Berlin ab 50…

… und jünger

Martin Heinrich Klaproth zum 200-sten Todestag

In der Leipziger Straße in Mitte ist die Klaproth-Apotheke dem Einen oder Anderen vielleicht schon mal aufgefallen. Auch ein Denkmal und eine Gedenktafel gibt es. Aber wussten Sie auch, dass hier, im alten Berlin, vor 228 Jahren in der Spandauer Straße das Element Uran von einem Apotheker entdeckt wurde? Also ohne Apotheker Klaproth keine Entdeckung der Radioaktivität des Urans (1896; Becquerel) und keine Entdeckung der Kernspaltung (Hahn 1938) und damit keine A-Bombe? Naja, so einfach ist es sicher nicht, aber trotzdem lohnt die Lebensleistung Klaproths einen genaueren Blick.

Dieser bedeutendste deutsche Chemiker am Ende des 18-ten und Beginn des 19-ten Jahrhunderts entdeckte in seinem Apothekenlabor in der Spandauer Straße Nr. 25 in Berlin in mineralischen Erzen die Elemente Zirkon (1789), Uran (1789) und Titan (1795) und unabhängig, aber zeitgleich mit anderen Wissenschaftlern Strontium (Hope, Schottland 1793), Chrom (Vauquelin, Paris 1797) und Cer (Berzelius, Stockholm 1803). Außerdem bestätigte er durch eigene analytische Untersuchungen die Entdeckung von Tellur (Müller v. Reichenstein, Wien 1782) und Beryllium (Vauquelin, Paris 1798).

Martin Heinrich Klaproth war Apotheker in einer Zeit, in dem es noch keine industrielle Arzneimittelproduktion und kein universitäres Pharmazie-Studium gab, das Wissen über Wirkungen von Arzneimitteln aus empirischen Beobachtungen und Überlieferungen stammte und Apothekenlaboratorien zum Ort wegweisender Entdeckungen wie z.B. des Morphins (Sertürner, 1816) wurden.

Klaproth wurde am 11.12.1743 in Wernigerode geboren. Er war der Sohn eines Schneiders und verließ die dortige Lateinschule ohne Abschluss. 1759 wurde er Lehrling an der Ratsapotheke in Quedlinburg und nach 6 Jahren Geselle in Hannover. Klaproth wechselte noch einige Male die Arbeitsstelle, war in Berlin und Danzig, um dann im März 1771 als Geselle in der Apotheke zum Weißen Schwan in der Spandauer Straße seine Arbeit aufzunehmen. Diese Apotheke wurde später durch die Schilderungen Theodor Fontanes in „Zwischen Zwanzig und Dreißig“ bekannt.

Durch die Heirat mit der wohlhabenden Christiane Lehmann, einer Nichte des berühmtem Berliner Chemikers Andreas Sigismund Marggraf (der Chemiker, der den Rübenzucker entdeckte und zusammen mit Franz Karl Achard als Vater der Zuckerindustrie Deutschland gilt), hatte er 1780 genügend Kapital, um eine eigene Apotheke erwerben zu können: die 1707 gegründete Bären-Apotheke in der Spandauer Straße/Ecke Probststraße (im 2. Weltkrieg zerstört). Er entwickelte hier analytische Verfahren zur qualitativen und quantitativen Bestimmung von chemischen Stoffen in Mineralien und veröffentlichte seine Erfahrungen einschließlich einer Diskussion von möglichen Fehlerquellen. Klaproth führte die Waage als analytisches Standardinstrument ein.

Zwischen 1795 und 1815 veröffentlichte er sechs Bände „Beiträge zur Chemischen Kenntnis der Mineralkörper“, in denen er seine Beobachtungen und Entdeckungen der Fachwelt mitteilte. 1799 erschien die von ihm betreute „Pharmacopoea Borussica“ als preußisches Arzneibuch und wurde zur „Mutter“ aller zukünftigen deutschen Arzneibücher, durch die die Qualität von Arzneimitteln standardisiert wurde. Als er 1800 die Apotheke verkaufte, war er längst wissenschaftlich etabliert: seit 1783 hielt er Vorlesungen für Ärzte an der Militärakademie, seit 1788 war er ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Lehrer des Berg- und Hütten-Instituts. 1789 entdeckte er in seinem Apothekenlabor in der erzgebirgischer Pechblende das Element Uran. Namensgeber war für Klaproth dabei der Planet Uranus, den acht Jahre zuvor -1781- der in Hannover geborene und in England (Bath) wirkende Musiker und Astronom Friedrich Wilhelm Herschel entdeckt hatte. 1793 fand er gemeinsam mit dem britischen Chemiker Thomas Hope im Mineral Strontianit (nach dem Fundort, dem schottischen Dorf Strontian benannt) das Element Strontium. Aber auch gesundheitspolitisch war er wirksam. So forderte er die Kontrolle der von Apotheken hergestellten Arzneimittel und polemisierte öffentlich gegen sogenannte „Wundermittel“.

Ohne Abitur, Studium, Promotion und Habilitation wurde Klaproth 1810 auf Vorschlag Wilhelm von Humboldts an die neugegründete Friedrich-Wilhelm-Universität (heute Humboldt-Universität) als erster Professor für Chemie berufen. Vor 200 Jahren, am 1. Januar 1817, starb Klaproth an den Folgen eines Schlaganfalls. Sein Grab auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof ist nicht mehr nachweisbar, da ein Stück des Friedhofs für den Bau der Hannoverschen Straße benötigt wurde. Die von Rudolf Sander gestaltete Gedenktafel wurde anlässlich des 250. Geburtstags von der Firma Siemens gestiftet.

Das Stück erzgebirgischer Pechblende, das Martin Heinrich Klaproth 1789 in der Bären-Apotheke analysierte und in dem er Uran fand, liegt heute in einer Vitrine des Naturkundemuseums in Berlin. Dort befindet sich die gesamte Mineraliensammlung Klaproths (4828 Exemplare).

Vielleicht ein zusätzlicher Grund, das Naturkundemuseum einmal wieder zu besuchen?

Heute sind die Zeiten für die analytische Chemie schwieriger. Die natürlichen Elemente – bis auf einige Seltene Erden – wurden alle bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckt. Die in den vergangenen Jahren gefundenen, neuen radioaktiven chemischen Elemente kommen in der Natur nicht vor. Sie wurden im Labor künstlich erzeugt. Heute kann allenfalls die Berliner universitäre Genderforschung einige neue Geschlechtsidentitäten entdecken, worauf unsere Nachkommen in 200 Jahren dann stolz sein können.

Bleiben sie dran.

Ihr mw

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