Berlin ab 50…

… und jünger

Das doppelte Berlin

Berliner Denkmaltag am Freitag, den 31.März 2017

Bedingt durch Kalten Krieg und Teilung der Stadt, bietet Berlin dem am Städtebau Interessierten die weltweit einzigartige Möglichkeit, an einem Tag beidseits des Brandenburger Tors Umsetzung und Wettstreit westlicher und östlicher Ideale des Städtebaus aus den 50-er und 60-er Jahren zu besichtigen – ohne deshalb nach Marseille und Moskau zu fahren.

Das östliche Leitbild eines regional-historistischen Bauens findet sich in der früheren Stalin-, heute Karl-Marx-Allee, das westliche Leitbild der Internationalen Moderne, das sich an den Grundsätzen der Charta von Athen orientierte, in der offenen Stadtlandschaft des Hansaviertels. Zur Geschichte der Abkehr vom Baustil des sozialistischen Realismus Stalin‘scher Prägung und der Industrialisierung des Bauens wurde hier im Blog schon berichtet (https://berlinab50.com/2015/07/23/aus-der-geschichte-der-platte-teil-3/).

Im West-Berliner Hansaviertel fand 1957 die Internationale Bauausstellung (INTERBAU) statt. Dreiundfünfzig Architekten aus 13 Ländern gestalteten das im Krieg zerstörte Hansaviertel neu. Resultat in der Umsetzung der Charta war vor allem die Auflösung der klassischen Stadtstruktur mit Arbeiten und Wohnen und der damit verbundenen funktionalen Trennung von mit Wohnungen bebauten Quartieren (Schlafstädten) und Arealen mit Büros, Gewerbe und Fußgängerzonen und großen Freiflächen im Innenstadtbereich sowie der „autogerechten Stadt“- alles in Berlin zu noch zu bestaunen. 30 Jahre später entstanden im inoffiziellen System-Wettbewerb zur 750 Jahr-Feier Berlins das Nikolaiviertel im Osten und die IBA Bauten im Westen, zum Beispiel in Tegel.

Der 31. Berliner Denkmaltag findet am kommenden Freitag, den 31. März in der Akademie der Künste am Hanseatenweg 10 von 09:30 bis 19 Uhr unter dem Motto „Das doppelte Berlin“ statt, der Eintritt ist frei und eine Anmeldung nicht erforderlich. Der Berliner Denkmaltag darf nicht mit dem deutschlandweiten Denkmaltag im September verwechselt werden! Die Berlin Denkmaltage finden seit 1987 in der Ausrichtung durch das Landesdenkmalamt statt. Am Freitag diskutieren nun Berliner Denkmalschutz-Experten und engagierte Bürger über die Erhaltung von Hansaviertel und Karl-Marx-Allee, nach der Mittagspause finden Rundgänge im Hansaviertel zu ausgewählten Objekten statt. Ein Rundgang führt auch in die Gärten der Akademie am Hanseatenweg. Das Gebäude selbst entstand nach der INTERBAU und wurde 1960 eröffnet. Architekt war Werner Düttmann. Informationen zum diesjährigen Denkmaltag finden Sie unter dem folgenden link: http://www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/berliner_denkmaltage/

Johanniskirche in Moabit

Am Vorabend wird in der Akademie um 19 Uhr eine Ausstellung über den Architekten und Kirchenbaumeister Rudolf Bartning eröffnet. Bartning (1883-1959) gilt als produktivster Kirchenbaumeister nach Schinkel. Die ersten 17 evangelischen Kirchen baute er vor dem 1.Weltkrieg in den katholischen Donauländern, dann in der Zwischenkriegszeit in Deutschland weitere 10 Kirchen, wie die Gustav-Adolf-Kirche in Charlottenburg (1934). Nach Kriegsende wurde Rudolf Bartning Leiter der Bauabteilung des Evangelischen Hilfswerks. Für das kriegszerstörte Deutschland entwarf er Notkirchen, von denen bis 1949 insgesamt 43 in ganz Deutschland gebaut wurden und von denen auch einige in Berlin erhalten sind. Zwischen 1949 und 1953 entstanden dann in einem Folgeprogramm noch weitere 50 Kirchen. Dazu kommen die vielen wiederaufgebauten Kirchen, wie die 1957 rekonstruierte Johanniskirche in Moabit. Wirklich unglaublich aktiv auch noch im Alter, dieser Architekt. Auch hier ist der Eintritt zur Eröffnung kostenfrei.

Sehen wir uns am Freitag?

Meint mw

2 Kommentare

  1. Thomas

    Ohne Zweifel, das sind Hinweise, die aufschlussreich sind für alle, die sich für Architektur und vor allem für die Entwicklung des Bauens und Bebauens in der Stadt interessieren. Der Blog bietet hier offenbar einiges an Material.
    Aber: Bei aller Liebe zu den historischen Hintergründe sollte man aber nicht übersehen, was gerade in der Gegenwart passiert. Nämlich das Nachdenken über ein anderes Wohnen, das sich nicht mehr unterteilt in: Hier wohnen, dort arbeiten; hier Schlafstätten, dort Gewerbeflächen.
    Eine Novelle des Baurechts, die Anfang der Woche verabschiedet wurde, wird ungeahnte Möglichkeiten eröffnen: das räumlich direkt benachbarte, dichte Miteinander von vom Gewerbe und Wohnen, von Arbeits- und Lebensräumen wird ab jetzt baurechtlich gefördert. Das Stichwort ist: „Urbanes Gebiet“. Eine neue Gebietskategorie in der Raumplanung, die Planern und Architekten hoffentlich zu neuer Kreativität verhelfen..
    Das klingt nach gar nicht so viel, aber es ist eine umwälzende Möglichkeit im zukünftigen Gestalten unserer Städte.
    Thomas

  2. mw

    Danke für diesen wichtigen Hinweis! Die „Nutzungsgemischte Stadt der kurzen Wege“ ist wirklich sehr zu begrüßen und eine endgültige Abkehr von den Prinzipien der Charta von Athen.

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