Berlin ab 50…

… und jünger

Konkurrenz unter Gartenkünstlern

Die Ausstellung „Pückler. Babelsberg. Der grüne Fürst und die Kaiserin“ im Schloss Babelsberg bietet noch bis zum 15. Oktober 2017  die auf Jahre letzte Gelegenheit, das Schloss zu besuchen und von den  (noch unsanierten) Räumen faszinierende Aussichten auf die wiederhergestellten Terrassen, den Park Babelsberg und die Potsdamer Parklandschaft zu genießen. Denn nach Beendigung der Ausstellung wird das Schloss bis 2030 generalüberholt. Nach der Zerstörung durch Mauerbau und Verwahrlosung im unmittelbaren Grenzgebiet  in der Zeit der deutschen  Teilung war die Pücklersche Parklandschaft nicht mehr erkennbar. Die nun wiederhergestellten Schlossterrassen, der   Pleasure ground mit dem „Goldenen Rosengarten“, das „Schwarzen Meer“ und der  „Wilhelmwasserfall“ mit seinen künstlichen Felsen laden zum (unentgeltlichen)  Besuch ein. Doch bevor ich zum adligen Gartenkünstler Fürst Pückler und seiner Gartenschöpfung Babelsberg etwas ausführe, zuerst die Vorgeschichte zum Babelsberg.

Prinz Wilhelm, der spätere Kaiser Wilhelm I. (1797-1888), bat 1826 seinen Vater, den preußischen König Friedrich Wilhelm III., um einen Sommersitz auf dem Babelsberg. Doch der sparsame König lehnte ab. Ermutigt vom Gartengestalter Peter Joseph Lenné , dem Generaldirektor der Königlichen Gärten, trugen Wilhelm und seine Frau, Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar einige Jahre später noch einmal die Bitte an den König heran, diesmal mit Erfolg. 1833 erhielt der zweitälteste Sohn des Königs  den Babelsberg in Erbpacht.

Zu dieser Zeit bestand bereits die Freundschaft des Paares zu dem um die Nähe zum preußischen Hof   buhlenden Fürsten Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871). 1833 beauftragter Wilhelm den Architekten Schinkel mit dem Bau eines  Sommersitzes im gerade modern gewordenen englischen „neugotischen Stil“. Schinkel entwarf in Anlehnung an englische Vorbilder einer vielgliedrigen Anlage, in deren Mitte ein achteckiger Turm stand. Der Bau wurde vom Schinkel Schüler Ludwig Persius errichtet und nach Schinkels Tod 1841 in Abweichung vom Konzept durch Persius und Heinrich Strack zu einem romantisch-mittelalterlichen Prachtschloss erweitert. Über 50 Jahre – von 1835 bis 1888 – wohnten Wilhelm und Augusta im Sommer  hier. 1833 bekam  Lenné  den Auftrag, einen englischen Landschaftspark auf dem unwirtlichen, wasserlosen  Hügel anzulegen, obwohl auch Pückler schon Interesse am Auftrag gezeigt hatte. Durch die Anlage des Parks am Schloss Muskau und  sein in Folge der Beobachtungen bei Reisen nach England entstandenes Buch „Andeutungen über die Landschaftgärtnerei“(1834)  war der Fürst als Gartengestalter schon berühmt. Seine große Stunde schlug dann, als 1843 das von Ludwig Persius gebaute  Pumpenhaus (mit Dampfmaschine) das Wasser aus der Havelbucht auf den Berg beförderte.  Obwohl er gegenüber Augusta seinen Konkurrenten Lenné heftig kritisierte und 1842 den Auftrag zur weiteren Gestaltung erhielt, lies er dessen Wegeführungen und Sichtachsen unangetastet. Er perfektionierte das System der Wegeführung, schuf mit Gittern, Beeten Brunnen, Fontänen, Terrassen und Skulpturen eine Kunstlandschaft, die immer neue Bilder für den Lustwandler bietet. Dabei musste er sich nicht dem Kostendruck, dem Lenné als Hofbeamter unterlag, beugen. Und trotzdem  konnte er nicht umhin, seinen Konkurrenten immer wieder zu kritisieren, wirklich kein kollegiales Benehmen des arroganten Fürsten! Er forderte als fürstlicher Auftragnehmer: „Knickern aber darf man gar nicht, denn umsonst ist nur der Tod und unnütze Verschwendung wird unter meinen Leuten nie vorfallen, aber das Notwendige muss geschaffen werden …“. Das hätte sich Lenné nicht herausnehmen dürfen! Augusta nannte Pückler den „Zauberer“ und er genoss die  hohe Anerkennung des Paares, die er sofort in Bitten nach Titeln und Orden ausnutzte. „Durchlaucht“ zu werden, war eines seiner höchsten Ziele, das er bereits 1822 mit der Ernennung zum Fürsten durch König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, übrigens gegen den heftigen Widerspruch des Kronprinzen, erreichte hatte. Eitel war er schon, der  genialer Parkgestalter, Frauenheld, Feinschmecker, Erfinder und  Reiseschriftsteller, der ständig mit Schulden zu kämpfen hatte. Seine  Bildung, Eleganz, sein Charme und sein Extravaganz waren in seiner Zeit nicht nur in Berlin berühmt und gaben Anlass zu viel Klatsch. Die bunten Zeitungen und die Leser heute hätten ihre Freude an dem Mann.  Der „Grüne Fürst“ hatte ein besonders nahes Verhältnis zu Kaiserin Augusta, die ihn noch aus ihre Jugend in Weimar  – wo er oft Gast war – kannte. Augusta von Sachsen-Weimar-Eisenach hatte  wie der Fürst eine liberale Einstellung und verehrte ihn wegen seiner Weltläufigkeit. Leider konnten weder sie, noch später ihre englische Schwiegertochter Victoria  ihre Ehemänner  beeinflussen, sich gegen Bismarcks Militärpolitik zu positionieren und liberal zu handeln.

Die Ausstellung bietet ein buntes Kaleidoskop zum Leben des Fürsten, zu seinen Parkschöpfungen in Babelsberg,  Branitz und Muskau und seinen gartenkünstlerischen Vorstellungen und Methoden und sein besonderes Verhältnis zu Augusta, der Kaiserin. Ein großer Genuss und gleichzeitig auch Anregung, sich mit dem wechselvollen Leben von Hermann Fürst zu Pückler-Muskau näher zu beschäftigen. Eine Empfehlung  dafür ist das Buch von Heinz Ohff, dem früheren Feuilletonchef des Tagesspiegels:  „Der grüne Fürst. Das abenteuerliche Leben des Hermann Pückler-Muskau“ von 1991.

Und  fahren Sie nach Babelsberg, es lohnt sich wirklich.

Meint mw

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