Berlin ab 50…

… und jünger

Die Kirchenguste (3)

Himmelfahrtskirche und Auguste-Viktoria-Krankenhaus auf dem Ölberg

Der quadratisch-trutzige, 50 m hohe Kirchturm ist eines der Wahrzeichen von Jerusalem und steht auf einem der höchsten Berge, dem Ölberg, 850 m über dem Meeresspiegel und 1300 m über dem Toten Meer. Der Blick vom Ölberg auf Jerusalem ist fantastisch. Von hier zog Christus nach Jerusalem ein, und hier weinte er über die kommende Zerstörung der Stadt und des Tempels durch die Römer, Am Fuße des Ölbergs wurde er im Garten Getsemane gefangen genommen.

Die Himmelfahrtskirche erinnert an die Himmelfahrt Jesu nach seiner Auferstehung, die hier nach Darstellung des Neuen Testaments stattfand. Wie im letzten Beitrag erwähnt, hatte 1898 Kaiser Wilhelm II während seiner Palästina-Reise der deutschen evangelischen Gemeinde in Palästina ein Krankenhaus und Erholungsheim für Malariakranke versprochen, seine Ehefrau finanzierte über ihre Stiftung den Bau. Einen Millionenbeitrag leistete dazu eine rheinische Unternehmerwitwe, so dass ab 1907 Hospital und Himmelfahrtskirche im wilhelminisch-byzantinischen Stil durch den Berliner Architekten Robert Leibnitz erbaut werden konnten. Robert Leibnitz, der in Berlin das Haus Cumberland am Kurfürstendamm, das Hotel Adlon und etliche Kirchen für den Kirchenbauverein baute, errichtete hier eine Trutzburg ohne lokalen baulichen Bezug. Fast das gesamte Baumaterial sowie die komplette Inneneinrichtung von Krankenhaus und Kirche wurden aus Europa eingeführt.

Im Jahr 1910 fand die Weihe in Anwesenheit von Prinz Eitel Friedrich, dem drittältesten Sohn des Kaisers, statt (Abbildung Wappen). 1914 wurde das Hospiz fertig. Die Kirchenglocken stammen aus der weltberühmten Glockengießerei Schilling in Apolda. Die pneumatische Orgel der Firma Sauer in Frankfurt/Oder ist im Originalzustand erhalten. Der Baumeister Leibnitz hat sich als Apostel Thomas in der Deckenmalerei verewigen lassen.

Über der Orgelempore thronen die beiden Stifter Auguste Viktoria und Wilhelm II. mit dem Modell der Kirche (Abbildung), umgeben von kreuzritterlichen Herrschern. Die Mosaikarbeit mit Jerusalem als Hintergrund der Kreuzigungsszene wurde durch die Berliner Firma Puhl & Wagner (bedeutendster und größter deutscher Hersteller von Glasmosaiken und Glasmalereien mit Sitz in Neukölln) ausgeführt. Kaiserin Auguste Viktoria hat das Hospital oder die Kirche nie gesehen, allerdings hat sie das Apsis-Bild des auferstandenen Christus selbst ausgesucht, es war ursprünglich für die Gerolsteiner Erlöserkirche vom „Kirchenbauverein“ bestimmt.

Im Ersten Weltkrieg waren hier Hauptquartier und Lazarett der Deutschen und Osmanen. Nach Kriegsende zog in der Mandatszeit der britische High-Commissioner ein, bis 1927 ein Erdbeben beide Gebäude stark beschädigte. Bis 1937 wurde das Krankenhaus von den Kaiserwerther Diakonissen wieder aufgebaut. Im Zweiten Weltkrieg war hier die arabische Legion der Briten untergebracht.

Nach 1948 versorgte das Rote Kreuz im Hospiz palästinensische Flüchtlinge. Heute wird in dem modernen Krankenhaus mit 170 Betten hauptsächlich die palästinensische Bevölkerung Ost- Jerusalems und Palästinas behandelt. Das Krankenhaus wird seit 1950 vom Lutherischen Weltbund betrieben und hat viele Förderer in aller Welt, darunter auch „Brot für die Welt“, Care und die UNO. Die vom Erdbeben 1927 schwer beschädigte Kirche sollte Mitte der 1980-iger Jahre abgerissen werden. Jerusalems Bürgermeister Teddy Kollek setzte sich für den Erhalt ein und so wurde die Kirche in den Jahren 1988-1991 durch die Ölbergstiftung mit Sitz in Hannover renoviert.

Der nächste Teil führt nach Bethlehem, bevor wir das Heilige Land verlassen.

Er erscheint am 21. Januar.

mw

Fotos(c) mw

Ein Kommentar

  1. Peter Martin

    Lieber mw,
    wie versprochen habe ich auch Teil 3 gelesen. Nun, es sind wieder viele Fakten, viele Namen und es ist gar nicht so einfach, daraus ein Bild entstehen zu lassen, das mir eine Idee vermittelt, was dort entstanden ist. Es ist ja nicht nur eine Kirche und es ist nicht nur ein Hospital, sondern es steckt eben auch ein Anliegen dahinter. Glaube ich zumindest.
    Warum Ted Kollek die Kirche retten wollte, hat mich interessiert – ich weiß es jetzt, vielleicht interessiert es auch andere Leser.
    Apolda – auch da musste ich erst einmal nach“schlagen“ – oder muss man den Ort kennen?
    Und dass es gerade der Ölberg ist, auf dem Kirche und Hospital gebaut wurden, wäre auch noch interessant, denn der Ölberg ist ja nicht nur einfach ein Berg. So richtig habe ich es nicht herausgefunden.
    Peter Martin

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