Isoldes CD-Tipp: UHREN GIBT ES NICHT MEHR

Vor Weihnachten des vergangenen Jahres gab es in der Sendung „Zeitpunkte“ des RBB eine Rätselfrage zu „Barbara“, einer französischen Sängerin, die durch ihr Chanson „Göttingen“ in Deutschland bekannt geworden ist. Die Lösung gab ich im Funkhaus in der Masurenallee ab und hoffte auf einen Gewinn aus der vorgestellten Literaturliste, wobei ich vor allem auf die CD von André Heller, „Uhren gibt es nicht mehr“, spekulierte und dann, welche Freude, in dem noch jungen Jahr eine Postsendung erhielt, die eben diese beinhaltete.

Ein Hörbuch mit zwei CD’s und einem schönen Booklet. André Heller führt Gespräche mit seiner Mutter in ihrem 102. Lebensjahr. Die Gespräche wurden im Arbeitszimmer von André Heller aufgenommen, wobei die Schauspielerin Elisabeth Orth, die Rolle der Elisabeth Heller übernommen hat. Daraus ist eine faszinierende Lesung entstanden, die über ein Jahrhundert Zeitgeschichte spiegelt und das Porträt einer Frau zeichnet, das in seiner Originalität und Klarheit verblüfft und helfen kann, dem eigenen Altersprozess mutig entgegenzugehen.

André Hellers Fragen sind von einer sanften, melancholischen Art, keinesfalls indiskret, aber mit einem beherzten Humor gestellt, dem sich die Mutter nicht entziehen kann.

Im Laufe der Gespräche bittet Heller die Mutter auch um Verzeihung für  seine Kränkung und Aggression, die er ihr oft entgegengebracht hat und sie erwidert, dass sie seinen Mut zu wenig gewürdigt hat. Aber das ganz Besondere offenbart sich in den Gesprächen über den Tod und was danach kommen könnte. Die Mutter spricht u.a. von einem „Durchschlupf“, einen Ausgang für die Seele, den man benützen kann oder nicht und wenn er kommt, will sie ihn benutzen.

Sie erinnert sich an den Eifelturm als grandioses Bauwerk und an den Marmorfußboden im Markusdom, an das Feuerwerk in Lissabon, das André Heller initiierte, an die Großmutter von Romy Schneider, an den Kaiser und an Gustav Mahlers schwarzen Zähne und jeder sollte  hin und wieder einen Sternenhimmel betrachten, um sich nicht zu überschätzen und in Bescheidenheit und Güte sein Leben führen. Sie gibt Hinweise auf das Wesentliche und wenn man ‚durch‘ ist, ist man  ‚draußen‘ .

Aber ich will nicht alles verraten, hören Sie, geneigter Leser, selbst!

I.A.

Doppel-CD erschienen bei  LÜBBEAUDIO, die Buchausgabe von „Uhren gibt es nicht mehr“ bei Paul Zsolnay Verlag.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gedanke zu “Isoldes CD-Tipp: UHREN GIBT ES NICHT MEHR

  1. Das ist eine wirklich gelungene Empfehlung! Ob CD oder Buch – das hängt von den persönlichen Vorlieben ab. Das Buch gibt es im Übrigen auch als Taschenbuch bei btb für 9,00 Euro.
    Christa

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