Berlin ab 50…

… und jünger

Urlaubsgrüße – handschriftlich

Die Postkarte

Freuen Sie sich auch so wie ich, wenn Sie von Ihren Freundschaften oder Verwandten eine Postkarte erhalten? Ich meine eine richtige Postkarte, so ca. 10 x 15 cm  groß, mit einem Buntbild auf der Vorderseite und die Rückseite mit richtiger handgeschriebener Schreibschrift? Eben keine E-Card, whats app, E-Mail o.ä. elektronische Nachrichten auf Ihrem Tragtelefon (Viele Menschen besitzen ja sogar ein Smartphone!).

Während meiner letzten Reise fiel mir dieser fast vergessene schöne Vorgang ein und ich fasste den Gedanken: Jetzt werden Postkarten geschrieben. Ich ahnte jedoch sofort, wie viel Mühe es machen könnte.  Trotzdem – also, wo gibt es Postkarten? Ich erinnerte mich an die großen runden Drahtgestelle auf der Straße, in denen mehr oder weniger ausgeblichene Postkarten zu sehen waren. Also auf zum nächsten Laden.  Ein Zeitungsladen: Da hinten in der Ecke, erklärte mir der Verkäufer in einer mir noch nicht verständlichen Sprache ( nicht wirklich schlimm, ich befand mich ja im Ausland). Die fotografische Qualität hat mich nicht überzeugt, was ja nicht verwunderlich ist beim Standort: „hinten Ecke“. Also weiter. Tatsächlich, nur drei Läden weiter, fand ich einen gut sortierten Souvenirladen mit vielen schönen Postkarten und genauso vielen bunten Motiven. Was für eine Entscheidungsqual. Es gab sogar Karten mit neun und mehr Bildchen darauf. Ich glaube, ich muss es nicht beschreiben: Ort von links, von rechts, Kirche immer in der Mitte, mit Bergen, mit Strand, Sand, Steine, evtl. aber mit Blumen oder nur die Hotels. Es gab sogar Postkarten mit sehr wenig bekleideten Damen, wohl eher nicht aus der Gegend, aber als heimlicher Hingucker auch für den Empfänger (ein Schelm, der böses dabei denkt). Ich kaufte 10 Postkarten und Briefmarken.

Jetzt aber ran an die Postkarten. Die Auswahl erdrückte mich fast. Welche Postkarte für Maren in München, welche Karte für Bernd in Bad Berneck welche besonders schöne Karte für die Nachbarin Barbara in Berlin. Usw. usw. Im Hotel auf dem Balkon, bei herrlichem Sonnenstand und später -untergang, saß ich nun vor meinen Postkarten. Erst mal sortieren, dachte ich. Welche Karte soll an wen geschickt werden. Irgendwie war es mir dann doch egal und fing einfach an zu schreiben.

Pause – was möchte ich überhaupt schreiben? Das Wetter ist schön? Das Essen schmeckt? Der Strand ist heiß? Das Hotel ist vom Feinsten? Es regnet nur selten? Das sind doch alles Selbstverständlichkeiten für einen gebuchten Urlaubsaufenthalt. Diese Infos muss ich doch nicht extra versenden!

Dass die Bedienung manchmal etwas muffelig ist, die Strandliegen und Schirme doch ins Geld gehen, das schreibe ich lieber nicht. Will mir doch keinen erhobenen Zeigefinger einfangen, nach dem Motto: „Hab ich Dir doch gleich gesagt. Fahr doch lieber nach „Irgenwo“, da kenne ich mich aus. Da ist es billig und gut.“ (Nebenbei, da fahre ich bestimmt nicht hin).

Jetzt ist der Punkt gekommen, da überlege ich, was hat mir denn meine Freundschaft auf den Urlaubskarten mitgeteilt? Leere, mir fällt nichts mehr davon ein, trotz einer ganzen Woche Urlaub.

Wäre es nicht schön,  jetzt nach den vorgedruckten Urlaubskarten greifen zu können, die mit den Kästchen zum ankreuzen :
Wetter: gut, verregnet, Sturm;
Sonne: selten, manchmal bedeckt, meist verhangen;
Hotel: schön, sauber, hässlich;
Strand in der Nähe, weiß, heiß, schmutzig.
Warum gibt es diese Karten nicht mehr?

Da, ein Geistesblitz: Schreibe eine Karte mit allem Dir persönlich Wichtigem und übernimm den Text auf die anderen Postkarten. (Nur zur Erinnerung: kopieren und einfügen!) Nun musste ich mich nur noch mit der einzigen Möglichkeit begnügen, meine Urlaubspost zu individualisieren.

Das Schreiben auf der Hochglanzkarte also auf der Vorderseite. mit dem Kuli das ist immer noch beschwerlich, dafür aber informativ. Ein Kreuz, mit dem Zusatz: Dies ist mein Hotel, oder sogar mein Zimmer! So, endlich fertig.

Briefmarke drauf und am nächsten Tag zum Briefkasten. Theoretisch hätte ich meine Urlaubspost auch an der Rezeption abgeben können. Ich hörte aber eines Morgens das nette Fräulein hinter dem Tresen zu einem Gast sagen, dass die Post hier nur einmal in der Woche abgeholt wird. Na toll, da bin ich ja schon wieder zu Hause. Also Briefkasten. Auf dem Weg zu meiner teuren Strandliege kam ich –  oh Wunder – an zwei Briefkästen vorbei. Der erste grün, der zweite rot. Das erinnerte mich an Deutschland. Welcher Kasten ist der richtige. Da kein Kasten mit mir reden wollte und auch die vielen Schriftzeichen mir unverständlich erschienen, entschloss ich mich für Rot! Richtig? Es gab nun kein Zurück mehr.

Gut gelaunt bin ich wieder zuhause angekommen. Ausgeruht und zufrieden, aber mit der Frage im Hinterkopf, was machen wohl Deine Postkarten. Bernd rief mich nach einer Woche an und meldete Vollzug. Meine Nachbarin Barbara fragte mich nach drei Wochen, ob ich schon wieder vereist war, und Maren in München wird sich ziemlich sicher bei meinem nächsten Besuch  für die Postkarte bedanken und fragen: „Na – wie war denn eigentlich Dein Urlaub in …? Wo warst Du nochmal?“

Falls es Ihnen ähnlich erging, schreiben Sie doch einfach einen Kommentar.

Ihr brd

Ein Kommentar

  1. Günter K.

    Wieder einmal köstlich. So richtig aus dem Leben gegriffen. Aber wir haben es uns schon lange abgewöhnt, diese „Quälerei“. Wird jetzt wirklich nur noch via Smartphone erledigt. Da fliegen da auch gleich die schönsten eigenen Fotos vorneweg nach hause. Gruß Günter

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