Berlin ab 50…

… und jünger

Ein neuer Code geht um

„Ickwos Berlin“ oder „Hast Du das (normale) Rauchen aufgegeben“?

Als Nichtraucher  sind mir seit einigen Wochen Litfaßsäulen und  BVG-Stationen mit monothematischer Werbungen aufgefallen, die einen eigentümlichen Code „IQOS“ und die Bezeichnung „Berlin“ aufwiesen. Erst der darunter stehende Hinweis “ Rauchen ist tödlich“ gab mir einen Idee, um was es sich dabei handelt. Und so war es werbetechnisch vermutlich auch gedacht: Aufmerksamkeit erregen und zur Suche nach zusätzlichen Informationen animieren. Für alle Nicht –Raucher hier ein kleiner Überblick, worum es geht.

Ausgangspunkt der Tabakkonzerne für die Flucht nach vorn sind die Maßnahmen wie Tabakwerbeverbot, Steuererhöhung, Rauchverbot oder Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen, durch die  laut WHO-Angaben  derzeit rund 60 Prozent der Weltbevölkerung über die gesundheitlichen Folgen des Rauchens erfahren bzw. vom Rauchen abgehalten werden sollen. Nach wie vor sterben jährlich rund sieben Millionen Menschen weltweit an den Folgen von Tabakkonsum. Trotz aller Verbote ist in Deutschland –  im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern – derzeit Plakatwerbung für Zigaretten noch erlaubt, deshalb wahrscheinlich die massive Kampagne. Auf der Suche nach ungefährlicheren Alternativen stand am Anfang der Nikotinkaugummi, der ein langsames Abgewöhnen von der Nikotinabhängigkeit ermöglichen sollte. Völlig unerotisch für Raucher und mit Nebenwirkung wie z.B. Magendrücken belastet. In den letzten sieben Jahren kamen dann die elektronischen Zigaretten dazu: Beim Rauchen von E- Zigaretten werden sogenannte Liquids, d.h. Flüssigkeiten, die Nikotin und Aromastoffe enthalten, verdampft. Es gibt auch nikotinfreie Varianten. E-Zigaretten sind weniger gesundheitsschädlich als herkömmliche Zigaretten, aber auch nicht völlig unbedenklich. So ist zum Beispiel unklar, wie sich die enthaltenen Aromastoffe langfristig auf die Gesundheit auswirken. Außerdem konnten E-Zigaretten viele Raucher nicht überzeugen, da der Tabakgeschmack fehlt und der  „Nikotinkick“ ausblieb.

Nun gibt es eine neue Variante, für die so heftig geworben wird. Sie soll inhalierbaren Dampf durch Erhitzen (und nicht Verbrennen!) von Tabak erzeugen und so die Nikotinsucht befriedigen und gleichzeitig einen Tabakgeschmack bieten. Bei den herkömmlichen Zigaretten entstehen  beim Verbrennen von Tabak bei 600 – 800 Grad vielfältige krebserzeugende Inhaltsstoffe, die inhaliert werden. Dies soll  mit der Erhitzungsmethode  minimiert werden. In den batteriebetriebenen Geräten werden kurze Stränge aus komprimiertem Feinschnitttabak, sogenannte „Heatsticks“ auf etwa 300° C erhitzt und die Dämpfe/Aerosole  inhaliert.  IQOS ist der Name einer solchen „Heat-not-Burn-Zigarette“, die Philip Morris International jetzt als erste Firma bundesweit auf den Markt gebracht hat, die Produkte der Konkurrenten sind noch nicht in Deutschland erhältlich.  Die Abkürzung IQOS bedeutet “I quit ordinary smoking»„ also: „Ich habe das normale Rauchen aufgegeben„.

Der Markt ist riesig, die Entwicklungskosten lagen bei 1 Mrd. Dollar. Aber ist  das Einatmen erhitzter Tabakbestandteile  harmloser als das Rauchen, wie die Werbung behauptet? Hersteller-Studien zeigen, dass beim Erhitzen von Tabak in einer „Heat-not-Burn-Zigarette“ ein Aerosol  entsteht, das nikotinhaltig ist, aber weniger schädliche Substanzen enthält. Im herkömmlichen Tabakrauch entstehen über  4800 verschiedenen Substanzen, von denen mindestens 250 giftig oder krebserregend sind. Unabhängige Studien oder Langzeituntersuchungen  zu den Schadstoffen und den Auswirkungen von IQOS auf die menschliche Gesundheit  gibt es dazu derzeit noch nicht.  Die US-Behörde FDA will die Gesundheitsrisiken von IQOS prüfen und  auch das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin plant eine Bewertung. Doch selbst wenn diese Untersuchungen die  im Vergleich zur klassischen Zigarette niedrigere Schadstoffbelastung bestätigen, sagt das nichts über die Suchtgefahr und die Langzeitwirkungen aus. Zur „Entlastung“ von IQOS müssten dazu epidemiologische Studien durchgeführt werde, die  Jahrzehnten dauern, um nachzuweisen, dass  Konsumenten von Heat-not-burn-Produkten länger leben als Raucher und seltener Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs bekommen.

Also, lieber die Finger weg und endlich den Silvester 2016  getroffenen Vorsatz „in diesem Jahr höre ich mit Rauchen endlich auf“, umsetzen. Vielleicht hilft  ein Coach dabei!

Meint mw

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