Berlin ab 50…

… und jünger

Kultur im Bunker

In Hitlers Hauptstadtplanung spielte neben den großen propagandistischen Planungen zur Welthauptstadt Germania ab 1933 der Bau von Bunkern und Luftschutzräumen – in Vorbereitung des Krieges – bereits sehr früh eine große Rolle. Sichtbar im Stadtbild geblieben sind beispielsweise der ehemalige „Reichsbahnbunker Friedrichstraße“ in der Reinhardtstraße in Mitte. In ihm wird seit 2007 zeitgenössischen Kunst aus der Sammlung Christian Boros gezeigt.

Der Hochbunker in der Pallasstraße in Schöneberg, auch fälschlich als „Sportpalast-Bunker“ bezeichnet, wurde erst 1944/45 unter Mitwirkung russischer Zwangsarbeiter im Rohbau fertig und sollte einmal der Unterbringung von technischen Anlagen des Fernmeldeamtes in der Winterfeldt-Straße dienen. 1985 war hier ein Drehort für einzelne Szenen im Film „Himmel über Berlin“ von Wim Wenders. 1986-89 wurde der Bunker mit großem Aufwand – noch im Kalten Krieg – zu einem Zivilschutzbunker für rund 4.700 Personen umgebaut. Heute steht er leer und soll in einen Gedenkort umgewandelt werden.

Der Flakbunker Humboldthain wird durch den gemeinnützigen Verein Berliner Unterwelten e. V. als authentischer Ort des NS-Staats als „Berliner Unterwelten-Museum“ betrieben.

Anfang des Jahres wurde nun ein bisher unbekannter Fernmeldebunker in Schmargendorf öffentlich bekannt. Auf dem halben Weg vom Fehrbelliner Platz mit seinen ehemaligen NS-Verwaltungsgebäuden wie der „Volkswohlfahrt“ und der „Reichsgetreidestelle“ bis hin zum ehemaligen NS-Luftgaukommando III und dem späteren Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte und Sitz des amerikanischen Stadtkommandanten, ist in der Höhe Elsterplatz auf dem Grundstück Hohenzollerndamm 120 ein neuer Kunst-Ort entstanden. Das dort stehende Haus aus den dreißiger Jahren war immer Posteigentum und als es 2010 verkauft wurde, entdeckte der neue Eigentümer den unterirdischen Bunker, den er aufwändig restaurieren und mit einem neuen Eingang versehen ließ. Der dazu aus der Bunkerdecke ausgesägte Block liegt im Parkplatzbereich. Der einstige Eingang war sehr geheim unter den Kellern des Bürogebäudes angelegt worden und existiert noch immer.

Vier Jahre vor Ausbruch des Krieges wurde hier bereits eine Flugmeldeeinrichtung zur Warnung vor anfliegenden Bomberverbänden geplant und 1937 in Bezug genommen! Das Kommando warnte die Berliner ab 1940 vor anfliegenden Bomberverbänden, die Informationen dazu erhielt es von Außenposten. Nach 1945 kamen siebzig Jahre Vergessen.

Der neue Mieter, der südkoreanische Jazzpianist Jong-Ha Kim hat große Pläne für den 800 Quadratmeter großen, ausgebauten und gut belüfteten Bunker. Er hat dort ein Zuhause für Künstler geschaffen.

„Artist Homes“. In sechs Räumen können Musiker proben und es gibt einen großen Saal für Veranstaltungen, der 200 Personen fasst. Sogar ein Spielzimmer für Kinder ist vorhanden. Auch private oder Firmenfeiern können in den überhaupt nicht „bunkerhaft“ anmutenden Räumen durchgeführt werden. Wie Herr Kim erklärt, ist das Konzept des Hauses weit gefasst, er möchte den Kulturort nicht als „Jazzkeller“ oder „ Klassikbühne“ bezeichnen, sondern ein interdisziplinäres Netzwerk aller Künste gründen und gleichzeitig den Schmargendorfern einen Kulturtreffpunkt bieten. Dazu gehört auch ein kleines Café.

Der Künstler hat von Montag bis Samstag von 11- bis 21 Uhr seine „Artist Homes“ geöffnet und bietet Führungen durch den Bunker an. Das aktuelle Programm finden sie unter der Webadresse: http://www.artist-homes.com/

Wir wünschen der neuen Einrichtung viele Besucher! Vielleicht schauen sie auch mal vorbei – es lohnt sich!

Meint mw

Fotos(c) mw

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