Berlin ab 50…

… und jünger

Barockes Kleinod mitten in der Tristess

Osterspaziergang zum Nicolaihaus in Mitte

Kennen Sie die Brüderstraße  in Mitte? Sie ist nach den hier einmal ansässigen Dominikaner Mönchen benannt. Zwischen  der Sperlingsgasse,  hinter dem ehemaligen Staatsratsgebäude und heutiger Managerhochschule ESMT, und der Scharrenstraße an dem als Platz nicht erkennbaren Petriplatz (Ausgrabungen derzeit) und damit an der vielbefahrenen Getraudenstraße gelegen. Durch Plattenbauten aus der DDR-Zeit ist sie allerdings völlig gesichtslos geworden. Zwei barocke Häuser sind jedoch erhalten: Das Galgenhaus in der Nummer 10 und das Nicolai-Haus in der Nummer 13.

Im Haus Nummer  13 lebte und arbeitete  von 1787 bis zu seinem Tod 1811 der  Berliner Verleger und Schriftsteller Friedrich Nicolai, ein Freund von  Lessing, Zelter  und Moses Mendelssohn,  und ein berühmter  Vertreter der  Aufklärung. Sein Haus war als Verlagsort (Nicolaische Verlagsbuchhandlung)  und  Wohnhaus zugleich ein Treffpunkt der Berliner Aufklärung. Schadow, Schinkel,  Hufeland, Chodowiecki  und Theodor Körner verkehrten hier. Die restaurierten Empfangsräume im Vorderhaus sowie ein museal eingerichteter Raum zum Lebenswerk und der Sammlung Nicolais erinnern an diese wichtige Epoche in der Geschichte Berlins.

Das  Nicolaihaus  ist nicht nur eines der wenigen erhaltenen barocken Bürgerhäuser, sondern eines der ältesten Wohnbauten Berlins. Nach teilweiser Zerstörung im Krieg und Wiederaufbau war es ab 1950 Sitz des Zentralinstituts  für Denkmalschutz der DDR. Bei der 1967 erfolgten Umsetzung des denkmalgeschützten Ermelerhauses  von der Breiten Straße  an das Märkische Ufer wurde das klassizistische Weydinger-Treppenhaus hier eingebaut. Nach der Wende wurde das Gebäude Eigentum des Landes Berlin. Der Suhrkamp –Verlag wollte  2010 seinen Sitz aus Frankfurt hierher verlegen, doch als sich die Pläne zerschlugen, erwarb 2011 die Stiftung Denkmalschutz das Haus als Sitz der Stiftung und lies es aufwendig restaurieren. Eine große Unterstützung war dabei die Spende des Ehepaars Köhn, die in einen Nicolai-Fond floss.

Zum 283. Geburtstag Nicolais öffnete am 18. März 2016 die Stiftung im Rahmen eines Tags der offenen Tür zum ersten Mal ihre Tore für die Berliner. Und nun ist es bald wieder soweit:  Am Ostersonntag,  den 16. April 2017 und dann wieder  im Mai (am 07.05 und 21.05.) kann das Nicolai-Haus von 14-17 Uhr besichtigt werden.  So zeigt unter anderem ein schönes  Stadtmodell der Brüderstraße die Entwicklung dieses Bereichs in der historischen Mitte. Zu ihrer Entstehungszeit  war die Verbindung vom Königlichen Schloss zum Petrikirche eine der begehrtesten Wohnlagen in der Residenzstadt. Falls Sie noch nie in der Gegend waren, bekommen Sie aber keine Schreck: Kriegszerstörungen  und die Abräumung der historischen Bauten in der Altstadt zu DDR-Zeiten  haben die Strukturen hier  vollkommen verändert, eigentlich zerstört.  Das Viertel zwischen  Friedrichsgracht, Sperlingsgasse und Gertraudenstraße ist besonders an den Wochenenden trist.

Trotzdem einen schönen Osterspaziergang

wünscht mw

Für den Leser, der mehr wissen will: Das Buch „Das Nicolaihaus – Brüderstraße 13 in Berlin“ von Marlies Ebert und Uwe Hecker war lange Zeit vergriffen. 2016  ist das 96-seitige Büchlein im Bonner Verlag Monumente Publikationen, dem Verlag der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, leicht verändert nachgedruckt worden.

4 Kommentare

  1. Inge

    Nun bin ich am Ostersonntag in die Brüderstrasse gegangen, habe das Nikolauhaus gefunden – und war angetan von dem Weydinger und dem vorderen barocken Treppenhaus. Schade nur, dass die Stiftung Denkmalschutz keine fachkundige Begleitung an diesem Tag für die Besucher zur Verfügung stellt. Allen Respekt den sicherlich ehrenamtlich arbeitenden Damen, aber ein wenig mehr fundierte Auskunft wäre schön gewesen. So habe ich mit vielen Fragen das Haus wieder verlassen. Trotzdem, danke für den Hinweis.

  2. Monika

    Ein Tipp:Wenn Sie bei Google bzw. bei Wikipedia das Stichwort „Nicolaihaus“ ( nicht Nikolauhaus), finden Sie alle Informationen, die Sie möchten. Und vielleicht noch der Hinweis: Es ist vermutlich für die Stiftung Denkmalschutz nicht ganz einfach, die zur Verfügung stehenden Mittel so einzusetzen, dass allen Ansprüchen Genüge getan wird. Auch deshalb lohnt es sich, Wikipedia zu nutzen.
    Monika

  3. Inge

    liebe Monika – das Internet ist so viel schlauer als ich, es hätte mich auch mit Schreibfehler auf die richtige Wikipedia-Seite geführt. Aber darum ging es nicht….

  4. Monika

    Worum ging es dann? Dass die Stiftung keinen fachkundigen Mitarbeiter zur Verfügung stellt? Wie gesagt, es geht nicht immer alles, was man sich wünscht. Und manchmal kommt man dann eben mit Eigeninitiative zum Ziel.

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