Berlin ab 50…

… und jünger

HIERONYMUS BOSCH

Eine Ausstellung, die keine Ausstellung ist? Diese Frage stellte sich mir als ich Bilder von Hieronymus Bosch in der Alten Münze Berlin sah. Es war ein Erlebnis, ein Event der besonderen Art.

Ich bin Liebhaber von großformatigen Bildern, untermalender Musik , und bewegten, animierten Bildern. Mich faszinieren Bilder als große Projektionen auf Pop Konzerten ebenso wie die Projektionen von Berlin leuchtet, das Festival of Lights oder auch gute große Werbeplakate.

Seit einigen Jahren bringe ich meinen Urlaubsbildern das Laufen bei. Dadurch erlebe ich die schönen Momente einer Reise noch einmal und auch intensiver. Besonders danach das Genießen auf dem Großbild TV. Das muss der Grund gewesen sein, weshalb ich mir diese Ausstellung, die keine ist, ansehen musste.

Der komplette Name dieser sogenannten Ausstellung lautet Hieronymus Bosch Visions Alive. Dieses „Erlebnis“ besteht aus drei Räumen. Im ersten dürfen Sie den Eintritt von 12,50 €, Ermäßigt 9,50 € entrichten. Die freundliche Dame am Eingang informierte mich kurz, wie ich den Besuch gestalten solle: Zuerst alle Räume langsam durchschreiten und die Bilder nur nebenbei wahrnehmen. Im letzten, den dritten Raum dann informieren, lesen und sich mit dem Maler beschäftigen.

Jetzt lief ich los. Im Eingangsbereich befindet sich auch der obligatorische Museumsshop mit den „Andenken“ an diesen Besuch. Danach empfing mich die Dunkelheit. Schwarz. Der erste Raum war erfüllt von gedämpfter, auf- und abschwellender Musik. Großformatige Motive waren an allen Wänden zu sehen. Desgleichen im zweiten Raum.

Nun im dritten, dem Einführungsbereich, sah ich verschiedene Informationen, die ich mir genau betrachtete, durchlas und selbst interaktiv gestaltete.

Besonders hat mir die Darstellung des Triptychons Der Garten der Lüste gefallen. Ein Wimmelbild, wie man heutzutage sagen würde. Links der Garten Eden, in der Mitte der Garten der Lüste, rechts die Hölle. Originalgröße 2,20 x 3,90 Meter.

Dieses Bild wurde auf einem waagerechten sehr großen Touchscreen gezeigt. Versehen mit Markierungen, die bei Berührung diesen Bildausschnitt auf der gesamten Fläche sichtbar machten. Zusätzlich konnte noch per Touch eine Erklärung eingeblendet werden. Diese Aktionen wurden gleichzeitig auf die Wand davor übertragen, so dass die Zuschauer hinter dem Aktiven mitsehen und mitlesen konnten.

Im selben Raum befanden sich an einer Wand 66 Informationstafeln mit den Jahreszahlen von 1450 bis 1516 (die Zeit Malers). In jedem Jahr eine Besonderheit. Es wurden z.B. Albrecht Dürer, Leonardo Da Vinci, Martin Luther, Christoph Kolumbus, Vasco da Gama, oder die Fertigstellung der Mona Lisa beschrieben. Dadurch erhielt ich eine Vorstellung von den Ereignissen und dem Geschehen in dieser Zeit. Sieben große Tafeln erläuterten die 7 Todsünden: schriftlich aber animiert. Über den Maler selbst werde ich hier nicht berichten. Dafür finden Sie in den einschlägigen Medien viele Beiträge.

Nach den Informationen, die ich als nicht so wissender Kunstkenner und Historiker sehr hilfreich empfand, ging ich in die beiden Haupträume.

Was hat mich nun so fasziniert? Die Musik, Töne, Geräusche, zart und untermalend. Die Projektionen riesig, groß, abwechslungsreich, überblendet, viel Symbolik, Ausschnitte, Details. Animierte Bildteile, wie Vögel, die über die Leinwände fliegen, Arme die sich bewegen, Blätter die fallen, Tiere, die durch das Bild laufen, Flocken, Blitze und andere Effekte.

Alle vier Wände werden bebildert ohne sich gegenseitig zu stören und ohne sich zu ergänzen. In der Mitte gab es ein paar Bänke ohne Lehne, ein paar Stühle seitlich und ein paar sog. Sitzsäcke auf denen man es sich sehr bequem machen konnte. Zwischendurch ruhig einmal aufstehen und ein paar Schritte gehen – museal wandeln, um die Perspektive auf Kunst und Zuschauer zu verändern. Aber immer wieder vom Gesamtkunstwerk aus Bild und Ton beeindrucken lassen.

Die Werke sind rätselhaft, kaum erklärbar, phantastische Bilder aus einer Welt vor 500 Jahren in der Deutung eines rätselhaften Visionärs seiner Zeit. Die Details können verstörend, grausam oder unverständlich wirken. Nach 500 Jahren sind die Phänomene, die Symbolik, viele Rätsel noch immer nicht gelöst . Aber wie der „Ausstellungstitel“ sagt: lebendige Visionen. Das macht auch für mich das phantasievolle Betrachten so spannend. Deshalb meine Empfehlung: Noch bis zum 4. Juni die Gelegenheit zu einem Besuch nutzen. Sie nehmen Eindrücke mit, die Sie noch nicht kannten. Viel Spaß dabei und schreiben Sie mir dann Ihren Kommentar.

brd

Fotos(c) brd, mw

Ein Kommentar

  1. Günter Kukol

    Hallo Dieter, dieser Kopf passt nun wirklich nicht zu Hieronymus Bosch.
    Du siehst viel besser aus, als seine Figuren. Schöne Grüße von Günter

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