Berlin ab 50…

… und jünger

Danke gleichfalls…

Endlich brauche ich diesen Spruch nicht mehr zu sagen. Geht es Ihnen genauso? Es ist ja ein ehrlicher Spruch, aber am Anfang des Jahres wohl eher die Frage: „Warum hast Du dich nicht gemeldet?“

Dabei fiel mir die Art unserer Kommunikation in der heutigen Zeit auf. Als ich vor dem großen Fest in die U-Bahn einstieg, um ein paar Stationen zu einer „Mall“ zu fahren, fühlte ich mich schon auf der Straße wie in einem Spinnennetz. Ich spürte regelrecht die vielen virtuellen Fäden. Die Mails, die WhatsApps, die SMS, die Telefonverbindungen, Bilder, Smileys, Cartoons, die Musik – was alles so durch die virtuelle Gegend rauscht. Zum Glück konnte ich noch frische Luft zum atmen bekommen.

Es wurde noch schlimmer. Da saßen sie alle: Links und rechts, Kopf nach unten mit Blick auf das Smartphone (Tragtelefon) und, sendeten, hörten und telefonierten. Die ganz Fortschrittlichen sprachen zur Freude ihrer Mitfahrer sogar laut genug zum Mithören. Ich blickte durch das Verbindungsfenster in den nächsten Wagen. Nein, zu wechseln machte keinen Sinn.

Am Ziel angekommen wunderte ich mich über die Lautsprecheransage: „Bitte einsteigen!“ Denkt die BVG wirklich, dass das Einsteigen vielleicht vergessen wird? Sollte sie nicht lieber ansagen: „Bei Benutzung elektronischer Geräte das Aussteigen nicht vergessen“? Wird nicht schon in vielen Kulturstätten darauf hingewiesen, die Geräte am Ende der Veranstaltung wieder einzuschalten?

Ja, ich gebe es zu, ich besitze auch ein Coffeephone (weil beim Kaffeehändler gekauft). Dieses kleine Ding quietscht vor Vergnügen, wenn es mir etwas mitteilen möchte. In der Zeit vor dem großen Fest quietschte es besonders oft. Ich erhielt diverse Nachrichten von Freunden, auch von noch unbekannten Freunden oder von Freunden, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Inhaltlich waren es sehr nette Animationen, Bildchen, Sprüche und sogar Witziges.

Nach ein paar Tagen fragte ich mich : Wo kommen die ganzen Wiederholungen her. Diese oder jene Nachricht kennst Du doch schon. Dabei fiel mir auf, dass oft keine Anrede oder ein persönlicher Gruß dabei war. Jetzt erst entdeckte ich die bequeme Art der Weiterleitung oder das Teilen einer Nachricht. Na gut.

Wie üblich hole ich mir am Vormittag meine Tageszeitung aus dem Briefkasten und freue mich, wenn auch ein Brief dabei ist. In der Zeit vor dem Fest erhielt ich sogar des öfteren Briefe mit handgeschriebener Anschrift und Absender, manchmal verziert mit einem Motivaufkleber. Besonders freue ich mich, wenn nicht nur eine Unterschrift unter dem gedruckten Gruß steht, sonder ein, zwei Sätze mehr, z. B. wie es denn so geht. Ganz einfach oder? Es hat auch schon Briefe gegeben, die persönliche Ereignisse des vergangenen Jahres beschrieben haben. Das hat mir sehr gut gefallen.

Wenn dann das das neue Jahr begonnen hat und der grüne Baum aus dem Fenster zu seinen eingepflanzten Artgenossen fliegt, dann wartet auch der Papierkorb auf die Briefgrüße. Und wenn ich es bis jetzt noch nicht getan habe, greife ich zum Telefon und bedanke mich bei den Schreibern, wünsche etwas nettes, was meistens mit „Danke gleichfalls“ beantwortet wird.

Gleichzeitig stelle ich dann traurigerweise fest, dass die Absender der elektronischen Briefe in meinem Gedächtnis schon verblasst sind und ich mich nicht mehr so recht daran erinnern kann, wer mir was gesendet hat. Hat mir das virtuelle Spinnennetz mein Gedächtnis verklebt?

In diesem Moment muss ich zur U Bahn und begegne vor der Haustür einer Dame mit einem gelben und einem Herren mit einem grünen Fahrrad. Jeweils mit großen gelben bzw. grünen Taschen beladen.

Weil sie mich ein ganzes Jahr lang, trotz Zusteller-Flatrate erfreuen, drücke den Beiden jeweils einen Schein in die Hand, als Dankeschön für die Mühe, die sie besonders am Wochenende aufbringen müssen. Da ist nämlich mein Briefkasten immer ganz voll mit einer kostenlosen Zeitung und diversen Werbebeilagen. Und das trotz des Aufklebers: Bitte keine Werbung!

Tja, liebe Leser, wenn es Ihnen ähnlich geht, schreiben Sie einfach einen Kommentar. Vielleicht sogar nur: Daumen hoch oder Daumen runter. Sie wissen ja: sooo muß Technik!! (Wirklich??) Übrigens ist dies kein Beitrag zum 10jährigen Geburtstag der kleinen Geräte!

Ihr brd

Fotos(c) brd

2 Kommentare

  1. M.R.

    Lieber brd,
    Ihr Kürzel lässt einen Sinn fürs Skurrile oder Ironische vermuten (ich höre es in meinem Kopf „schnarren“!) und so in etwa ist wohl auch Ihr Beitrag gemeint. Leider: So manches, wohl ironisch gemeinte, verstehe ich einfach nicht. Z.B. die Flatrate-Sache! Muss ich wohl noch einmal nachdenken. Das mit der Ansagerei habe ich wohl verstanden – denke ich.
    Bei dem Satz „soooo muß Tecchnik“ komme ich allerdings wieder ins Grübeln. Fehlt da nicht was?
    Deswegen weder ein Daumen noch oben noch nach unten. Ein waagerechter Daumen hingegen würde auch keinen Sinn machen. Nicht hü, nicht hot!
    M.R.

  2. PB

    Liebe M.R.,
    zu Ihrer „Aufklärung“: „Soo! muss Technik“ ist ein Werbespruch von einem der beiden großen Elektronik-Anbieter. Der Satz gehört zum Sprachschatz eines (fiktiven) Herrn Tech-Nick.
    Man kann das Ganze etwa dem Sprachniveau „Geiz ist geil“ zuordnen, bei dem auch an Wörtern gespart wird.
    Grübeln Sie nicht weiter, es lohnt nicht.
    PB

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