Berlin ab 50…

… und jünger

Die Kirchenguste (6)

Epilog auf Auguste Viktoria und den Kirchenbauverein- was bleibt ?

Der 1890 gegründete evangelische Kirchenbauverein, der unter dem Protektorat der Kaiserin Auguste Viktoria stand, betrieb die Neuerrichtung von Kirchen in den industriellen Ballungsgebieten Preußens bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Mit dem Ende der Monarchie kommt die Tätigkeit des Bauvereins zum Erliegen, so dass er 1930 aufgelöst wird.

Nach dem 2.Weltkrieg wird der Wiederaufbau und Neubau von Kirchen – in Berlin durch z.B. durch Otto Bartning – über Baudirektionen in Städten und Gemeinden in Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden und durch Hilfswerke, wie das Evangelische Hilfswerk Neckarsteinach betrieben. 1975 kommt es in Berlin-Friedenau zur Neugründung des Evangelischen Kirchenbauvereins (Evangelischer Kirchenbauverein Gossler Straße 25, 12161 Berlin). Als Aufgabe wird in der Satzung genannt, dass „Vieles, was der kriegerischen Vernichtung am Kirchengebäuden und Kunstwerken entgangen war, fast immer der Beurteilung durch kurzlebige Modeströmungen unterworfen wurde und im Zuge des Wiederaufbaus nur weiter zerstört worden ist. Das gilt besonders von der Sorglosigkeit, mit der die Kirchenbauten des 19. Jahrhunderts behandelt wurden.“ Der Verein verbindet Architekten, Historiker und Theologen in der gemeinsamen Aufgabe der Bewahrung der Bauwerke.

Die großen Gotteshäuser des 19. Jahrhunderts mit oftmals mehr als 2000 Plätzen, schnell und kostenbewusst durch den Kirchenbauverein errichtet, sind in Zeiten religiöser Abstinenz und Glaubensferne noch nicht einmal am Heiligen Abend gefüllt. Gigantische Sanierungsmaßnahmen stehen an, für die das Geld fehlt. Sanierungen, wie die des Egon-Eiermann-Neubaus der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, einem der bedeutendsten Kirchenensembles nach 1945 sowie des alten Turms sind ein Glücksfall, wovon andere Berliner Kirchen nur träumen können. Es bleiben viele offene Fragen zur Zukunft dieser Kirchen!

Was bleibt zu Auguste Viktoria zu sagen? Auguste Viktoria war eine tiefreligiöse, als etwas naiv beschriebene, aber auch sozial engagierte und wohltätige Kaiserin. Sie hatte neben dem religiösen auch einen politischen Einfluss auf Wilhelm II. So setzte sie nach 1905 durch, dass Frauen in Preußen studieren dürfen. „Ich bin entschieden für Mädchengymnasien“ soll die konservative Kaiserin erklärt haben. Im niederländischen Exil in Doorn nahe Utrecht erkrankte sie und starb nach drei Jahren am 11. April 1921. Sie liegt im Mausoleum der Hohenzollern im Antikentempel im Park Sanssouci begraben (nicht öffentlich zugänglich).

Der abgedankte Kaiser heiratete ein Jahr nach ihrem Tode noch einmal (die verwitwete Prinzessin Hermine von Schönaich-Carolath) und überlebte seine erste Frau holzhackend um 20 Jahre.

Das war die Geschichte der „Kirchenguste“ in Berlin und im Heiligen Land. Ich hoffe, sie sehen nun die Kirchen aus dieser Zeit aus einem neuen Blickwinkel!

Ihr mw

Fotos(c) mw

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