Berlin ab 50…

… und jünger

An apple a day …

Gerade lasen wir, dass Apfelsaft zum Winter deutlich teurer werden soll. Grund dafür ist die deutschlandweite schlechte Apfelernte in diesem Jahr. Wir hörten es im Frühjahr bereits (und spürten es selber an den Heizkosten), dass nach plötzlichen Frösten zur Baumblüte in Brandenburg eine schlechte Apfelernte erwartet wird. Dadurch, dass es Anfang März schon sehr warm war, trieben die Bäume zu früh. Für die sensiblen Apfelblüten waren die folgenden niedrigen Außentemperaturen eine hohe Gefahr. Auch den Bienen war es zu kalt und so wurden die überlebenden Blüten nicht bestäubt.  Unter Null-Grad drohen Frostschäden bis hin zum Totalausfall der Ernte. Im Ergebnis wird in diesem Herbst in Brandenburg nur mit einer Erntemenge von 17.800 Tonnen Äpfeln gerechnet, 10.000 Tonnen weniger als  2016.

Und die Schreckensnachrichten kommen aus allen deutschen Obstanbaugebieten: Vom Alten Land bei Hamburg  über Niedersachsen (Minus  36%) bis hin zum Bodensee (Minus 63% gegenüber 2016), überall fällt die Ernte schlecht aus. Und das, wo jeder Deutsche statistisch gesehen 20 kg im Jahr verspeist. Unsere Sorge, in diesem Winter kaum Äpfel  kaufen zu können oder sie teuer bezahlen sie müssen, wurde durch den  Besuch im herbstlichen Südtirol  gemindert. Südtirol wird die Erntelücken füllen können, wie gleich zu berichten ist. Und wir haben Säfte und Äpfel mitgebracht, die köstlich sind.

Zwischen 900.000 und einer Million Tonnen Äpfel werden jedes Jahr in Südtirol geerntet und wie die diesjährigen Erntezahlen zeigen, gibt es kaum Ausfälle, obwohl durch die geografische Lage plötzliche Kälteeinbrüche im Frühjahr, so wie auch in diesem Jahr, üblich sind. Doch die Südtiroler haben vorgesorgt: seit den  60iger Jahren kommt bei Kälteeinbrüchen die sogenannte Frostberegnung zum Einsatz. Dabei werden die Apfelbäume durch fest installierte Leitungen von oben beregnet. Durch die sich bildende Eisschicht und die dabei entstehende Gefrierwärme werden die Blüten geschützt. Früher  wurde versucht, mit intensiver Rauchentwicklung die Blüten zu schützen, was wenig effektiv war. Verträge mit Imkern sichern, dass genügend Bienen in der Apfelblüte zur Verfügung stehen. Hagelschäden verhindern ganzjährig gespannte Netze zwischen den Baumreihen.

Der Apfelanbau erfolgt in Höhenlagen von 200 bis 1000 Meter über dem Meeresspiegel und hat seit den 60iger Jahren den Weinanbau (5.414 ha) an Fläche überholt. Südtirol ist mit 18.400 Hektar das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet in Europa. Von hier stammen 10 % der europäischen Apfelernte. Deutschland bezieht jedes Jahr 20% der Ernte aus Südtirol, dieses Jahr wird es wohl mehr werden und darauf hoffen wir! Der Obstanbau erfolgt sowohl konventionell als auch ökologisch.

Lange Zeit war auch in Südtirol der ökologische Obstbau mit  der Ernte unbehandelter Früchte von Streuobstwiesen gleichzusetzen. Aber bereits in den  80er Jahren begannen in Südtirol, Obstbauern ihr Obst nach den Richtlinien des ökologischen Anbaus anzubauen. 300 biologisch wirtschaftende Obstbauern  erzeugen heute rund 20 % der in der EU gehandelten Bio-Äpfel (45.000 Tonnen). Die größte Herausforderung des Bio-Obstbaus ist der Pflanzenschutz. Einige Schädlinge und Schaderreger müssen auch im biologischen Obstbau mit Pflanzenschutzmaßnahmen  bekämpft werden. Da im ökologischen Obstbau chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel nicht eingesetzt werden und nur vorbeugende Behandlungen möglich sind, kommt z. B. zur Abwehr von Schorf eine Schwefelkalkbrühe zur Anwendung. Gegen Insekten kommen verschiedene pflanzliche Mittel, aber auch Marienkäfer und Raubwanzen gegen Blattsauger zum Einsatz.

Die Südtiroler Apfelernte beginnt im August mit der Sorte Gala und endet mit der spätreifen Pink Lady Anfang November.  Die Äpfel werden sorgsam von Hand gepflückt („geklaubt“ sagt man hier) und in Großkisten von 300 kg zu den Obstgenossenschaften gebracht. Die Lagerung erfolgt bei vier Grad und stark reduziertem Sauerstoffgehalt in den Kühlzellen. Die Äpfel reifen langsamer und können so bis in den Folgesommer frisch angeboten werden.

Die Obstbauern folgen der Nachfrage der Verbraucher  und so wie sich Geschmack und Vorlieben ändern, ändern sich auch die Obstsorten. So war der „Weiße Wintercalville“  1880 der beliebteste Apfel in Europa und der damalige  Obstanbau richtete sich nach dieser Nachfrage.  Der Calville wurde als „Könige der Äpfel“ bezeichnet, da er an die Höfe in Berlin, Wien und Petersburg geliefert wurde. Er stammt aus Frankreich und hat ein sehr saftiges, feines Fruchtfleisch mit wenig Säure und einen ausgewogenen Zuckergehalt. Er wird heute nicht mehr angebaut.

Die Südtiroler Obstbauern produzieren wunderbare Äpfel von hoher Qualität, die uns durchs Jahr bis nächsten Sommer begleiten werden und bei jedem Apfelgenuss  erinnern sie uns an eine wunderbare Landschaft.

Meint mw

PS. Und noch ein Trost zum teuren Apfelsaft: Passend zur Plätzchen- und Stollensaison wird die Butter in Deutschland einem Medienbericht zufolge ab November wieder billiger!

Fotos (c) mw

Ein Kommentar

  1. I.A.

    Danke für den spannenden Informationsbericht und die schönen Fotos!
    I.A.

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