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Entdeckungen auf Schwanenwerder

Entdeckungen entlang der Inselstraße auf Schwanenwerder

Unser Spaziergang folgt dem Verlauf der Inselstraße. Zu historisch besonders interessanten Grundstücken,  zu Häusern und ihren ehemaligen Bewohnern möchte ich Ihnen  einige Details erzählen. Dabei orientiert sich der Blick auf die rechte Seite  des Weges. In der Abbildung habe ich die Grundstücksnummern eingezeichnet, so dass der Wanderer sich rasch orientieren kann.

Inselstr. Nr. 6

Gleich beim Betreten der Insel  steht rechts  das Wohnhaus des „Inselältesten“ (Nr. 2). Die Familie des früheren Polizeipräsidenten  von Berlin (1987 bis 1992)  Georg Schertz ist hier seit 1935 ansässig. Als Chronist der Insel  stammen viele Artikel aus seiner Feder, einiges davon ist auch in meinen Spaziergang eingeflossen.

Das Grundstück   Nr. 2a/4 gehörte den Inhabern des internationalen „Seidenwarenhauses August   Michels“ und wurde „arisiert“ , nach dem Krieg rückübertragen  und verkauft. Dem  Gründer der „Eduard Winter Gruppe“ gehörte die  Nr. 6.

Nun sind wir schon – nach einem kleinem Aufstieg – am Fragment einer  Säule des Palais des Tuileries, das 1871 beim Aufstand der Pariser  Kommune abbrannte  und später abgerissen wurde. Der Insel-Bauherr Wessel kaufte 1884 ein Fragment für Schwanenwerder, um die Insel zu verschönen. An der  Säule steht die einzige Bank der Insel  und daneben die  Inschrift: „Dieser Stein vom Seine Strand her gepflanzt in deutsches Land/ruft dir Wanderer mahnend zu/Glück, wie wandelbar bist Du“. Wie wahr der Spruch ist, sollte die Geschichte bald zeigen.

Das nächste Grundstück rechts ist die Nr. 8/10. Es gehörte bis 1936  dem Bankier Dr. Oscar Schlitter, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bank. Mit seinem Inselnachbarn von Nr. 28, dem Bankier Eduard Mosler von der  Disconto-Gesellschaft verabredete man beim 5-Uhr-Tee (so ist es überliefert) 1929 die Fusion von Deutscher Bank und Disconto-Gesellschaft.  Der Bankier verkaufte 1936 das Anwesen an den Propagandaminister Josef Goebbels, der mit seiner Familie hier bis 1943 lebte und dann in sein Anwesen nach Bogensee bei Lanke zog. In den Jahren als Inselbewohner breitet er sich krakenartig aus. Auf der gegenüberliegenden Nr. 7 ließ er einen Luftschutzbunker bauen. Das benachbarte Grundstück  Nr. 12/14 , ab 1930 im Besitz des Bankhauses Goldschmidt-Rothschild wurde im Zuge der Arisierung 1938 von Goebbels für wenig Geld ( 117.000 RM) erworben und die Villa als Dienstwohnung mit Kinosaal genutzt.

Doch zurück zu Nr. 8/10. Goebbels  lebte hier mit viel Personal und sehr luxuriös. Um Neugierige zu verschrecken, wurde das Inselgelände als privat bezeichnet und das Betreten untersagt. In diese Zeit fällt auch die erwähnte Geschichte  mit der ersten deutschen Fernsehfandung. Ein Taxifahrer, der Personal zur Villa gebracht hatte, wurde auf der Rückfahrt ermordet. Der  Regenmantel des Täters blieb liegen. Dieses Beweisstück wurde im November  1938 in dem seit 1935 existierenden  Berliner Fernsehen (Fernsehsender Paul Nipkow) gezeigt  und viele Neugierige schauten in den 27  öffentlichen Berliner Fernsehstuben (mit 18x 22cm Bildschirmen) zu. Es gab einen Zeugen, der den Mantel erkannte und  der Täter wurde verhaftet und später hingerichtet.

Am Kriegsende wurde die Villa geplündert und später abgerissen. 1958 erfolgte eine Teilung des Grundstücks, Nr.  8 wurde zur Wasserschutzpolizei, Nr. 10 erwarb 1973 das Land Berlin. Dort entstand auf den Fundamenten der Goebbels Villa das „Aspen-Institut Berlin“. Erster Leiter war Shepard Stone (1908-1990), der Wissenschaft und Kunst in West- Berlin außerordentlich  gefördert hat und an den eine Gedenktafel erinnert.  Heute ist der Sitz des Berliner Aspen Instituts in der Friedrichstrasse in Mitte.

Hier beginnt die Schleife der ringförmigen Inselstrasse. Eine kleine, aber sehr gelungene Ausstellung informiert über die Insel und ihre Bewohner, über Arisierungsgewinner und die Nachkriegszeit, in der auf der Insel in den verlassenen Villen der Häuserkampf von den Amerikanern geübt wurde.

Zu Nr. 12/14 ist ein Skandal aus der Zwischenkriegszeit bekannt, also in der Zeit, bevor das Bankhaus  Goldschmidt-Rothschild Eigentümer wurde. Am Beginn des Jahres  1924 hatte der Spekulant Julius Barmat die Villa aus den Gewinnen eines in der Inflation zusammengekauften Firmenimperiums gekauft. Doch schon am Ende des Jahres ging er in Konkurs unter vorheriger Inanspruchnahme umfangreicher,  vom Staat  gewährter Millionenkredite. Die Kredite wurden durch Politiker gegen „Vorteilsnahme“ gewährt, der dafür verantwortliche Postminister Höfle musste zurücktreten.   Ende 1925 wurde das Anwesen verkauft, die Berliner sollen wegen der großen Feste und Gelage bei Barmat  die Insel „Barmatwerder“ genannt haben.

Das nächste Anwesen wurde schon einmal hier im Blog vorgestellt. In Nr. 15-18 wohnte die Familie des Generaldirektors der Schultheiss-Patzenhofer Brauerei, Walter Sobernheim. (https://berlinab50.com/2015/04/12/die-sobernheims-von-schwanenwerder/) .

Zu den Häusern in der Mitte der Insel ist – bis auf die Nr. 37/11/13, dem Schwanenhof –  nichts zu berichten, da sie alle erst nach dem Krieg erbaut wurden. Früher waren hier die Häuser für das Personal und  die Küchengärten.

Weiter geht’s in der nächsten  Folge.

Bleiben sie dabei? Fragt MW

 

 

 

 

 

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