Berlin ab 50…

… und jünger

Ein fürstliches Erlebnis

Da ich mich ja – wie Sie sich vielleicht erinnern – in meiner neuen freien Zeit mit interessanten Biografien beschäftigen will, habe ich mir die Empfehlung von mw  in „Konkurrenz unter Gartenkünstlern“ vom 21.Juli 2017  https://berlinab50.com/2017/07/21/knickern-aber-darf-man-gar-nicht  zu Herzen genommen und nicht nur den „Grünen Fürsten“* gelesen, sondern habe mich auch auf den Weg nach Schloss Branitz gemacht.

Der Stamm- und Alterssitz des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau ist bezaubernd.  Branitz, nur ein Sechstel so groß wie Schloss Muskau, ist es ein geradezu gemütliches Schloss – mit Bibliothek, Orientalischem Raum, Römischen Bad und natürlich ein paar Zimmer für königliche Besucher.

Lange wartete der Fürst auf einen Besuch von Königin Augusta, dann kam sie an einem Julitag im Jahre 1864, wenn auch nur für einen Tag. Die Frau von König Wilhelm I. war von Branitz begeistert und  der greise Pückler war sehr zufrieden: „Die Königin selbst sah ich nie froher und zufriedener, voll all ihrer eigenthümlichen  Grazie, und wie um zehn Jahre verjüngt“. Eine kleine Ausstellung „Augusta – die  Königin zu Gast in Branitz“ ist noch bis 31.Oktober 2017 in den oben Räumen des Schlosses zu sehen.

Die Terrasse rund um das Schloss ist auf Initiative von Lucie von Pückler-Muskau, der geschiedenen Frau des Fürsten, angelegt worden und wertet das Gebäude enorm auf. Sie ist sozusagen das Vorzimmer des Pleasure Grounds, das Garten-Zimmer.

Der Fürst verkaufte nach vielen emotionalen Wehen 1845 das überschuldete Schloss Muskau, um endlich mal ohne Geldnöte zu sein. Er nahm seinen Sitz auf  Schloss Branitz, das sich in einem ziemlich desolaten Zustand befand. Die Umbauarbeiten leitete nach anfänglichem Zögern Gottfried Semper und er machte im Laufe der Jahre in Schmuckstück im Tudorstil daraus. Mindestens so dringlich war für den grünen Fürsten die Parkanlage. Aus einer flachen, nur von alten Obstbäumen bestandenen Gegend wird der 60jährige Pückler –  noch einmal ganz vor vorne anfangend –  eine der schönsten Gartenanlagen im englischen Stil auf dem Kontinent zaubern. Seine Park-Vorstellungen umzusetzen verschlang allerdings wiederum eine enorme Summe seines Geldes, so dass ihn bis zum Ende seines Lebens Geldsorgen nicht losließen. Das gärtnerische Meisterwerk begreift der heutige Besucher erst, wenn man er es mit der  Niederlausitzer Landschaft vergleicht, die platt und eben ist, und bedenkt, dass damals der Blick vom Schloss auf die qualmenden Fabrikschlote des Industriestädtchens Cottbus fiel.  Für Pückler unerträglich. So lässt er Seen ausheben – wie den Schlangensee, Pyramidensee,  Schlosssee und den Schwarzen See, „Berge“ aufschütten – unter anderem die Mondberge, die Schilfberge mit Heiligem Berg und den Hermannsberg, der mit 15 Metern die höchste Erhebung des Parks ist, etwa 300 000 Bäume, zum Teil 50 Jahre alte Bäume setzen  und als Krönung 1862 eine Land- und eine Seepyramide errichten. Die Landvariante hat er Lucie zugedacht, die allerdings nach ihrem Tod 1854 auf dem Branitzer Dorffriedhof beigesetzt wurde. Für sich selbst hat er  – wie um die Voraussage einer Wahrsagerin zu erfüllen – ein Grabmal von Wasser umgeben anlegen lassen, eine ägyptische Pyramide im See. 1871 wird er dort beigesetzt, Graf Heinrich von Pückler, sein Erbe,  ließ Lucie einige Jahre später ebenfalls dort beisetzen.

Da der äußere Teil ein Volkspark, also für jedermann zugänglich war, wurde quasi als Sichtschutz eine „italienische Mauer“ zum öffentlichen Park hin gebaut. Dekorieren ließ er sie  mit Terrakotta-Reliefs des damals berühmtesten Bildhauers Bertel Thorvaldsen, den er 1808 in Rom kennengelernt hat. Zum Flanieren wurde eine wunderschöne Pergola angelegt und mit Skulpturen aus der griechischen Mythologie bestückt. Für Pücklers Gäste, die hier lustwandelten, waren all die Geschichte der Tonbilder und Figuren  mit den Themen von Liebe, Melancholie und Vergänglichkeit allgegenwärtig und so entstand ein „erotisch-vanitatisches“ Kabinett.

Neben einer Art Gedenkraum im ersten Stock für seine abessinische junge Geliebte Machbuba, die in Muskau begraben liegt,  findet man in Sichtweite des Schlosses auch das Grab seiner arabischen Lieblingsstute  “ Hier ruht Adschameh – meine vortreffliche arabische Stute, brav, schön und klug“.

Der Park ist eine herrliche grüne Lunge, ein schön angelegter Garten und auf seine Art ein Märchenbuch – denn auf Schritt und Tritt begegnen dem Besucher eigenwillige, bizarre oder rührende Geschichten aus dem Leben Pücklers – genauso wie der exaltierte „grüne Fürst“ vermutlich war.

Eine Reise  – ca. 130 km von Berlin entfernt – ist er allemal wert.

Bleiben Sie neugierig, es lohnt sich!
go

Fotos (c) go

* Heinz Ohff, DER GRÜNE FÜRST  – Das abenteuerliche Leben des Hermann Fürst-Pückler, Piper Verlag,  2000, 9.Auflage

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