Berlin ab 50…

… und jünger

Lassen Sie das Gras wachsen!

„Rasenstück“ von A.Dürer

Sie freuen sich auch auf den Sommer –  wenn nur diese Bienen nicht wären….? Bei der nächsten lästigen Biene denken Sie einfach: „wichtiges Nutztier“ – vielleicht hilft das, die „summende Gefahr“ ein wenig anders zu sehen.

Offiziell steht sie an dritte Stelle – nach dem Rind und dem Schwein, aber ohne sie würden Mensch und Tier vermutlich schnell verhungern. Ohne die Biene, die etwa 80% der Pflanzen bestäubt, von denen wir uns ernähren, würden Mensch und Tier nicht überleben. Dies bedenkend bekommt das Schlagwort vom „Bienensterben“ doch etwas recht bedrohliches. Und dies gilt für Honig- wie für Wildbienen.

Für die Reduzierung der Honigbienen-Völker gibt es mehrere Gründe,  aber viele sind von uns Menschen gemacht.

Vieles hat damit begonnen, dass wir lieber zum billigen Honig greifen als zum teuren heimischen Produkt. Mit diesem, meist aus Asien importierten Lebensmittel begann der Niedergang der Imker, die Zahl der Bienenvölker in Deutschland hat sich seit 1990 halbiert. Gleichzeitig floriert der Handel mit „Königinnen“ – womit wir uns auch die Varroa-Milbe aus Indonesien  sozusagen ins Haus gebracht haben. Inzwischen hat sich  die Milbe weltweit verbreitet – nur die Antarktis ist noch milbenfrei. Auch ein Symptom unserer  Globalisierung.

Ein weiterer Grund ist der Klimawandel. Die Milbe, die in den Brutzellen der Bienen sitzt, ernährt sich in der Zeit, in der Bienen ihren Nachwuchs aufziehen. Dies beendet der erste Frost. Früher war das meist schon im Oktober, November. Inzwischen setzt der erste Frost meist viel später ein, so wie diesen Winter – da kam er erst im Januar. Dies bedeuten geradezu paradiesischer Zustände für die Varroa-Milbe.

Und wenn das Frühjahr so spät einsetzt wie dieses Jahr, mag auch die Biene – so sie den Winter überhaupt überlebt hat – nicht vor die Türe ihres Hauses krabbeln, geschweige denn fliegen. Als im April zwar die Obstbäume blühten, war es den Bienen aber einfach zu kalt. Daher werden wir heuer ungefähr 70% der Obsternte einbüßen – für die Obstbauern und dann für uns Verbraucher eine Katastrophe. Wenn die Biene nicht fliegt, stehen wir schon im Sommer vor leeren Obstkisten und später vor sauteuren Äpfeln.

Das Länderinstitut für Bienenkunde Hohen Neuendorf e.V. (LIB)*,  eine gemeinsam von den fünf Bundesländern Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Berlin getragene Forschungseinrichtung,  forscht nun nach der Honigbiene, die Herausforderung der Zukunft bewältigt, der Milbe wie dem langen Winter trotzt. Und wir können nur hoffen, dass die intelligente Biene, die die Milbe vor die Türe setzt,  gefunden wird und sich vermehren kann.

Noch etwas Interessantes in diesem Zusammenhang:  Berlin, wo sich die Bienen offensichtlich wohl fühlen, hat sich zur bienenreichsten Region in Europa entwickelt. In Brandenburg dagegen herrscht „Bestäubungsnotstand“.  Die Berliner Imker sollten  einen Ausflug mit ihren Kisten ins Umland von Berlin machen – dass wäre wirkliche Nachbarschaftshilfe.

Aber auch wir – ob mit oder ohne eigenem Bienenvolk – können einen Beitrag zum Erhalt der Biene leisten. Greifen Sie beim nächsten Honigkauf nach dem heimischen Produkt, das dem Preis nach ein Luxusprodukt ist und genießen Sie jeden süßen Tropfen dreifach.

Auch die wilden Verwandten der Honigbiene sind in großem Ausmaß vom Aussterben bedroht  – und dies ist noch mehr durch den Menschen verursacht. Riesige Monokulturen, Einsatz von zu viel Bioziden, Vernichtung von Wildpflanzen, Klimawandel – all das  raubt der Wildbiene Nahrung und Nistplatzmöglichkeiten. Wildbienen erzeugen für uns zwar keinen Honig, sind aber doch überaus wichtige Bestäuber von Kultur- und Wildpflanzen.

Daher die Bitte aller Bienen: Mähen sie Ihren Rasen nicht schon im Frühjahr kurz! Lassen Sie das Gras mal wachsen und blühen,  lassen Sie in Ihrem Garten und auf dem Balkon Pflanzen blühen wie zum Beispiel Kapuzinerkresse, Glockenblume, Wandelröschen, Lavendel, Margeriten oder die Sonnenblumen. Im Gegensatz zur dekorativen Geranie sind dies alles Pflanzen,die Bienen mögen. Und vielleicht stellen Sie sogar ein Bienenhotel auf. Dann müssen Bienen im Sommer nicht verhungern….und dafür leistet sie unschätzbare Dienste für uns Menschen.

Erfreuen Sie sich an jeder Biene, denn wenn das Bienensterben so weiter geht, werden wir bald  – wie es uns die Chinesen bereits vorgemacht haben –  im Frühjahr auf die Leiter steigen müssen, um die Arbeit der Bienen zu übernehmen und mit dem Pinsel die Blüten zu bestäuben. Oder uns bleibt irgendwann nur noch als Erinnerung an die Biene der  Gefüllte Butter-Bienenstich.

In diesem Sinne bleiben Sie neugierig und lassen Sie das Gras wachsen

go

*Das 1923 in Berlin-Dahlem gegründete Institut für Bienenkunde wurde nach der Teilung Berlins der TU Berlin /West zugeordnet. Aus diesem Grund baute die Humbo

ldt -Uni / Ost 1952  als Ersatz in Hohen Neuendorf bei Berlin die  Abteilung Bienenkunde und Seidenbau des Instituts für Geflügel- und Kleintierzucht auf. Bienenforschung und Bienenhaltung sind mit diesem Standort seitdem fest verbunden. https://www2.hu-berlin.de/bienenkunde/index.php?id=64  und für Ihre Enkel gibt es auch dort auch ein „Bienenspiel“ .

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