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… und jünger

Sonnenstrahlen

Der Frühling kommt, die Sonne zeigt sich und wir sind alle froh, die grauen Winterszeiten hinter uns zu lassen. Gute Laune kommt auf, Unternehmungslust, der grüne Daumen juckt den Gärtner in uns. Die Wellenlängen der Sonne, die die biologisch erwünschten Wirkungen der energiereichen ultravioletten Strahlen, wie zum Beispiel die Vitamin D-Synthese in der Haut bewirken, sind gleichzeitig aber auch besonders wirksam im Hinblick auf Sonnenbrand und das Hautkrebsrisiko. Chronische Wirkungen wie die Linsentrübung des Auges (Grauer Star), die frühzeitige Hautalterung und der Hautkrebs sind heute infolge eines geänderten Freizeit- und Sozialverhaltens dreimal so häufig wie 1980. Die Schädigung der Haut und der DNA kann bereits bei Dosen auftreten, bei denen noch keine sichtbare Schädigung wie Sonnenbrand und Rötung vorliegen. Keine Wirkung ohne Nebenwirkung; inwieweit wir das Pendel Gefahr versus Nutzen zur sicheren Seite verschieben, liegt bei uns-in unserem Verhalten und auch bei der richtigen Nutzung von Sonnenschutz. Und hier kommen nun die Sonnenschutzmittel ins Spiel. Der auf die Haut aufgetragene Sonnenschutz sollte sowohl UVA- als auch UVB- Wellenlängen umfassen, um vor sämtlichen schädlichen Effekten von UV-Strahlung zu schützen.

Das Umweltbundesamt in Dessau, aber auch andere Institutionen, Apotheken und Ärzte informieren über die korrekte Verwendung von Sonnenschutzmitteln: http://www.umweltbundesamt.de/daten/umwelt-gesundheit/solare-uv-strahlung#textpart-1

Gemäß EU-Kosmetik-Verordnung werden 30 exakt definierte, organische chemische Verbindungen (UV-Filter) als sicher für den Menschen in den empfohlenen Verwendungen angesehen, davon werden 18 Stoffe häufig, zumeist in Mischungen, für einen optimale Schutz verwendet. Die synthetisch hergestellten Stoff haben die notwendigen Stoffeigenschaften wie Wasserbeständigkeit, um das sofortige Abwaschen zu verhindern; ausreichende Absorption im UV-Bereich mit hoher Sonnenstabilität , um eine lange und hohe Schutzwirkung zu entfalten und gute Auftrags-Eigenschaften auf die Haut – kein Auskristallisieren, keine Rückstände. So lieben wir unsere Sonnenmilch und durch die Kombination verschiedener Filter sind lange Schutzzeiten (LSF= Lichtschutzfaktor) erreichbar. Der hoch erwünschte Schutzeffekt gegen UV-Strahlen hat aber seinen Preis. Beim Design von UV-Filtern mit den eben beschriebenen gewünschten Eigenschaften kommt es zum unauflöslichen Konflikt mit der Umwelt. Sicher erinnern sie sich – besonders an kleinen stillen Seen – an die auf der Oberfläche als Lache schwimmenden Sonnenschutzrückstände am Ende eines Badetags.

Aber auch der Eintrag über Kläranlagen führt zu Problemen: die UV-Filter können wegen der geringen Wasserlöslichkeit, ihrer Stabilität gegenüber Sonnenlicht und der geringen Bioabbaubarkeit sich in der Umwelt akkumulieren. Auch neu zu entwickelnde UV-Filter kämen nicht an den Erfordernissen des Lichtschutzes vorbei: Eigenschaften, die gleichzeitig die Umwelt belasten. Das an sich zu begrüßende Tierversuchsverbot für Kosmetika verhindert allerdings die Entwicklung neuer UV-Filter, da es derzeit noch keine tierversuchsfreien Ersatzmethoden für die Bioanreicherung und für viele andere toxikologische Effekte gibt. In den letzten Jahren haben nun verschiedene europäische Umweltinstitutionen, wie auch das UBA begonnen, einzelne UV-Filter aus der Kosmetika-Verordnung als besonders gefährlich für die Umwelt zu identifizieren und zu regulieren (zu verbieten). Langfristiges Ziel scheint es zu sein, alle organischen UV-Filter als umweltgefährliche Stoffe zu verbannen. In Zelltests und Tierversuchen zeigte sich außerdem, dass einige UV-Filter in der Umwelt wie Hormone wirken und wahrscheinlich schädliche Effekte auf Lebensgemeinschaften in Gewässern haben. Ein nicht hinzunehmender Eintrag in die Umwelt. Und hier ist das Dilemma: Krebsschutz vs. Umweltschutz. Und im UBA ist das Dilemma sogar im Webauftritt nachzuvollziehen. Im ersten Link empfiehlt das UBA dermalen Sonnenschutz, gleichzeitig weist es in einem anderen Bereich auf die Umweltgefahren der UV-Filter hin und beschreibt seine Bemühungen zum Verbot: https://www.umweltbundesamt.de/themen/sonnenschutz-hormone-eincremen.

Doch halt, einen Tag später war der link nicht mehr erreichbar: „Zugriff verweigert, registrieren sie sich“. Sollte das UBA den Widerspruch gemerkt haben?

Auch in der Wissenschaft ist die Realität komplex und nicht „0“ oder „1“; nicht nur „schwarz“ oder „weiß“, sondern meistens eher grau. Eine Chemikalie kann segensreich und „böse“ zugleich sein.

Ein unauflösbares Dilemma und gleichzeitig ein schönes Beispiel für die Komplexität von Sachverhalten, die so gar nicht dem heute so gern bemühten Schwarzweiß-Schema entsprechen.

Meint mw

3 Kommentare

  1. Ray

    Wie schön wäre es doch, wir könnten zumindest die ersten Sonnenstrahlen genießen, ohne dass ein Zeigefinger drohend auf die Gefahren hinweist, die uns treffen können, und belehrt, dass nichts ist wie es ist. Gott sei Dank ist die Sonne immer noch, was sie einmal war.
    Ray

    • Dieter

      Hallo Ray, es antwortet Ban
      Ich denke mal, Du schützt Dich im Winter durch einen Mantel vor Kälte, im Sommer mit einem Schirm vor Regen, im Auto durch Gurte vor Verletzung, jeden Tag durch Schuhe vor „Tretminen“ o.ä. und ganz allgemein durch Vorsicht vor Unbehagen. Im Leben hat also alles seine zwei Seiten. Ich habe die zwei Seiten der Sonne (beruflich und privat) erfahren und freue mich, dass es Zeigefinger gibt, die (vielleicht etwas umfangreich) darauf einmal hinweisen. Ich wünsche Dir einen genussreichen Sommer ohne die zweite Seite.
      Nicht nur für Ray von Ban.

  2. Ray

    Nun, diese Zeigefinger werden wir zu Beginn des Frühjahrs in der Überzahl finden. Jedes Medium, jede Verbraucherzeitschrift, jede Gesundheitssendung wird uns über Sonnencremes und ihre Eigenarten en detail aufklären. Den genussreichen Sommer wünsche ich mir auch – aber ich bin sicher, mit den ersten längeren Sonnenperioden (also ohne Regen) gibt’s die nächsten Warnungen: oh je, die Landwirtschaft, die Brandgefahr, die Flüsse und überhaupt …..
    Ray

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