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… und jünger

Tattoo in Edinburgh

Mitte August habe ich Ihnen einen kleinen Reisebericht zu einem Tattoo versprochen.  Aber keine Angst, ich bin auch nicht „bemalt“ –  mit Schmetterling im Dekolleté oder Anker auf dem Oberarm – zurückgekommen.

Nein, als musikalischer Mensch habe ich mir  The Royal Edinburgh Military Tattoo gegönnt, ein Musikfestival der Extraklasse. Der Name Tattoo heißt so ähnlich wie „Zapfenstreich“ und ist aus dem holländischen abgeleitet, wo Tap do  so viel bedeutet wie „Zapfen zu“. Jetzt schenkt der Wirt nichts mehr aus und es ist Feierabend. Also Sie merken schon, dieses Musikfestival hat nichts mit der „Verschönerung“ unserer Haut zu tun.

Der Beginn, Punkt 21 Uhr, wird nicht eingeläutet, sondern mit donnerndem Lärm überquerten zwei Düsenjäger in Überschallgeschwindigkeit das hoch über Edinburgh gelegene Castle (Fly over). Eigentlich war das der einzige militärische Moment. Ähnlich spektakulär endete das Tattoo. Sämtliche Teilnehmer marschierten noch einmal in die Mitte der Aufführungsstätte. Die britische Hymne God Save the Queen wird gespielt und danach das schottische Lied Auld Lang Syne. Hoch oben auf den Zinnen der Burg spielt ein Dudelsackspieler allein ein Lied zum Gedenken an die Gefallenen der Armee. Es sind sehr beeindruckende und emotionale Momente. Zum Schlussausmarsch erklingt dann ebenfalls traditionell das Stück Scotland the Brave. Mit diesem dann heiteren Lied verließen die Zuschauer die Veranstaltung und man kann sich vorstellen, wie voll es nun in den umliegenden Pubs wurde.

Jedes Jahr gibt es ein anderes Konzept, allerdings immer mit Bezügen zur Geschichte Schottlands. Es ist schon überwältigend, wenn die 1000 Musiker und Tänzer auf den Platz vor dem Castle einmarschieren. Der Klang von Dudelsack, Trommeln, und Trompeten. Ein musikalischer und optischer Genuss.

Der Vorhang ist die Dunkelheit. Fast immer wenn eine Gruppe ihren Auftritt beendete, wurden die Lichter gedimmt, das Castle war dann eine Projektionsfläche für den nächsten Auftritt. Wie aus dem Nichts marschierte die nächste Gruppe auf.  Eine Musikgruppe aus Indien, Fanfaren aus Frankreich, Geiger von den Shetland, Musiker aus Amerika, Dance Company aus Schottland und sogar eine Japanische Kapelle.

Jede Gruppe  in ihrer traditionellen Kleidung. Beeindruckend die indischen Turbans, die Geiger und Tänzer von Riverdance, die Fanfarenzüge der Franzosen, die großen Tubas der Amerikaner oder die Kimonos der Japaner. Selbstverständlich fehlen nicht die Bagpipes und die Trommler der verschiedensten schottischen Einheiten. Der Kilt ist die besondere Kleidung der Schotten. Das typische Karomuster (Tartan) ist bekannt und jedes Karomuster ist für einen bestimmten Clan (Familie, Stamm) vorgesehen. Dazu gehört die auffällige Tasche, die weißen Strümpfe, spezielle Kopfbedeckungen, Schuhe geschnürt und sogar Sockenhalter. Die Frage, die immer wieder auftaucht ist natürlich die nach dem „Darunter“! Tatsächlich trägt man den Kilt so oder so. Aus hygienischen Gründen jedoch meist mit „Darunter“.

Die Abwechslung und das Tempo der Veranstaltung machen den Reiz des Spektakels aus.

Die Altstadt rund um das Castle ist dicht an dicht mit historischen Restaurants und Pubs gefüllt. Es macht einfach Spaß inmitten dieser vielen Menschen, aus aller Welt zu Gast zu sein und sich treiben zu lassen. Sie werden sich an Ihre Englischlehrerin aus einer fernen Vergangenheit erinnern und die Vokabeln von damals fallen, wie der tägliche Regen in dieser Stadt, auf einmal vom Himmel.

Interessant wird es auch, wenn sie dann noch bei einem schottischen Bier – Scottish Ale – mit einem Edinburgher ins Gespräch kommen.  Über dieses Getränk sollte unser kompetenter Bier-Blog- Schreiber mw mal berichten, ich empfehle jedoch unbedingt vorher eine Reise nach Schottland!

Der Monat August ist der Hauptfestivalmonat in Edinburgh. Es gibt  –  das Kunst Festival mit Ausstellungen mit Bildern und Skulpturen;  das internationale Festival mit Musik, Schauspiel und Tanz; das Fringe Festival, das schräge Festival der Straßenperformance; das Book Festival mit Lesungen und Buchvorstellungen.  All diese Festivals finden zur selben Zeit statt und man kann sich nun vorstellen, warum die Stadt so voller Menschen ist. Trotzdem: Toll, interessant, sehenswert und schön. Eine friedliche und freundliche Atmosphäre ist vorherrschend. Leider ist die heutige Zeit so, dass man hier und dort auch Schutzmaßnahmen in Form von vorbereiteten Straßensperrungen nicht übersehen konnte.

Viele Seiten würde es brauchen, wenn ich über alles berichten wollte. Zum Schluss möchte ich jedoch der Stadt Edinburgh mein Kompliment aussprechen: über die Organisation, den Ablauf und die Vielfältigkeit der Veranstaltungen, die Menschen aus aller Welt besuchen sollten. Unseren Bloglesern empfehle ich eine Rundreise in Schottland mit weiteren landschaftlichen Höhepunkten und reizvollen Seen und Schlössern und zum Ende der Reise… Na ja, Sie wissen sicherlich schon…

Ihr brd

Fotos (c) brd

 

 

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