Berlin ab 50…

… und jünger

Berlin in Münster

Begonnen hatte alles damit, dass in Münster Anfang der Siebziger die „öffentliche Meinung“ den Ankauf einer modernen Skulptur verhinderte. 1977 planten dann  Klaus Bußmann (Direktor des Westfälischen Landesmuseums für Kunst- und Kulturgeschichte)  und Kaspar König aus „aufklärerischen Gründen“ eine Skulpturenausstellung, um die Münsteraner in die Moderne zu führen. In diesem Jahr findet  nun inzwischen zum fünften Mal seit 1977 in Münster eine Open Air-Schau mit Skulpturen im öffentlichen Raum- genannt „Skulptur- Projekte“- statt.

Der Stein des Anstoßes war damals eine kinetische Skulptur des amerikanischen Künstler George Rickyn, die als Leihgabe in der Neuen Nationalgalerie in West-Berlin stand.  Das dann doch die „Drei rotierenden Quadrate“ den Weg nach Münster fanden, ist der Westdeutschen Landesbank zu verdanken, die 1975 das  Kunstwerk kaufte und der Stadt schenkte.  Hier ist nun schon der erste Bezug zu Berlin, weitere werden folgen. Bis zum 10. Oktober und damit zeitgleich mit der Documenta in Kassel  ist die Ausstellung im städtischen Raum von Münster zu sehen. Das  hervorragend gemachte Begleitheft  „Gebrauchsanweisung“ zum Skulptur –Projekt gibt Hinweise für das „Selbstdenken“ und Entdecken moderner Kunst und ist  erfreulich „un-erzieherisch“ hinsichtlich der eigenen Meinungsbildung so wie die ganze Schau  – im Gegensatz zu der immer einem kuratorischen Konzept unterworfenen  Documenta.  Mir hat diese Einbettung von moderner Kunst ins Stadtbild  sehr gefallen.

Der zweite Bezug zu Berlin eröffnete sich uns dann in der Skulptur „ Bogenschütze (Archer)“ von Henry Moore, der vor dem eleganten Neubau des Landesmuseums für Kunst und Kultur vor einem riesigen Tieflader mit schwarzer Umzugskiste steht. Die trägt die Aufschrift „ Fragile (zerbrechlich)“. Nanu, wie kommt der „Archer“ aus Berlin hier her? Der stand doch seit 1966 vor der Neuen Nationalgalerie, bis sie 2014  wegen  umfangreicher Sanierungsarbeiten geschlossen wurde. Wurde er entführt? Nein, eine Leihgabe Berlins , die die Konzept-Künstler Cosima von Bonin (Köln)  und Tom Burr hier als Installation aufgestellt haben. Übrigens stammen einige der Objekte von Berliner Künstlern. Das für meinen Geschmack witzigste Exponat  ist von der  türkischen Künstlerin Ayşe Erkmen, die in Berlin und Istanbul arbeitet. „On Water“ (siehe Abbildungen) ist  ein Steg, der eine  Verbindung zwischen den beiden bis heute unterschiedlich genutzten Seiten des Münsteraner Binnenhafens (Dortmund-Ems-Kanal), dem  nördlich gelegenen „Kreativufer“ mit der noch  industriell geprägten Südseite schafft. Je nach Pegelstand werden Füße oder auch die Waden nass und aus der Ferne sieht es aus, als ob die Besucher über Wasser laufen, da es kein Geländer gibt. Wie Buddha und Jesus über Wasser laufen macht Spaß!

Und noch einen Berlin-Bezug habe ich gefunden: am Hauptbahnhof steht seit 1963 der „Berliner Bär“ von Arnold Schlick (1896- 1978). Die Tafel vor der Skulptur erinnert an die Teilung Berlins und symbolisiert die Verbundenheit Münsters mit Berlin. Nach  August Gaul (1869-1921) und Renée Sintenis (1888-1965)  war Schlick ein  bedeutender Tierplastiker und Münster hat einige seiner schöne Werke stehen (z.B. Gänseplastik am Humborgweg). Soviel zum Bezug Münsters auf Berlin !

Die Stadt hat aus den Skulptur-Ausstellungen eine Vielzahl von Kunstwerken im öffentlichen Raum behalten, auch aus diesem Jahr sind einige Objekt zum Ankauf vorgesehen. Dazu werden natürlich  nicht die vielfältigen Performance-Projekte gehören, die den Zuschauer/Besucher aktiv einbeziehen und sei es als Stichwortgeber.

Münster, die Stadt des Westfälischen Friedens (1645/48) ist unbedingt einen Besuch wert, auch nach Abschluss des „Skulptur-Projekts“. Der Aasee, der grüne Gürtel mit dem Botanischen Garten, die ausgebauten Radwege zu den in der Nähe befindlichen zahlreichen Wasserschlösser können jeden Radfahrer begeistern.

Fahren Sie hin, meint mw

PS: Und von einer Verbindung habe ich gelesen – Wie die „Westfälischen Nachrichten“ am 1.8.2017 mitteilten, hat Münster bei der zuständigen Bundesbehörde einen Antrag für einen Cannabis-Modellversuch gestellt. Sollte er genehmigt werden, dann werden per Zufallsprinzip 200 Münsteraner ermittelt, von denen die Hälfte ein Jahr lang kostenlos Cannabis erhält. Hier versucht Münster wie Berlin (-Kreuzberg) zu sein. Hat bisher in Kreuzberg aber nicht geklappt.

Fotos (c) mw

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