Berlin ab 50…

… und jünger

Hei-Jo ihr Pappnasen

Hei-Jo, von Heiterkeit und Jokus

Heute lese ich im Kalender, dass mal wieder fast Nacht ist, am Montag davor Rosen verschenkt wurden und am Mittwoch wieder alles vorbei ist. Die Fünfte Jahreszeit geht zu Ende.

Aus meiner Nachbarwohnung hörte ich in der letzten Woche zur TV-Primetime ein lautes Tata – Tata – Tataaaaaa, gefühlte neun mal in der Stunde. Ich nehme es der Nachbarin nicht übel, weil ich weiß, dass sie etwas schwerhörig ist.

Erinnerungen werden wach. Mir fällt die erste Demo ein die ich sah. Es war in der Hasenheide. Mein Onkel wohnte dort im dritten Hinterhof. Wir standen jedoch an der Straße, und ich durfte auf eine Leiter klettern und sah, wie uns von offenen Autos bunt gekleidete Menschen zuwinkten und dabei lachten und schunkelten.

Es war noch die Zeit der dicken Schwarzweißfernseher und ich sehe mich abends im Pyjama in die Röhre gucken, zusammen mit meinen Eltern, der Oma und einer Nachbarin, die keinen Fernseher besaß. Es standen eine Flasche Sekt auf dem Tisch und ein Teller mit Pfannkuchen. Das konnte dauern und ich war stolz darauf, so lange aufbleiben zu dürfen.

Im Programm Redner die lange sprachen von dem ich nicht viel verstand. So erinnere ich mich noch genau an einen Mann, der in einem Fass stand, einen Handspiegel hielt und der Till hieß. Wie in der Geschichte, welche mir Oma einmal vorgelesen hatte. Ebenso an einen Sänger mit weißem Hemd, die Ärmel hochgekrempelt und einer Lederschürze. Der war wohl Tierarzt oder so etwas ähnliches. Er sang jedenfalls immer etwas vom heile, heile Gänschen und das alles wieder gut werden würde. Ja, ja – es ist sehr lange her und wurde es gut?

Heute gibt es das Buntfernsehen und Nina Hagen würde sagen: „ Ist ja alles so schön bunt hier.“ Das stimmt sogar. Heute verstehe ich die Vorträge besser. Manchmal sinnreich, dann wieder nicht ganz so gut. Aber immer noch unterbricht eine kleine Kapelle die Vorträge mit diesem Tata –Tata – Tataaaaaaa. Wenn die Musik einmal länger spielen darf, dann tanzen sogar die Funken. Auch bunt angezogen, mit weißen Perücken, und die können sogar noch prima Radschlagen.

Im Publikum sehe ich manchmal bekannte Gesichter aus Politik und Wirtschaft, die sogar lachen können. Wenn ich aber gefragt werde, ob ich diese oder jene Pappnase kenne, gucke ich noch einmal hin und sehe keine. Vielleicht ist eine Nase mal etwas größer oder auch sehr rot. Die Pappnasen sehe ich dann erst drei Tage später, wenn mal wieder eine Demo übertragen wird. Heutzutage viel bunter und mit großen Pappfiguren. Auch die Menschen am Rand sind bunt angezogen und lustig. Von den großen Wagen werden Bonbons, Schokolade und Blumensträuße herunter geworfen. Mache Teilnehmer marschieren in Reih und Glied nebenher und machen Musik. Ich höre dann auch schon mal, die Männer müssten aufpassen, dass Ihnen keine Krawatte abgeschnitten wird. Versteh‘ ich nicht.

In Berlin gibt es wohl auch solch einen bunten Umzug, der wird aber nicht so richtig wahrgenommen. Ich glaube, das macht die Berliner Luft, Luft, Luft.

An diese Bilder denkend sitze ich noch immer vor meinem neuen Flachbildschirm und zappe mich durch. Bin nicht im schwarzen Kanal gelandet sondern im bunten Programm meiner Nachbarin. Es ist wieder spät geworden und es war ein Tag, so wunderschön wie Heute, und der auch nie vergehen dürfte. Und tatsächlich fallen wieder bunte Luftballons von der Saaldecke in der TV-Übertragung. Dazu singt ein Männerchor mit weißen, fast Mühlstein großen Kragen und spitzen, bunten Hüten das Lied aus einer Operette. Mein Vater sagte dann immer: „Aus Maxe is‘ blau, von Fred Raymond“, das fröhliche Lied von Sascha oder so ähnlich…

Ach – es gibt doch auch Erinnerungen an die Mann und Frau gerne zurück denken und meins bleibt meins, das kann mir keiner nehmen. Geht es Ihnen auch so?

Ihr brd

Fotos(c) brd

Ein Kommentar

  1. Günter Kukol

    Hallo Dieter, köstlich köstlich – und damit meine ich nicht nur die Pfandkuchen. Locker und humorvoll geschrieben und die Erinnerungen an die eigene Jugend hat man auch gleich wieder vor Augen. Bis bald Günter u. Karin

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