Berlin ab 50…

… und jünger

Die unsterbliche Familie Salz

Die unsterbliche Familie Salz – ein Buchtipp

Zugegeben der Roman, der zwischen 1914 und 2027  spielt, hat nichts mit Berlin zu tun und seine Figuren sind auch nicht alle „ab 50“, aber es ist doch eine so besondere Familiengeschichte, dass ich Ihnen kurz diesen Buchtipp geben möchte.

„Die unsterbliche Familie Salz“ erzählt die Geschichte einer außergewöhnlichen Familie, deren Psychogramm  im Kontext der Historie intensiv aufgeblättert wird:  „Herr Salz“ und seine Frau Rosa bewirtschaften in München den berühmten „Löwenbräukeller“, seine Tochter Lola ist 9 Jahre alt. 1914 kauft das autoritäre Familienoberhaupt ziemlich spontan ein Hotel in Leipzig, den prächtigen „Fürstenhof“. Das Hotel  wird, auch wenn es der Familie Salz kein Glück bringt, über alle Zeiten hinweg der gedachte Mittelpunkt der Familie sein.

Rosa verlässt München nur sehr widerwillig, „Herr Salz“ verändert ziemlich schnell sein Verhalten, die Familiensituation im Luxushotel ist alles andere als harmonisch.  Nach der Geburt eines Sohnes schwächelt Rosa lange Zeit und stirbt schließlich doch unerwartet. Der Tod bleibt für alle bis auf Lola mysteriös, ein ungeheurer Vorwurf steht im Raum, und Lola landet in einem katholisches Erziehungsheim. Erst als alte Dame wird sie den Fürstenhof  wieder betreten, das Hotel bleibt für Jahrzehnte vermintes Gebiet. Sie wird Schauspielerin in Karlsruhe, heiratet dort einen Kollegen, allerdings nur unter der Bedingung,  dass sie ihren Familiennamen weiter behalten darf, denn  „Es liege ihr viel daran zu beweisen, dass der Name Salz auch von guten Menschen getragen werden kann“. Ein Satz von großer Aussagekraft. In den Wirren des 2.Weltkrieges flüchtet Lola mit ihren beiden Kindern durch das Deutsche Reich und es gäbe mehrere Gelegenheit, im Fürstenhof rettende Zuflucht zu finden – doch Lola bleibt unerbittlich.  Erst als ihr Sohn Kurt das Hotel, das in der DDR Staatseigentum wurde, nach der Wende wieder in den Familienbesitz zurück bringt, kehrt die hochbetagte Lola in den Fürstenhof zurück. Jetzt regiert Lola über das Hotel – und eine tief zerrüttete Familie Salz. Ihre Urenkelin wird versuchen, die Schatten der Familie aufzulösen und sie zu versöhnen…

Der Roman erzählt auf höchst eigenwillige Art die Geschehnisse rund um die Familie –  im Wandel der Zeiten und in den Versuchen, der eigenen Geschichte zu entkommen. Die Geheimnisse einer Familie legen sich wie unsichtbare Schatten von einer Generation auf die nächste – auch wenn jeder versucht, sein Leben in ein ganz neues Licht zu rücken.

Dem Autor Christopher Kloeble gelingt auf eindrucksvolle Weise, die Familien-Banden nachvollziehbar zu erzählen, auch indem er jeder Generation (entsprechende Zeitsprünge gibt es)  eine eigene (Erzähl)Perspektive schenkt. Einiges ist durchaus biografisch.

Ich habe lange nicht mehr einen so interessanten Roman über das „Konstrukt“ Familie gelesen, über Prägungen, Geheimnisse, Verdrängtes  und  die Spurensuche nach „Nicht-Erzähltem“, das trotzdem präsent ist.

Wie gesagt, auch ohne „Berlin“ und „ab 50“ – gönnen Sie sich dieses Buch und bleiben Sie neugierig, auch oder vor allem bei Familiengeschichten.

go

Die unsterbliche Familie Salz, Christopher Kloeble, dtv, 2016

 

 

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