Berlin ab 50…

… und jünger

Wunsch Nr. 2 an den Berliner Senat

Sie erinnern sich? Im ersten Beitrag „Was ich mir wünsche“ ging es um das „House of Jazz“. Ein Projekt, das die Internationalisierung Berlins auf vorzügliche Art und Weise vorantreiben würde.

Mein zweiter Wunsch: Verwirklichung der Initiative von Herta Müller, ein „Exilmuseum“ ins Leben zu rufen.

Vor einiger Zeit hat Isolde, Filmkritikerin auch für diesen Blog, über den Film „Vor der Morgenröte“ geschrieben (20.4.2016). Darin geht es um die Exilerfahrungen von Stefan Zweig. Was hier auf eindrückliche Weise anhand eines (prominenten) Einzelfalls, nämlich anhand der Biographie Zweigs geschildert wird, soll auf umfassende Weise in dem geplanten Museum aufgearbeitet werden.

Warum das so wichtig ist?

Es sind ja keineswegs nur die bekannten und berühmten jüdischen Künstler, Künstlerinnen, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die vor dem Terror des Nazi-Deutschlands fliehen mussten; es sind darüber hinaus Hunderttausende unbekannte Menschen, die aus ihrem Heimatland, aus Deutschland, verjagt und vertrieben wurden (das ist der Unterschied zum geplanten Zentrum „Flucht, Vertreibung Versöhnung“, bei dem es um Vertriebene in Europa und weltweit geht und als Folge des verlorenen Krieges auch um die Menschen aus den früheren Ostprovinzen und ihren Siedlungsgebieten).

Sie mussten emigrieren in Länder, die ihnen fremd waren, in denen ihre Sprache nichts galt, und in den meisten Fällen mittellos. Diese Biographien aufzuspüren, sich zu erinnern – das soll das Museum leisten. Das Leben im Exil bedeutet, zu „verschwinden“, die eigene Biographie zum Teil zu verlieren. Der oben erwähnte Film „Vor der Morgenröte“ zeigt das eindringlich. Die Gedenkstätte soll ein zentraler Ort des Gedenkens und Bewahrens sein.

Die Idee zu diesem Museum ist schon vor einigen Jahren im Kopf von Herta Müller entstanden.

2011 schrieb sie einen „Offenen Brief“ an die Bundeskanzlerin, dem sie den Titel gab: „Menschen fallen aus Deutschland“. Als Reaktion darauf wurde 2013 die virtuelle Ausstellung „Künste im Exil“ freigeschaltet. Darüber hinaus gibt es inzwischen vermehrt Exilforschungen und einige Institutionen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. All diesen ist gemeinsam, dass dort vornehmlich gesammelt, aber nicht ausgestellt wird.

Und um das Zugänglichmachen geht es, darum, die Exilerfahrungen an Schicksalen nachvollziehbar aufzubereiten, Zeugnis abzulegen, was Exil bedeutet.

Am 18.11. 2016 fand im Literaturhaus in der Fasanenstraße – wiederum auf Initiative von Herta Müller – ein Symposium statt. Der Ort des Gesprächs war gut gewählt, denn gerade in diesem Teil Berlins wohnten einst viele der ersten Emigranten – Künstler, Anwälte, Ärzte … Dazu gehörte auch Heinrich Mann – er wohnte im Haus 61 in der Fasanenstraße.

Das Symposium war, so hoffe ich, ein weiterer Anstoß zu seiner Realisierung. Mögliche Standorte wurden bereits angesprochen, z.B. der Anhalter Bahnhof oder rund um den Gropius-Bau.

Vielleicht konnte ich Ihnen meine beiden Wünsche nahe bringen – dann ist mein Ziel erreicht. Und wenn Sie sich schon jetzt für diese Exilerfahrungen interessieren: Es gibt eine Ausstellung, die ich zwar selbst noch nicht gesehen habe, aber die viel verspricht – vielleicht schreiben Sie, wenn Sie dort waren, etwas über Ihre Eindrücke. Das wäre wunderbar.

Bauhaus Archiv,, Klingelhöferstr. 14 mit Lucia Moholy: „Die englischen Jahre“ (Mi-Mo 10-17 Uhr. Bis 27.2.2017)

Im “Verborgenen Museum, Schlüterstr. 70 läuft noch bis zum 5.2. die Ausstellung: „Schicksal Emigration“ mit Fotografien von Gerti Deutsch und Jeanne Mandello (Do/Fr. 15-19 Uhr, Sa/So 12–16 Uhr). Sie müssten sich also beeilen.

Bleiben Sie mir gewogen.

I.B.F.

Fotos(c) I.B.F.

Ein Kommentar

  1. isolde arnold

    Am „Exilmuseum“ bin ich auch dran und für den Tipp „Verborgenes Museum “ sehr dankbar!
    I.A.

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