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Grün ist gesund….

Sind  selbstgesammelte Blatt- und Grasprodukte  immer auch automatisch  gesund?

Im Internet werden  Wildkräuterführungen und Kräuterwanderungen und die Ausbildung zur Kräuterfachfrau angeboten, aber es können auch fertige Produkte aus Blättern und Gräsern bezogen werden.  Über die  Herstellung von „Grünen Smoothies“  wird berichtet und  es wird darauf hingewiesen, dass die selbst gesammelten Löwenzahnblätter, Gundermann-Blüten , Hornveilchen, Kapuzinerkresse, Giersch und  Sauerampfer außerordentlich gesund und  nicht  – wie im Supermarkt – „chemisch verseucht“ sind.

In der Tat, Gras- und Blattprodukte sind keine definierte Lebensmittelgruppe und unterliegen, da selbst gesammelt, keinerlei staatlicher  Kontrolle. Natur bedeutet aber auch, dass Ausscheidungen von Wildtieren, Schnecken und anderem Getier  anhaften können, Staub sich absetzt und wir davon nichts am Wildkraut sehen. Ich habe übrigens bei einer (kleinen)  Recherche   in  Anleitungen  zum Sammeln oder in den Tipps zur Herstellung von Blattprodukten keine Hinweise auf mögliche Gefährdungen durch humanpathogene bakterielle Kontamination gefunden.

Bereits vor 350 Jahren wurden erstmals Bakterien von Antoni van Leeuwenhoek  beschrieben, Louis Pasteur erfand die Ausschaltung bakterieller Prozesse durch Erhitzen aber erst im 19. Jahrhunderts  suchte der Bakteriologe  Robert Koch systematisch nach Mikroorganismen, die Krankheiten auslösen (Tuberkuloseerreger). Wie beim Menschen, gibt es auch bei Baktereien gute, weniger gute  und recht gefährliche Vertreter. Bakterien sind überall im und am menschlichen Körper anzutreffen. Humanpathogene  – also für den Menschen schädliche Bakterien in Lebensmitteln, wie Salmonellen  oder Listerien, führen wegen  mangelhafter Hygienemaßnahmen immer  wieder zu Massenerkrankungen mit unterschiedlich schweren Verlaufsformen (Durchfall, gefährdet sind dabei besonders Kinder und Ältere).  Sie erinnern sich sicher, das Darmbakterium EHEC,  das vermutlich aus bakteriell kontaminierten, selbstgezogenen Sprossen stammte,   löste 2011 in Deutschland eine Epidemie aus, in deren Folge 4300 Menschen erkrankten und 49  am hämolytisch-urämischen Syndrom starben.

Da der Trend zur alternativen Ernährung mit Blatt- und Grasprodukten aus Wildsammlungen anhält, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) jetzt eine ausführliche Stellungnahme zur Belastung von Blatt- und Grasprodukten mit Bakterien, die beim Menschen Erkrankungen verursachen können, vorgenommen und einige Tipps zur Vermeidung von Infektionen mit humanpathogenen Bakterien gegeben:

http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2017/28/lebensmittel_aus_blaettern_und_graesern_koennen_krankheitserreger_enthalten-201250.html

Die Tipps vermeiden jede Art von Panikmache, lassen einem die Freude am Selbstgesuchten und sind  einfach umzusetzen . So sollten die beliebten grünen Smoothies aus Kräutern und Spinat bis zum Verzehr möglichst bei maximal 7 °C gelagert und am Tag der Herstellung verbraucht werden. Durch eine starke Säuerung der Smoothies, zum Beispiel durch Verarbeitung von Zitrusfrüchten oder Zugabe von Zitronensaft, lässt sich die Vermehrung humanpathogener Bakterien verlangsamen bzw. ganz verhindern.  Kräutertee sollte immer mit kochendem Wasser aufgegossen werden.

Zum Glück gibt es bisher nur wenige belegte Fälle bakterieller  Lebensmittel-Infektionen  durch Gras-oder Blattprodukte.  Ich hoffe, es bleibt so.

Neulich wurde im Tagesspiegel berichtet, dass in Kindergärten vermehrt exotische Tiere gehalten werden. Der aus pädagogischer Sicht verständliche Ansatz, da Kinder  so lernen können,  Verantwortung zu übernehmen, wird von Kinderärzten und Infektiologen sehr kritisch gesehen. Das Robert-Koch-Institut hatte bereits  2013 ausdrücklich davor gewarnt, da der Darm fast aller Reptilien humanpathogene Salmonellen beherbergt, die bei Kleinkindern und Säuglingen auch zu lebensbedrohlichen Durchfallerkrankungen, Blutvergiftungen und Hirnhautentzündungen führen können.  Und was schreiben die Leser? „Durch Mückenstiche sterben viel mehr“ und „Dreck hat noch niemand geschadet“. Naja, da sollte mal eine Mutter in den Kindergarten  eine Pflegcreme mit Parabenen mitbringen oder auch schon ein Wurstbrot, falls die Einrichtung  vegetarisch betrieben wird –   ein Aufstand der besorgten Eltern wäre sicher.

Es ist schon erstaunlich, wie gleichgültig die Öffentlichkeit mit 4300 Erkrankten und 49 Toten durch EHEC umgeht, weil sie nicht auf „die Chemie“ zurückzuführen sind.

Was meinen sie, würden sie gern an den ach so „ natürlichen“ Salmonellen erkranken?

Fragt   mw

 

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