Berlin ab 50…

… und jünger

Die Kirchenguste (4)

Die Weihnachtskirche in Bethlehem

Bethlehem im Westjordanland hat ca. 30.000 Einwohner und gehört seit 1994 zu den Palästinensischen Autonomiegebieten. Es grenzt im Norden an Jerusalem und hat für Juden und Christen eine besondere Bedeutung: es soll der Geburtsort von König David und Jesu sein. Außerdem soll hier die Frau Jacobs, Rachel, begraben sein. An dem vermuteten Geburtsort Christi steht heute die Geburtskirche. Jassir Arafat hatte früh festgelegt, dass nur ein christlicher Palästinenser Bürgermeister werden kann und auch die Mehrheit des Gemeinderates der Stadt christlich sein muss. Die arabischen Christen in Nahost (ca. 190.000) sind eine kleine Minderheit, die sich aus vielen Gruppierungen – russisch / griechisch / syrisch-orthodox / römisch-katholisch usw.- zusammensetzt und die – durch die Spannungen wie der Intifada und der israelischen Restriktionen als Antwort darauf – durch Auswanderung ständig abnimmt. Zu den Christen zählt auch die „Untergruppe“ evangelischer Christen: Neben den 2.000 Anglikanern, der größten Gruppierung, gibt es Lutheraner, Baptisten, Nazarener, Pfingstgemeinden und Mitglieder evangelischer Freikirchen. Anders als im 19. Jahrhundert dürfen heute Muslime nicht bekehrt werden, die Kirche ist sich ihrer versöhnenden Rolle im Nahostkonflikt bewusst. Obwohl die evangelische Kirche (Bischofsitz in Jerusalem) sehr klein ist, hat sie 33 karitative Institutionen, in denen über 2.000 Angestellte arbeiten. Sie unterhält Krankenhäuser, wie das Auguste-Viktoria-Haus, 17 Schulen, teils für behinderte, gehörlose und blinde Kinder, Kindergärten, Gästehäuser und Behinderteneinrichtungen. Soweit kurz zur Situation und zum Wirken christlicher Einrichtungen in Palästina.

Die evangelische Weihnachtskirche liegt im Zentrum der Stadt am Madbasseh-Platz (Abbildung). Ihr Bau geht auf die Initiative Pfarrer Ludwig Schnellers, dem Sohn des Gründers des Syrischen Waisenhauses in Jerusalem, zurück. Er wurde 1884 durch den Berliner Jerusalems Verein an die evangelische Pfarr- und Missionarsstelle Bethlehem berufen. Dort sammelte er Geld für den Bau einer Kirche und suchte Kontakt zum „Evangelischen Kirchenbauverein“. 1886 wurde mit dem Bau begonnen. Als Architekt wurde August Orth (1828 – 1901) verpflichtet, von dem in Berlin die Gethsemane-Kirche, die Zionskirche, der Görlitzer Bahnhof und das Palais Strousberg in der Wilhelmstraße stammen. Die Kirche im Stil des „Deutschen Historismus“ wurde 1891 vollendet. Die Weihe konnte allerdings nicht erfolgen, da die Genehmigung aus Istanbul fehlte. 1893 besuchte Kaiserin Auguste Viktoria den Sultan in Istanbul und erreichte, dass die notwendige Genehmigung erteilt wurde. In ihrer Geschichte wurde die Weihnachtskirche mehrfach durch Kriegshandlungen und Erdbeben beschädigt. Heute finden arabisch-sprachige, lutherische Sonntagsgottesdienste statt. Die Mission der Kirche wird beschrieben mit „Heimat schaffen Tag für Tag, ein Land aufbauen Stein für Stein, eine Gesellschaft stärken Person für Person, Institutionen schaffen, die Leben in Fülle geben.“

Nördlich der Stadt verläuft die israelische Sperranlage mit einer bis zu acht Meter hohen Mauer, die Israel vor Terrorakten schützen soll. Dadurch wird Bethlehem von Jerusalem getrennt und die Bewegungsfreiheit der palästinensischen Bewohner der Stadt Bethlehem erheblich eingeschränkt (Abbildung). Der berühmte britische Streetart-Künstler Banksy hat hier ein zum Nachdenken anregendes Graffiti hinterlassen.

 

 

 

In der nächsten Folge sind wir wieder in Berlin. Sie erscheint am 25. Januar.

mw

Fotos(c) mw

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