kirche ist die nächste Station der Zionsberg in der Jerusalemer Altstadt. Hier besucht der Kaiser die deutschen Katholiken, seine Untertanen, für die er – auch zur Überwindung der Folgen des „Kulturkampfs“ – ein Grundstück für einen Kirchenbau gekauft hat. An der Stelle soll sich der Abendmahls-Saal bis zur Zerstörung Jerusalems durch die Römer befunden haben, auch soll Maria hier entschlafen sein. Die Rechte am Grundstück werden vom Kaiser an die deutschen Benediktiner übergeben und 1910 wird hier die „Dormitio Sanctae Mariae Virginis“ geweiht.

Während seines Jerusalem Aufenthalts gibt der Kaiser seinen deutschen Untertanen in Palästina das Versprechen, ein Krankenhaus für sie errichten zu lassen. Die Kaiserin-Auguste Viktoria-Stiftung lässt daraufhin auf dem Ölberg bis 1910 ein Krankenhaus und mit Unterstützung des Kirchenbauvereins eine Kirche errichten.

Nach der Reise entsteht ein Bildband und Reisebericht, in dem die _2-kaiserpaarReise noch einmal medial vermarktet wird.

Dann auf zum Ölberg in der nächsten Folge!

Ihr mw

PS: Bei seinem Damaskus-Besuch im November 1898 sagte er, sich auf nichts Geringeres als auf die sagenhafte Fern-Freundschaft zwischen Harun al-Rashid und Karl dem Großen beziehend und sich in direkter Nachfolge sehend: „Möge der Sultan und mögen die 300 Millionen Mohammedaner, die, auf der Erde zerstreut leben, … dessen versichert sein, dass zu allen Zeiten der deutsche Kaiser ihr Freund sein wird.“

Falls Sie weiterlesen möchten: Der dritte Teil erscheint am 17. Januar.

Fotos(c) mw

 

 

 

4 Kommentare

  1. Peter Martin

    Ich lese den Blog, weil meine Frau mich darum bittet! Und ich lese die historisch motivierten Beiträge von mw auch recht gern – man soll ja auch im Alter noch dazu lernen wollen. Bei der Kirchenguste, vor allem jetzt im 2. Teil, bin ich allerdings nahe daran zu passen. Fakt an Fakt, viele Namen und viele Daten, einmal vor, einmal zurück und mit Einschüben – das alles nahezu absatzlos, das fühlt sich schon sehr nach Bleiwüste an. Der „Einzug in Jerusalem“ scheint mir irgendwie gedoppelt zu sein. Oder ich habe den Faden verloren. Geht Bildung nicht doch etwas freundlicher? Ich hoffe auf die weiteren Folgen, vielleicht wird es wieder besser.
    In diesem Sinne
    Peter Martin

  2. Peter Martin

    Ich habe Fortsetzung 2 noch einmal gelesen, weil ich wirklich dahinter kommen wollte, wie sich die Details fügen. Und jetzt stutze ich über das P.S.. „Er“ ist vermutlich Friedrich Wilhelm. Und was sagt uns das P.S.?
    Peter Martin

    • mw

      Danke für die Hiweise, ich werde mich bemühen, klarer und kürzer zu formulieren. Das Ist allerdings bei der Fülle der Informationen und beim unbedingen Willen, historisch korrekt zu berichten, nicht einfach. Der erste Einzug war in Istanbul beim Sultan, der zweite prächtige Einzug dann in Jerusalem zur Kirchweihe 1898. Und zur zweiten Frage: Schön, dass Sie es bemerkt haben! Kaiser Wilhelm II, von dem hier berichetet wird, äußerte damit eine frühe Version von „Der Islam gehört zu Deutschland“ (Schäuble 2006 auf der Islamkonferenz und der BuPrä Christian Wulff in seiner Rede zum 20. Jahestag der Deutschen Einheit 2010). Das ist schon historisch bemerkenswert, oder?

      • Peter Martin

        Nun ja, das ist vielleicht eine sehr weite Interpretation des Kaiser-Satzes. Ob er wirklich sagen wollte, dass alle Mohammedaner zu seinem Reich gehören? Natürlich wäre es eine nette Verbindung, aber auf der anderen Seite waren er und seine Kirchen-Guste ja eifrig bestrebt, zu missionieren.
        Damals wie jetzt passt vieles nicht zusammen. Schau’n wir mal, was Sie im dritten Beitrag offenbaren werden.
        Peter Martin

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