Berlin ab 50…

… und jünger

Über den Bäumen…

Baum & Zeit

Er ist nicht ganz neu, aber ich habe ihn erst vor einigen Tagen entdeckt und möchte Ihnen, weil ich ganz begeistert von meiner Entdeckung bin, den Baumkronenpfad Beelitz-Heilstätten vorstellen.

Am 11. September 2015 wurde auf dem Gelände der ehemaligen Frauen-Lungenheilstätte  der erste 320 Meter lange Baumkronenpfad in Brandenburg eröffnet. Auf der Höhe der Baumkronen, bis zu 23 Meter hoch, überquert er die mit Bäumen bewachsene Ruine des 1944 ausgebrannten Pavillons B IV, des sogenannten „Alpenhauses“.

Die zwischen 1898 und 1930 von der Landesversicherungsanstalt Berlin errichteten Arbeiter-Lungenheilstätten Beelitz-Heilstätten bilden einen der größten Krankenhauskomplexe im Berliner Umland. Es ist ein  denkmalgeschütztes Ensemble von 60 Gebäuden auf einer Gesamtfläche von ca. 200 ha, wovon heute nur noch ganz wenige in Benutzung sind. Dieses riesige Gelände  wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in dem die Heilstätten teils schwer beschädigt wurden, von der Roten Armee übernommen und dienten bis 1994 als das größte Militärhospital der sowjetischen/russischen Armee im Ausland. Es war auch ab Dezember 1990 der Aufenthaltsort des an Leberkrebs erkrankten Erich Honecker, bevor er und seine Frau Margot am 13. März 1991 nach Moskau ausgeflogen wurden.

Das „Alpenhaus“ dagegen blieb Ruine, es wurde nicht repariert, es wurde somit auch nicht genutzt und so kann man heute bewundern, wie die Natur sich ihr Revier zurückerobert.

Der „Pfad“ ist gut beschildert – es gibt kurze historische Information, botanische Tafeln über die Bäume, deren Kronen man direkt vor der Nase hat. Es macht Spaß auf luftigen Höhen zu wandeln.

Beginnen Sie ihren Rundgang auf der 40 Meter hohen Aussichtsplattform – es ist wirklich ein seltener Anblick, der sich Ihnen hier eröffnet. Wie aus der Vogelperspektive liegt unter Ihnen der grüne Wald, dazwischen spitzen hie und da ein paar kleine rote Dächer hervor oder der Turm des renovierten Heizkraftwerks. Weit hinten am Horizont können Sie den Berliner Fernsehturm erkennen. Ein Gefühl der Leichtigkeit stellt sich ein.

Sie können, müssen aber nicht, verschiedene Führungen mitmachen. Mit dem Naturführer Claas Fischer gibt es zwei unterschiedliche Rundgänge –  einmal rund um die Weltkriegsruine und den Baumkronenpfad, bei der anderen stellt er Gehölz im weiten Waldpark Areal der Heilstätten vor.  Sie können aber auch Gebäude-Führungen  – zum Beispiel durch das berühmte Chirurgie-Gebäude – buchen  und so interessante Details aus dem Leben der Patienten zwischen Liegehalle, Speisesaal und Alpenschlucht erfahren.

Den Anspruch des Architekt Heino Schmieden, eine menschenbezogene Architektur zu entwickeln, die Funktion und gestaltete Schönheit verbindet, erkennt man selbst im ruinösen Zustand vieler Gebäude heute noch. Wie viel ästhetische Überlegungen für diese medizinischen Zweckbauten aufgewendet wurde,  wie viel Wert auf architektonische Gestaltung selbst für die „einfache“ Bevölkerung gelegt wurde, erstaunt einen und macht doch gleichzeitig traurig, denkt man an Krankenhäuser von heute. Auch der Garten-Park wurde von den königlichen Gärtnern aus Potsdam angelegt und gepflegt. Das Auge heilt eben mit…

Zu erreichen ist der Baumkronenpfad mit dem Auto –  A9, Abfahrt 2/Beelitz-Heilstätten oder mit der Regionalbahn 7 der Strecke Berlin-Dessau bis Beelitz-Heilstätten und dann den Hinweisschildern folgen (5 Minuten Fußweg).

Viel Spaß und bleiben Sie neugierig

go

Fotos (c) mw

 

 

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