Berlin ab 50…

… und jünger

“Nekropole Berlin – Neukölln 1945”

Wie schon berichtet, bin ich eifriger Friedhofs-Flaneur  und kenne auch die   Neuköllner Friedhofs-landschaft mit ihren 16 Friedhöfen, ohne alle besucht zu haben. Es gibt allein hier ca.  15.000 einzelne Kriegsgräber und zwei Sammelgräber mit Toten des Krieges sowie Opfern der NS-Gewaltherrschaft. In ganz Berlin gibt es übrigens Einzelgräber und Massengräber, in denen 136.000 Tote des Zweiten Weltkriegs ruhen.  Deshalb finde ich eine gerade angekündigte multimediale Ausstellung “Nekropole Berlin – Neukölln 1945” sehr spannend, weil sie die öffentliche Wahrnehmung der dort bestatteten Kriegstoten einfordert.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die »Schlacht um Berlin« im April bis Anfang Mai 1945, mit der vor 72 Jahren der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation des NS-Staates endete.  Die Ausstellung, die an verschiedenen Orten stattfindet, beginnt am  16. April 2017 und endet am 2. Mai 2017, dem Jahrestag der  Kapitulation Berlins. Die Vernissage mit einer Podiumsdiskussion und einer Lesung  von  Günter Lamprecht, der als Berliner Zeitzeuge aus seinen Erinnerungen liest,  findet am 25. April 2017 im Kulturstall Schloss Britz statt. Eine Anmeldung wird empfohlen (siehe link unten). Die  Fotografien, digitale Grafiken und crossmediale Installationen werden an fünf Projektstandorten in Neukölln (Friedhof Columbiadamm), Karlshorst (Deutsch-Russisches Museum) und in Charlottenburg (Landeszentrale für politische Bildung im Amerikahaus) gezeigt.

Wer hat diese ungewöhnliche und sehr modern-medial aufbereitete Ausstellung gemacht?  Die Idee kam  von Studenten der Beuth-Hochschule, die beim Gang über einen Friedhof die bei Kriegsende  gleichaltrigen Opfer wahrnahmen. Architektur-Masterklassen der Beuth Hochschule für Technik Berlin haben dann von 2015 bis 2016 in Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Landesverband Berlin, dem Deutsch-Russischen Museum in Karlshorst, dem Bezirksamt und dem Museum Neukölln sowie unter Mitwirkung von  Sponsoren ein multimediales Forschungsprojekt bearbeitet, dessen Ergebnis die „Schlacht um Berlin” im Frühjahr 1945 visuell in die heutige Zeit transportiert.

Dadurch sollen die  Toten aus dieser Zeit, die auf Berliner  Friedhöfen ruhen, aber in der öffentlichen Wahrnehmung wenig präsent sind, ein Gesicht bekommen und es soll zugleich eine Mahnung und Anregung zur Beschäftigung mit dem Thema Krieg und Gewaltherrschaft  sein. Der Bezug auf antike Nekropolen (Totenstädte) wie  Amarna, Theben und Hierapolis wurde von den Ausstellungsmachern bewusst gewählt, um die „urbane Schicht inmitten des täglichen Lebens“ sichtbar zu machen.“ Weitere Informationen über “Nekropole Berlin – Neukölln 1945” sind unter folgendem link zu finden: http://nekropolen-projekt-berlin-neukoelln-1945.de/de_DE/http://nekropolen-projekt-berlin-neukoelln-1945.de/de_DE/

Diese ungewöhnliche Kombination von digitalen Medien und real gebauten Entwürfen der Beuth-Studenten sollten sie sich nicht entgehen lassen.

Meint mw

PS: Auf dem landeseigenen Friedhof Columbiadamm 122 -140 in Neukölln wurden schon die Gefallenen der Befreiungskriege 1813 beigesetzt. Er war bis zur Auflösung der Berliner Garnison 1922 ein Garnisonkirchhof und in der Weimarer Republik haben hier  Angehörige verschiedener Regimenter Denkmale für die Toten des 1. Weltkrieges aufgestellt.

 

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