Berlin ab 50…

… und jünger

Wissenschaft im Sauriersaal auch in 2017

Vortragsreihe „Wissenschaft im Sauriersaal“ im Museum für Naturkunde Berlin

Die Lebenswissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität und das Naturkundemuseum boten 2016 zum ersten Mal eine öffentliche Vortragsreihe zu spannenden aktuellen Wissenschaftsthemen an. Die kostenlosen, monatlich stattfindenden Vorträge im Naturkundemuseum waren immer schnell ausgebucht. Auch in diesem Jahr laden die drei Institutionen an acht Abenden ab Ende Januar ein, im Ambiente des Sauriersaals in spannende aktuelle Wissenschaftsthemen einzutauchen und danach das Museum bis 22 Uhr zu erleben. 

Dazu gehören Themen wie „Erst esse ich meins, dann teilen wir deins – Hungersnöte heute“; „Ernährung zwischen Technologie und Transzendenz“ und „Das große Missverständnis: Gentechnik und landwirtschaftliche Entwicklung“. Da alle Vorträge aufgezeichnet und veröffentlicht werden, stehen auch beim Verpassen des Termins die Informationen unter der Webadresse des Museums zur Verfügung. Allerdings ist die Live-Präsentation und Diskussion unschlagbar, wie ich selbst wiederholt feststellen konnte. In diesem Jahr ist das komplette Programm bereits veröffentlicht, allerdings kann man sich immer nur vier Wochen vor dem Vortrag anmelden. Also im Kalender notieren! Meist sind die Veranstaltungen schon nach einer Woche ausgebucht.

Link hier: https://www.hu-berlin.de/de/foerdern/was/projekte/praesentation/wissenschaft-im-sauriersaal/

Sauriersaal

Wie kam es zu dieser schönen – nun im zweiten Jahr – bestehenden„Tradition“?

Darwins Urenkelin Sarah Darwin, mit dem Generaldirektor des Museums für Naturkunde Berlin, Johannes Vogel verheiratet und selbst Botanikerin, hatte 2015 die Idee, jedes Jahr den Geburtstag Darwins mit einer öffentlichen Veranstaltung zu begehen. Darwins Erkenntnisse zur natürlichen Auslese, zum gemeinsamen Baum des Lebens, zum Aussterben von Arten und zur Anpassung an Lebensräume als natürlichen Prozess und zur Koevolution sind heute noch relevant. Wenn nicht sogar alarmierend relevant: Rund 70 Prozent der muslimischen Lehramtsstudenten in Deutschland lehnen die Evolutionstheorie ab, fast 60 der Prozent von ihnen bestreiten, dass der heutige Mensch aus affenartigen Vorfahren hervorgegangen ist (Forschungsgruppe Weltanschauung in Deutschland 2017( https://fowid.de/). Der Aussage, dass die Evolutionstheorie eine wissenschaftlich anerkannte Theorie sei, stimmen 84% der konfessionsfreien und 80% der christlichen Studenten zu, aber nur 41 % der muslimischen Studenten. Hier galt Frage nicht der persönlichen Zustimmung, sondern der wissenschaftlichen Einordnung der Evolutionstheorie.

Wie zukünftige Lehrer ihren Schülern ein auf der Evolutionsbiologie fußendes Selbst- und Menschenbild vorurteilsfrei vermitteln wollen, ist den Forschern unklar. Man erinnere sich noch an die hämischen Kommentare in Deutschland über die Versuche evangelikaler Christen im Bibel-Belt der USA in den 1990-er Jahren, die Evolutionstheorie im Biologieunterricht durch den „Kreationismus“ zu ersetzen. Nun ist Deutschland auf dem gleichen Weg: Bereits 2014 versuchte die neue Landesregierung in Baden-Württemberg, Biologie in der 5. und 6. Klasse durch ein Fach“ Naturphänomene und Technik“ abzulösen, was auf Grund vielfältiger Proteste bisher nicht gelang.

Tristan, Tyrannosaurus Rex

Auch ohne Besuch eines Vortrags ist ein Besuch des Naturkundemuseums immer ein Erlebnis! Das Haus ist nicht nur ein Museum, das Objekte bewahrt, sondern auch ein Forschungsmuseum“.  Es zählt zu den weltweit bedeutendsten Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der biologischen und erdwissenschaftlichen Evolution und Biodiversität. Mehr als 30 Millionen Objekte aus Zoologie, Paläontologie, Geologie und Mineralogie aus über 200 Jahren fortlaufender Sammeltätigkeit sind mit der Forschung unmittelbar verbunden. Objekte, wie das Berliner Exemplar des Urvogels Archaeopteryx oder die Dinosaurier der Grabungsstätte Tendaguru (darunter Brachiosaurus brancai) oder die vermutlich älteste noch erhaltene Fischsammlung der Welt (Sammlung Bloch) sind Höhepunkte.

Das Museum ist mit zeitgemäßen medialen Installationen ausgestattet, so dass auch Ihre Enkel sich die Dinosaurier zu ihren besten Zeiten gut vorstellen können. Viel Spaß dabei!

Ihr MW

Fotos(c) MW, PB

3 Kommentare

  1. mw

    Nachtrag: In der Türkei, so berichtete die Tagesschau vor vier Tagen, werden in den gymnasialen Schulbüchern „Säkularismus“ und „Atheismus“ als „problematische Überzeugungen“ und als „Krankheiten“ eingestuft und die Evolutionstheorie wird aus den Lehrplänen gestrichen. Auch die Bezugnahme auf den Gründer der laizistischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk, soll immer mehr aus den Unterrichtsinhalten verschwinden. Die Erdogan-Regierung will eine „fromme Generation“ heranziehen. Reicht bald vielleicht schon der Besuch der Koranschule?

    • A.L.

      Dieser Nachtrag stärkt mein Unbehagen. Natürlich ist das, was verfügt werden soll, skandalös und anzuprangern. Aber es sollte nicht in dem obigen Satz enden: „Reicht bald schon der Besuch der Koranschule“. Zu was oder wem reichen? Oder für was? M.E. sollten solche vagen Formulierungen gerade bei solchen kritischen Themen vermieden werden.
      A.L.

  2. A.L.

    Dem obigen Beitrag müsste eigentlich in einem ausführlichen Kommentar vor allem hinsichtlich der Aussagen über den Kreationismus und seine Verbreitung unter muslimischen Menschen widersprochen werden. Das würde allerdings bedeuten, in die Einzelheiten der genannten Studie einzugehen und die erhobenen Daten mit anderen zu vergleichen. Was den Rahmen eines Kommentars in einem Blog sicher sprengen würde.
    Zwei Dinge allerdings sind trotzdem zu erwähnen: Es sind nicht allein die „unbelehrbaren“ Muslime zu nennen bzw. die große Zahl derer, die die Evolution ablehnen, sondern eben auch die Tatsache, dass vor allem eine (sehr) große Anzahl der deutschen Bekenntnisschulen für den Kreationismus das Wort ergreifen. D. h., die Rolle, die deutsche Institutionen und Verbände in dieser Frage spielen, wird nicht problematisiert. So, wie es hier formuliert ist, liegt das böse Wort der „Fremdenfeindlichkeit“ unangenehm nahe, die ich allerdings dem Verfasser nicht unterstellen möchte. Die Studie, die angeführt wird, beschäftigt sich mit einer bestimmten Gruppe, den Lehramtsstudenten, darunter auch den muslimischen. Soll diese spezielle Gruppe stellvertretend stehen auch für alle anderen Gruppen?. Ist das wissenschaftlich zulässig?
    Zudem gibt es viele Länder, in denen der Kreationismus-Glaube noch sehr viel stärker verbreitet ist als in der Türkei. Zu nennen wären u.a. Russland und Serbien. Die USA – das ist erwähnt – gehören vermutlich in noch viel stärkerem Maße dazu, als der Beitrag nahelegt.
    Der zweite Punkt: Ich habe zum einen nicht verstanden, was die Einführung des neuen Faches Naturphänomene und Technik in Baden-Württemberg mit der Kreationismus-Debatte zu tun hat. Wo finde ich den Zusammenhang? Darüber hinaus gibt es das Fach inzwischen – das sollte eigentlich fairerweise dann auch gesagt werden. Und auch, dass der anfängliche Protest viele Gründe hatte.
    A.L.

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