Berlin ab 50…

… und jünger

Sammeln – die Leidenschaft

„Dürfte ich Ihnen einmal meine Briefmarkensammlung zeigen?“ Diese Einladung kennen Sie, liebe Leserinnen, und vielleicht sind sie ihr sogar gefolgt und haben dabei mehr als nur die philatelistische Leidenschaft des Gastgebers kennen gelernt.

Unter einem Sammler, zumindest dem von Briefmarken, stellt man sich einen gebeugten, alterslosen Mann mit Halbglatze und Lesebrille vor, der unter dem Lichtkegel einer Tischlampe mit Hilfe von Lupe und Pinzette versucht, kleine, am Rand perforierte Papierstückchen in dafür vorgesehene Zellophantäschchen zu stecken.

Dieses Klischee ist so richtig wie falsch, denn von Sammelleidenschaften sind nicht nur Männer besessen, nein, auch die Frauen, und die haben wahrscheinlich einst sogar mit dem Sammeln angefangen. Lebensmittelvorräte mussten angelegt werden für entbehrungsreiche Winter oder dürre Sommer, und nützliche Dinge gehortet für Zeiten, in denen Mangel herrschen würde. Wer würde das besser beherrschen als eine Frau? Aus dieser, einst lebenserhaltenden Notwendigkeit, mag sich das heutige Sammeln „unnützer“ Gegenstände entwickelt haben, das Sammeln hat sich verselbstständigt und dient nur noch der Befriedigung eines längst verschütteten Urinstinkts.

Sammelleidenschaft entfaltet sich nicht nur im abgeschiedenen Kämmerlein oder auf Tauschbörsen, nein, auch draußen in der Natur, wie alle anderen Leidenschaften auch, und Sammler können zu Jägern werden, wenn es darum geht, ein neues, begehrtes Stück zu erbeuten.

Jedes Kind entwickelt bereits im Vorschulalter einen Sammeltrieb und stolz zeigt es seinen Eltern seine „Beute“: Steine, Muscheln, Kienäpfel oder Kastanien. Irgendwann beginnt es, die Sammelobjekte nach Größen oder Farben zu ordnen und in Behältnissen aufzubewahren. Zweifellos ein Urtrieb, der nicht nur uns Menschen inne wohnt, auch ein Eichhörnchen sammelt schließlich Nüsse und ein Hamster hamstert.

Auch Sie werden irgendwann in Ihrem Leben etwas gesammelt haben oder sammeln es noch und seien es „nur“ Aphorismen und Gedichte in einem Poesiealbum oder Zuckerstückchen aus nahen und fernen Ländern.

Kürzlich berichtete eine Autorin von Berlinab50 (go) über ihre Sammlung von Adventskalendern [https://berlinab50.com/2016/12/01/weihnachten-rueckt-naeher/comment-page-1/#comment-1050]. Meine Frau hingegen ist stolz auf ihre Sammlung von Eierbechern aus Porzellan, und die Sammeltassen meiner Mutter dienten nicht nur allein dem Zweck des sonntäglichen Kaffeetrinkens, sie präsentierte sie stolz ihren Freundinnen.

Auch ich habe im Lauf meines Lebens mehrere Sammelleidenschaften entwickelt und, wie es mit Leidenschaften so ist, sie auch wieder verloren. Ich sammelte (natürlich!) Briefmarken, deren Reste ich kürzlich einem Freund und Sammler in Neuruppin schenkte und ihm damit hoffentlich eine Freude bereitete.

Erinnern Sie sich an die Zeit, als Apfelsinen noch exotische Früchte waren und jede einzeln in eine Art Seidenpapier verpackt? Ich glättete diese duftenden, mit fremdländischen Motiven bedruckten Papiere, klebte sie auf Karton und heftete sie in einen Sammelordner. Wo ist diese Sammlung eigentlich geblieben?

Später sammelte ich Bierdeckel, runde und eckige, mit den Logos der verschiedenen Brauereien im In- und Ausland. „Rothaus-Brauerei“ stand darauf gedruckt, daneben ein Mädchen mit Schwarzwälder Trachtenhut oder „Lone Star“ mit eben einem einsamen Stern. Beim Betrachten wanderten meine Gedanken in ferne Länder, wie auch beim Sammeln der Zuckerwürfel, die auch Sticks oder Heftchen sein konnten. Damit allerdings war es vorbei, als mir ein Freund aus Holland, der viel in der Welt herum gekommen war, seine komplette Sammlung schenkte, um sie los zu werden. Es waren zu viele und es waren nicht „meine“ Zuckerwürfel. Der Zucker wanderte nach und nach in den Kaffee und die Papierchen in den – ja wohin? – Papierkorb.

In meinem Freundeskreis gibt es einen Schallplattensammler und dabei rede ich nicht von ein paar hundert, nein, von über sieben tausend Vinylplatten. Außerdem Schildkröten-, Elefanten- und Entensammlerinnen. Fotoapparate werden gesammelt, historische Filmprogramme und Radioapparate. Natürlich fallen Ihnen jetzt noch sehr viel mehr Sammelgegenstände ein, ob eigene oder fremde. Über zwei ungewöhnliche Sammelobjekte, von denen Sie vielleicht noch nichts ahnen, möchte ich Ihnen in den nächsten beiden Tagen berichten.

Neugierig? – na das will ich doch hoffen! Schon morgen geht’s weiter.

Ihr PB

Fotos(c) PB

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