Berlin ab 50…

… und jünger

Mut zu neuen Freunden….

… ist es das, was ich brauche, um im Alter neue Freundschaften zu knüpfen?

Es ist zwar nicht so, dass ich zwanghaft nach neuen Freunden suche, aber ich weiß, dass sie mir fehlen.

Deshalb denke ich  oft darüber nach, weshalb es mir – und vermutlich vielen anderen auch – so schwer fällt, neue Freundschaften zu schließen.  Wirkliche Freundschaft, in der der eine um den anderen weiß, die unbedingtes Vertrauen bedeutet und in der ich mich dem anderen unverstellt und ungeschminkt zeigen kann. Die keine Einbahnstraße ist und gänzlich zweckfrei.

Ist es vielleicht auch unmöglich? Sind Freundschaften dieser Art  der Kinder- und Jugendzeit vorbehalten? Denn gehört nicht zur Freundschaft die geschichtliche Dimension? Eine gemeinsame Geschichte, die von ähnlichen Lebensumständen – Kita, Schule, Ausbildung, Studienzeit – geprägt ist.

In jungen Jahren hatte ich das Glück, Freunde gefunden zu haben, bei denen ich das Gefühl hatte, sie gehören zu mir und ich zu ihnen. Es waren nicht viele, aber um die Zahl geht es ja auch nicht. Sondern um die Intensität, um das bedingungslose Vertrauen. Wir haben darüber nie große Worte gemacht und uns auch nicht – zumindest kann ich mich nicht erinnern – ewige Treue geschworen. Wir waren einfach so oft wie möglich zusammen, freuten uns mit und für die anderen und waren auch gemeinsam traurig.

Ich vermisse meine damaligen Freunde, auch wenn ich weiß, dass das Auseinandergehen in unserem Fall voraussehbar war. Ein Freund ist gestorben, eine Freundin  hat einen ganz anderen Lebensweg genommen, der auch mit großer räumlicher Distanz verbunden war. Wir Übriggebliebenen schafften es offenbar nicht, auch ohne unsere beiden Freunde zusammenzubleiben. Es funktionierte nicht. Ob wir zu wenig investiert haben? Kann sein.

Aber ich schweife ab. Denn mich treibt  jetzt  im Alter die Frage um, warum es mir bisher nicht gelungen ist, neue Freunde zu finden und ob es mir  überhaupt noch gelingen wird.

Und ich stelle mir auch die Frage: Will ich einem anderen Menschen noch einen „Freundschafts“Platz in meinem Leben einräumen, das dem Ende näher ist als der Zukunft? Ich weiß es nicht, aber ich würde es gern ausprobieren.

Quelle: Legacygallery.com

Es ist vielleicht im Alter ein zu großer Schritt von einer netten Bekanntschaft – die sich ja tatsächlich auch jetzt  ab und an ergibt – zu einer Freundschaft zu kommen? Denn zu ihm gehört  – für mich jedenfalls –  Mut. Ich muss ihn machen, ich muss beginnen, mich zu öffnen, den Mut haben, vom allgemeinen Plaudern zu Persönlichem zu kommen. Und damit riskieren, dass ich ins Leere laufe. Dass es nicht passt. Und wie gehe ich dann damit um, wie komme ich wieder aus der Situation heraus?

Als Kind und als junge Frau habe ich über solche spitzfindigen Fragen gar nicht nachgedacht. Ich war jung und risikobereiter. Und weniger ängstlich, ich könne emotional Schaden nehmen.      Vermutlich wäre es gut, ich würde auch jetzt wieder mutiger werden. Sollte ich nicht inzwischen so bei mir selbst sein, dass ich ein Scheitern akzeptieren kann und es  in meinen gedanklichen Merkkästchen einfach unter „Erfahrung“ verbuchen, in denen sich ja schon viele  – gute und weniger gute – Erfahrungen im Laufe meines Lebens gesammelt haben?

Richard Edward Miller „Cafe de la Paix“ (Ausschnitt)

Face to face und side by side

Was mir bei all diesen Gedanken übrigens aufgefallen ist: Männer und Frauen haben eine unterschiedliche Art, Freundschaften zu leben. In der Psychologie gibt es dafür jeweils einen bildlichen Begriff: „Face to face“ und „side by side“. Was nichts anderes heißt als: Frauen treffen  sich bewusst, um sich auszutauschen, miteinander zu reden. Bei Männern geht es vordergründig erst einmal darum, gemeinsam etwas zu unternehmen: Fahrradtouren, Trainingsrunden im Fitness-Studio, Angelausflüge  –  was auch immer.

In beiden Fällen aber gilt und eben auch für mich: Ich muss es wollen und – womit ich wieder beim Anfang bin – mutig sein.

 

Paula     

2 Kommentare

  1. I.A.

    Danke für den schönen Beitrag!

    Es ist schwerer im Alter eine neue engere Beziehung zu einem anderen Menschen zu beginnen, weil es tatsächlich Mut dazu braucht und auch anstrengend ist, denn man muß sich erklären und öffnen wollen. Inzwischen ist auch mein Freundes- und Bekanntenkreis kleiner geworden und ich weiss genau, warum ich mich jeweils gerade mit der einen oder der anderen Person verbinden möchte. Wichtig ist, das man das dann gerne tut, weil einem die Begegnung mit dem anderen wichtig ist!
    Aber wie ist es mit den ‚Pflichtverabredungen‘, wie geht man damit um? Ich meine da die Überwindung ‚dazu‘, weil der andere mich braucht, ich aber überfordert
    bin?
    I.A.

    • A.L.

      Ist die Frage nach den „Pflichtverabredungen“ wirklich eine, die mit dem Alter zu tun hat?
      Ich meine nein, sie hängt m.E. mit der Fähigkeit zur Empathie zusammen. Und die ist „alterslos“. Wenn „Überwindung“ im Spiel ist, ist eine Beziehung schwierig, denn sie funktioniert nur, wenn sie ehrlich ist. Denke ich.
      A.L.

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