Berlin ab 50…

… und jünger

… und vor allem Gesundheit!

Gerade zu Jahresbeginn hat dieser Wunsch Konjunktur. Und auch sonst wünschen wir uns und allen anderen, gesund zu sein und dies auch zu bleiben. Denn es ist ja wirklich so: Ohne sich gut zu fühlen, ist alles nichts.

Aber manchmal frage ich mich: Was heißt es eigentlich, „gesund“ zu sein?

Das ist eine spannende Frage, die viele Interpretationen aus den unterschiedlichsten Ecken hervorgebracht hat.

Ich habe mich für eine Definition entschieden, die mich beim Lesen spontan überzeugt hat:

Gesundheit  ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.  (Definition der Weltgesundheitsorganisation).

Sie hilft mir sehr, damit umzugehen, dass mit zunehmendem Alter das gänzliche Fehlen von Krankheiten oder Gebrechen ein fast unerreichbares Ziel ist. Trotzdem kann es mir mit dieser weiter  gefassten Definition gelingen, mich im Sinne der WHO „gesund“ zu fühlen: Dann, wenn ich es schaffe, mich damit abzufinden, dass ab und an die altersmüden Gelenke steif sind und auch schmerzen. Wenn ich es schaffe, mein Umfeld so zu gestalten, dass es mich  sozial und geistig befriedigt.

Dass mich eine ernste und mein Leben einschränkende Krankheit treffen kann, das weiß ich. Und es ist mir auch klar, dass ich dann ohne medizinische bzw. ärztliche Hilfe verloren bin.

Wofür ich allerdings immer kämpfen werde, ist, dass ich Frau meiner Entscheidungen bleibe, den Ärzten auf Augenhöhe begegnen kann  und mich keinesfalls dem früher üblichen ärztlichen Paternalismus unterwerfen werde. Ich kann es auch knapper formulieren: wenn ich auch als kranker Mensch meine Entscheidungen selbstbestimmt treffen kann. Und es  somit in der Hand habe, ob ich mich als Kranke oder Gesunde sehe.

Diese Selbstbestimmung braucht allerdings einen „Partner“, denn ich kann sie nur dann „leben“, wenn ich von ärztlicher Seite darin unterstützt werde. Ich muss den Arzt auf meiner Seite haben. Er muss ehrlich und vor allem verständlich aufklären, Alternativen aufzeigen, abwägen und mich als ganzen Menschen sehen. Er muss auch entscheiden. Entscheiden insofern, als er mir nur die Behandlungen anbieten soll, die fachlich angeraten sind.

Auf der anderen Seite hat meine Autonomie auch Grenzen: wenn ich offensichtlich  Unsinniges meine erreichen zu wollen, wenn es zu einem Gesetzes-  oder auch Gerechtigkeitskonflikt kommen kann.

Dass die Ärzte aufklären müssen – das ist nicht neu, sondern Standard. Trotzdem gibt es einen Haken, der im Übrigen auch bei den Beipackzetteln der Pharmafirmen auftaucht: Aufklärungen sind mittlerweile so umfassend und jedes noch so kleine Detail beschreibend, dass ich kaum noch entscheiden kann, was wirklich in meinem speziellen Fall relevant sein kann. Weshalb das so ist? Ganz einfach: Ärzte und Pharmaunternehmen missbrauchen die Aufklärung  zu ihrer rechtlichen Absicherung. Mit der Folge, dass ich als Patient verwirrt zurückbleibe und mich keine Spur aufgeklärt fühle im Sinne von Entscheidungskompetenz.

Er betrachtet sein Herz via Katheter
 Das ist mal was Neues!
Mein Herz auf dem Bildschirm!
schwarz-weiß, doch der Arzt
sieht auch so schon genug:
„Das sieht nicht gut aus
und da nicht und da nicht –
was ist? Ist Ihnen nicht gut?“ *

Was ich daraus schlussfolgere: Die Ärzte müssen akzeptieren, dass ihre Patienten nur dann selbstbestimmt handeln können, wenn sie ihrerseits bereit sind, eine Aufklärung zu betreiben, die den Namen verdient. Es muss zu einem wirklich partnerschaftlichen Verhältnis kommen.

Wozu vor allem gehört, das Gespräch zwischen Arzt und Patienten vom Abfragen auf Dialog umzustellen.

Was hier aus meiner Sicht falsch läuft und wie sich das ändern lässt, das möchte ich mit  Ihnen in einem weiteren Beitrag diskutieren. Wenn Sie „dran“ bleiben.

Bis zum zweiten Teil.

Paula

* Robert Gernhardt, „Herz in Not –  Tagebuch eines Eingriffs in einhundert Einträgen“,  Ausgabe 1998 HAFFMANNS VERLAG

 

 

 

 

Ein Kommentar

  1. Danke für die klaren Worte und besonders für die Definition von Gesundheit. Ich würde diesen Beitrag und auch einige andere von „Berlin ab 50“ gern auf meiner Website HABITO zeigen und zu Ihrer Site verlinken. Was halten Sie davon?

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