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… und jünger

Kennen Sie Friedrich Stowasser?

Friedrich Stowasser – sagt Ihnen der Name etwas?  Ich kenne Joseph Maria Stowasser, der vom „großen Stowasser“, ein  1894 von ihm  herausgegebenes lateinisch-deutsches Wörterbuch. Vermutlich haben Sie auch mit dem „kleinen Stowasser“ im Lateinunterricht gearbeitet, aber Friedrich Stowasser? Dahinter verbirgt sich der Ihnen sicher unter seinem späteren Namen bekannte Friedensreich Hundertwasser.  Die Arbeiten des 1928 in Wien geborenen Künstlers als Maler und späteren Architekten sind so bekannt und so vielfältig und waren eine Zeitlang so allgegenwärtig, dass er irgendwann als „kunstgewerblich“ verschrien war.

Adventskalender aus der Sammlung go

Mein Ziel war es immer, vielen Menschen Freude zu machen„, sage Hundertwasser 1984.

Es gab eine Zeit, da machte mir Friedensreich Hundertwasser tatsächlich immer wieder Freude – mit seiner bunten, unkonventionellen Wohnhausanlage in Wien, dem Thermendorf in Blumau/Steiermark oder der Kirche in Bärnbach. Er hat Wohnhäuser, ein Fernwärmewerk und eine Müllverbrennungsanlage, den Bahnhof in Uelzen und Kindergärten, öffentliche Toiletten und eine Autobahnraststätte aus dem normalen Farbeneinerlei geholt. Ich hatte Kalender, schrieb Postkarten und klebte seine Briefmarken, ich besuchte Ausstellungen und seine Gebäude. Dies ist lange her, aber einen Adventskalender mit einem Motiv von Hundertwasser habe ich immer noch.

THE RAIN FALLS FAR FROM US, Japanischer Farbholzschnitt, 1970/1975 © 2017 Namida AG, Glarus, Schweiz

Hundertwasser, der 2000 starb, war ein Künstler, Philosoph und politischer Aktivist. Seine Bildsprache und sein Stil sind unverkennbar, seine dekorativen Elemente genauso wie seine Architektur. Es sind die Farbenspiele und Ausdruckskraft, es sind aber auch seine lebenslange Bemühung um eine Versöhnung des Menschen mit der Natur. So wurde er zu einem Pionier der Umweltbewegung, und versuchte  immer wieder praktische Lösungsvorschläge zu machen. Damit hat er bis heute nichts an Dringlichkeit verloren.

Ab Mitte der 1960er Jahre entdeckte er die Druckgrafik für sich als wichtiges Mittel, um möglichst viele Menschen mit seiner Kunst zu erreichen. Dabei lehnt er die traditionelle Definition der Druckgrafik im Sinne einer Vervielfältigungstechnik ab. Stattdessen stellte Hundertwasser in der intensiven Zusammenarbeit mit Spezialisten und in immer wieder neuen Farbvariationen, Versionen und Techniken jeweils „individuelle Originalbilder“ und Unikate her, um so „die Maschine zu besiegen“ und damit der Druckgrafik neue künstlerische Horizonte zu eröffnen. In der Folge eignet er sich viele grafische Techniken an und bereichert sie: Lithografie, Siebdruck, Radierung und andere mehr. Hundertwasser ist der erste europäische Maler, dessen Werke von japanischen Meistern des Farbholzschnitts geschnitten und gedruckt wurden.

Davon  können Sie sich noch bis zum 23.7. im Schloss Britz  überzeugen. HUNDERWASSER FARBSPIELE ist eine (Verkaufs-)Ausstellung, die die Kulturstiftung Schloss Britz in Kooperation mit der Galerie Saal präsentiert. Mit circa 60 Arbeiten bekommen Sie eine gute Übersicht des vielfältigen grafischen Werks Friedensreich Hundertwassers zu sehen.

Schloss Britz, geöffnet dienstags bis sonntags von 11.00 bis 18.00 Uhr
Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, Kinder bis 12 Jahre frei
Vielleicht gönnen Sie sich an einem grauen Regentag eine „bunte“ Stunde im Schloss Britz.

Bleiben Sie neugierig

go

 

 

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