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… und jünger

Reif für die Insel …..

Sommerausflug nach Schwanenwerder

Letztes Jahr im Herbst hatten wir einen Spaziergang durch Dahlem im Blog empfohlen. Diesmal möchten wir eine Wanderung zur Wannsee-Insel Schwanenwerder vorschlagen.

Der schöne Weg gehört zum Ziel und wer gut zu Fuß ist, fährt zum  S-Bahnhof Nikolassee und läuft Richtung Strandbad-Wannsee. Nach 500m passieren Sie die Haltestelle der Buslinie 218 (Richtung Pfaueninsel / sie fährt vom Messedamm/ZOB über U–Theodor Heuss Platz zur Pfaueninsel). Von der Bushaltestelle  sind es noch einmal 2,2 km bis zur Insel (also ca. 40 Minuten), vorbei am Eingang des Strandbads. Auch mit dem Rad ist die Insel gut zu erreichen, z.B. vom S-Bahnhof Grunewald auf dem Radweg parallel zur Autobahn. Nehmen Sie Proviant für ein Picknick mit, denn auf der Insel gibt es keine „Einkehrmöglichkeit“. Oder sie genießen die Leckereien aus der Konditorei der neuerstandenen „Wannsee-Terrassen“ im dortigen  Café  am Wannseebadweg 35, da laufen Sie direkt vorbei.

Warum Schwanenwerder als Tipp?  Lassen Sie sich überraschen:
Die Insel ist klein, so groß wie 35 Fußballfelder (250.000 qm)  und der Uferbereich zum Wannsee dem Wanderer an keiner Stelle zugänglich. Eine einzige Straße umrundet im Innern die Insel und teilt die  Uferparzellen von den innenliegenden Grundstücken. Lediglich eine Sitzbank lädt zum Verweilen ein, kein Kiosk lockt mit einem Bier, dichte Hecken verdecken den Einblick und Videotechnik ist im Einsatz. Und doch gibt es so viel über die Insel zu erzählen, über ihre Bewohner im Kaiserreich, über nach dem Tee eingefädelte Bankenfusionen, über hier ansässige Sowjetrevolutionäre, Schieber und Spekulanten in der Weimarer Republik, über die  Arisierung im Dritten Reich und ihre Nutznießer,  über die „Reichsbräuteschule“ und  über Nazibonzen von Speer bis Goebbels und  die hier ausgelöste erste Fernsehfahndung  1938 (Aktenzeichen XY-Vorgänger ) nach dem Mord auf der Straße nach Schwanenwerder.  1936 schaffte es die Insel als teuerste Wohnlage (noch vor dem Grunewald) in die deutsche Version des  aus den USA kommenden Spiels „Monopoly“, das aber durch Goebbels verboten wurde. Die Luftbrücke vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 wurde von hier aus geleitet und seit 1961 lebte Axel Cäsar Springer hier. Das Aspen-Institut hatte ab 1974 seinen Sitz auf dem Gelände der abgetragenen Goebbels-Villa. Und was hat der Film  „Cabaret“  mit Schwanenwerder zu tun? Und weiter im Film: Wohnten Angelina Jolie und Brad Pitt vor ihrer Trennung wirklich hier? All das sind   Themen der nächsten drei Folgen. Der Rundgang wird uns entlang der Inselstraße führen und etwas zur Bau-, Garten und Sozialgeschichte der jeweiligen Anwesen berichten.

Begonnen hat hier auf Schwanenwerder alles 1882, als der Industrielle Wilhelm Wessel die sandige, mit Büschen bewachsene Insel kaufte, um  – dem Trend seiner Zeit folgend – mit Bauland reich zu werden. Schon 1885 wurden die  Brücke und die schlingenförmige Ringstraße sowie ein Landschaftspark angelegt und die Insel in acht Grundstücke parzelliert. Die Villengrundstücke auf der Wasserseite waren über die Straße von den Innengrundstücken für das Personal und den Wirtschaftsgebäuden getrennt, was außerordentliche Exklusivität für die Eigentümer – Bankiers und Kaufhausbesitzer – versprach. Der Landschaftspark sollte Schutz vor dem Wind bieten und dem Ort Extravaganz verleihen. Nach dem ersten Weltkrieg wurden weitere herrschaftliche  Villen durch bekannte Architekten gebaut.  Heute ist Insel in circa 40 Parzellen aufgeteilt. Der ehemalige Landschaftspark im Süden der Insel harrt bis heute seiner Bebauung und die Bewohner werden sich wohl wünschen, dass es so bleibt.

Wer mehr wissen will, dem sie das ausgezeichnete Buch von Reif, Schumacher und Uebel „ Schwanenwerder: Ein Inselparadies in Berlin“ aus der Nicolaische Verlagsbuchhandlung  (2000) empfohlen. Der  Mitgliederrundbrief Nr. 62 des „Aktiven Museums“ von 2010 bietet ebenfalls viele Informationen über Schwanenwerder zwischen 1933-1945 und ist im Internet  zu finden. Aber auch auf der Insel informieren großformatige Tafeln über die Geschichte der Insel und ihrer Bewohner. Sie waren die Grundlage für den Wandertipp.

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Fragt mw

Fotos (c) mw

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