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… und jünger

Luther in Tirol- keine Erfolgsgeschichte

Heute am Reformationstag ein letzter Hinweis zu einer Luther-Ausstellung:

Über den Thesenanschlag Luthers am 31.10.1517  als Symbolhandlung einer Zeitenwende und dem Beginn großer religiöser, politischer und sozialer Umwälzungen in Deutschland und Europa wurde hier berichtet. Welche Auswirkungen die  Reformation  in der fernen katholischen Grafschaft Tirol, einer Besitzung der Habsburger hatte, zeigt die Sonderausstellung LUTHER UND TIROL auf Schloss Tirol bei Meran, das bis 1420 Residenz der Tiroler Landesfürsten war (dann zog es sie nach Innsbruck).

Um es kurz zusammenzufassen, die evangelische Kirche konnte erst Mitte des 19. Jahrhunderts hier Fuß fassen und ist auch heute nur eine kleine Glaubensgemeinschaft. Viele der zwischen 1600 und 1840 vertriebenen Tiroler, die sich zum evangelischen  Glauben bekannten, fanden  in Preußen Zuflucht. So die  vertriebenen Defregger im Winter 1684, die Salzburger  1731 bis hin zu den Zillertalern 1837.

Die große katholische Frömmigkeit des Volkes mit Heiligenverehrung , stiftungsfreudiger Frömmigkeit zur Erlangung des Seelenheils  und die repressiven Mittel des Landesherren Ferdinand I. zum Verbot aller evangelischen Schriften  einschließlich der Verbrennung  von „Täufern“ (wie Jacob Hutter), die sich für das Urchristentum einsetzten, verhinderten eine Verbreitung der Lehren Luthers. Sein Bruder, Kaiser Karl V., hatte 1521 mit dem Edikt von Worms die Reichsacht über Luther verhängt und seine Schriften verboten. Und doch gab es einzelne  Bürger, die Gottesdienste mit  deutschen evangelischen Predigern in ihren Häusern abhielten.  Auch die deutschen Schulen waren Umschlagplätze reformatorischer Ideen. Tiroler studierten im protestantischen Deutschland Theologie, bleiben aber auch dort. Eine große Bewegung wie in Deutschland erwuchs aber daraus nie.

Nachweisbar ist, dass es unter dem Einfluss der Reformation in der Tiroler Kunst zu einer verstärkten Hinwendung zur heiligen Schrift kam. Auf Altären traten vermehrt Bibelszenen an die Stelle von Heiligenbildern. Durch inschriftliche Verweise auf die Bibelstelle wurden die Illustrationen als Wort Gottes gekennzeichnet und damit legitimiert.  Entnommen wurde die Sujets den Holzschnitt- Illustrationen der Luther Bibel und anderen reformatorischen Buchdrucken. Private adlige Auftraggeber, die dem neuen Glauben heimlich zugetan waren, ließen ihre Residenzen  mit deutschsprachigen Bibelzitaten und – wie von Luther gefordert – mit biblischen Szenenfolgen ausmalen.   Bartlmä Dill Riemenschneider, der Sohn des berühmten Würzburger Bildschnitzers Tilman Riemenschneider, hatte  als „Täufer“ und Anhänger Hutters  unter Androhung des Todes  der Lehre zwar abgesagt hatte,  verbreitete seit 1525 aber subtil die Botschaft des Evangeliums in Altargemälden und Ausmalungen von Ritteransitzen.  Sein Wohnhaus war  noch 1537 ein nächtlicher Treffpunkt  einer Täufergemeinde. Abgebildet ist die Loggia von Schloss Rubein in Meran, in der sich  ein neutestamentlicher Bilderzyklus von Riemenschneider erhalten hat, der vermutlich für geheime täuferische Abendmahlsfeiern genutzt wurde. Die von Riemenschneider geschaffene Fayenceplatte  ist eine Leihgabe für diese Sonderausstellung aus dem Kunstgewerbemuseum Berlin und zeigt die Geburt Jesu und Moses vor dem brennenden Dornbusch. Barthlemä Dill Riemenschneider war der bedeutendster Künstler der Renaissance in Südtirol.

Bemerkenswert, dass in der evangelischen Diaspora auch an Luther gedacht wird

meint mw

Falls Sie zum Törggelen nach Südtirol fahren sollten und bis zum 26.November 2017 in der Nähe sind, schauen Sie doch im Schloss Tirol vorbei.

Fotos (c) mw

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