Berlin ab 50…

… und jünger

Fritz Kühn – eine bemerkenswerte kleine Sonderausstellung

Fritz Kühn im Kunsthaus Dahlem

Die Sonderausstellung „Bildnerisches Werden. Skulptur und Fotografie Fritz Kühns 1945-1967“ wird noch bis zum 18.Juni  innerhalb des aktuellen Präsentation des Kunsthaus Dahlem auf der Atelier-Empore gezeigt. Zu sehen ist leider nur eine wirklich  sehr kleine und der Bedeutung Fritz Kühns für Berlin nicht annähernd gerecht werdende Präsentation. Aus Anlass seines 50.Todestags werden  einigen Fotografien und Beispiele seines bildnerischen Nachkriegs-Schaffens gezeigt.

Wer war Fritz Kühn (1910-1967) und warum ist er für Berlin so wichtig und leider fast vergessen? 1937 eröffnete der aus einer Kunstschmied-Familie stammende Kühn seine Werkstatt in Berlin-Bohnsdorf. Nach Kriegsende war er in den Wiederaufbaujahren in Ost- und Westdeutschland als begehrter und anerkannter Kunstschmied und Metallbildhauer an vielen öffentlichen Bauvorhaben beteiligt. WIKIPEDIA nennt allein für die alte Bundesrepublik 50 Orte, wo seine Skulpturen, Metallplastiken und angewandte Schmiedekunst noch existieren. In Ostberlin sind bis heute (unter Anderem) das A-Portal der Stadtbibliothek in Mitte, der „A-Teppich“ mit 117 Variationen des Buchstaben A; die Treppengitter im DHM (Zeughaus); Kuppelkreuz, Brüstungsgitter und Standleuchter in der St. Hedwigs-Kathedrale und das Kreuz in der Parochialkirche zu sehen und ganz prominent  der schwebende Ring des Brunnens auf dem Strausberger Platz, der dringend der Restaurierung bedarf. Das “Lindeblattportal“ mit 224 stilisierten Blättern an der ehemaligen  Polnischen Botschaft unter den Linden stammt auch von ihm. Hier wird ganz besonders die von Kühn selbst benannte wichtigste Inspirationsquelle  deutlich: “Die Natur ist mein Lehrmeister“.

1983 wurde Kühns künstlerischer Nachlass in der DDR zum nationalen Kulturerbe erklärt. Doch trotz aller Bemühungen seiner Familie und des großen Freundeskreises (2003 wurde der Verein Fritz-Kühn-Gesellschaft gegründet) gelang es – auch wegen des fehlenden Engagements der Kulturpolitiker des Senats – bis heute nicht, ein Museum zu gründen. Ja, 2014 drohte sogar dem neben dem Ateliergrundstück liegenden Skulpturengarten die Zwangsräumung. Das Atelier wird von seinem Sohn Achim Kühn (Schmied, Restaurator und Fotograf) seit 1967 geführt und bietet jedes Jahr zum 1. Advent drei Tage der offenen Tür an. Ich werde dieses Jahr hingehen!  Mehr zu Fritz Kühn, seinen Werken und zur Ateliergeschichte finden sie unter: http://fritz-kuehn-gesellschaft.de.

Ein Ärgernis sei auch erwähnt: Da ich nun zum zweiten Mal wegen einer Sonderausstellung im Kunsthaus war (vorher bei Werken Camarros im gleichen Umfang), finde ich dann den Preis von 6 € für den Besucher, der die Hauptausstellung kennt, für so wenig Präsentation nicht angemessen.

Noch kurz  zum Kunsthaus: im Juni 2015 gab es hier im Blog eine lebhafte Diskussion zu Geschichte des gerade eröffneten Kunsthauses Dahlem (https://berlinab50.com/2015/06/12/und-noch-ein-tipp-jenseits-von-mitte/). Das Kunsthaus Dahlem hat seinen Sitz im ab 1939 errichteten ehemaligen Staatsatelier des NS-Bildhauers Arno Breker. Breker war neben Josef Thorak einer der prägenden Bildhauer des Dritten Reiches und lieferte seit 1937 Bauplastiken für die Monumentalbauten Albert Speers. Bei der Bombardierung Berlins wurde auch das 1942 eingeweihte Gebäude (Architekt Hans Freese, Dresden)  getroffen und Breker arbeitete danach lieber in seinem Schloss-Atelier am Rande des Oderbruchs, einem Geschenk Hitlers. Das klug konzipierte Atelierhaus am Käuzchensteig hat so gar nichts von der Gigantomanie der NS- Architektur Speers, sondern eher Bauhaus-Funktionalität. Der 1915 geborene Bildhauer Bernhard Heiliger, ein Schüler Brekers, bezog 1949 das Gebäude. Er arbeitete und lebte hier bis zu seinem Tod 1995. 1996 bezog die nach dem Tod des Künstlers gegründete Bernhard-Heiliger-Stiftung die Räumlichkeiten. Im Garten des Ateliers sind einige seine wirkmächtigen Skulpturen aus seinen verschiedenen Schaffensperioden zu bewundern. 1966 wurde auf dem angrenzenden Baugrund des geplanten, aber nie gebauten Breker­ Wohnhauses durch Werner Düttmann das Brücke Museum errichtet. Im Sommer 2015 wurde das  Kunsthaus Dahlem als Ausstellungshaus für die Kunst der deutschen Nachkriegsmoderne in Ost- und Westdeutschland eröffnet. Die derzeitige Ausstellung „Porträt Berlin. Künstlerische Positionen der Berliner Nachkriegsmoderne 1945-1955“ zeigt noch bis 18. Juni ausgewählte Werke der ost– und westdeutschen Nachkriegsmoderne.

Zum Abschluss noch ein Hinweis:  Am Mittwoch, 14.Juni 2017, 18:00 Uhr wird die künstlerische Leiterin des Kunsthaus Dahlem in einem Vortrag zum „Ein Künstlerviertel für Germania“ die Geschichte des Staatsateliers von Arno Breker von der Erbauung im und Nutzung nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute aufzeigen. Dies findet anlässlich der aktuellen Sonderausstellung „Ausgeblendet – der Umgang mit NS-Täterorten in West-Berlin“ in der Gedenk- und Bildungsstätte im Haus der Wannsee-Konferenz  statt.

mw

Fotos (c) mw

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