Berlin ab 50…

… und jünger

Mein Arzt spricht nicht mit mir!

Den ersten Teil meines Beitrags habe ich mit  dem Hinweis auf das Problem „Sprechstunde!“ beendet.  Daran möchte ich heute anknüpfen,  es geht mir um den Dialog mit meinem Arzt. Die Überschrift: „Mein Arzt spricht nicht mit mir“ ist zugegeben ziemlich provokant.

Aber wenn ich überlege, wie die Sprechstunden meistens ablaufen, dann ist die Zuspitzung gar nicht so falsch.

Wenn ich einen Arzttermin habe, bereite ich mich inzwischen vor (ein bisschen wie in der Schule bei einem Test), aber es hilft nicht allzu viel. Der Arzt (es könnte auch „die Ärztin“ hier stehen) fragt nach dem Grund meines Besuchs und ich setze an, um zu berichten ….  und was macht mein Arzt: Er wendet sich dem Computer zu. Aber ich sitze vor ihm;  um mich und meine Beschwerden sollte es erst einmal gehen!

Visite zum vierten
 „Herr Doktor, diese Geräusche –„
„Bin Pfleger, kein Arzt.“
„Frau Doktor, diese Geräusche
am Herzen -“  „Bin Praktikantin.“
„Als ob da ein Tierchen
an den Gefäßen nagte – “
„Fragen Sie Ihren Arzt oder Kammerjäger!“ *

Stattdessen habe ich das Gefühl, ich rede mit dem Computer. Denn in erster Linie schreibt der Arzt  Dann fragt er zwar weiter nach, aber auf eine Weise, die mich unsicher macht, ich habe den Eindruck, ich würde zuviel seiner Zeit beanspruchen. Also warte ich auf seine Nachfragen, denn ich denke, dass er doch für seine Diagnose noch mehr wissen muss. Zum Beispiel wann die Schmerzen auftreten, ob  es einen äußeren Grund dafür geben könnte, wie stark sie sind. Und so weiter. Aber der Arzt scheint schon alles zu wissen. Und schreibt wieder etwas in den Computer. Vielleicht klopft er noch hier und da ab – allerdings ohne mir zu sagen, weshalb er das tut.

Und im Grunde war es das schon – die ärztliche Sprechstunde. Ich bekomme die Diagnose, die mehrheitlich aus Fachbegriffen besteht, und ein Rezept. Oder eine Überweisung für eine weitere Untersuchung: MRT, Tomografie, Röntgen.  Was die Diagnose „übersetzt“ bedeutet, muss ich erfragen. Wie sie einzuschätzen ist, ebenfalls. Was es mit dem Medikament auf sich hat, auch das muss ich nachfragen. Ebenso warum weitere Untersuchungen notwendig sind bzw. was die Zusatzuntersuchungen zeigen sollen. Ob es Alternativen gibt, welche Nebenwirkungen bei den Medikamenten auftreten können – erst einmal Fehlanzeige. Und vor allem: Ich werde gar nicht gefragt, ob ich noch andere Medikamente nehme. Was ich für fahrlässig halte, gerade weil ich älteren Jahrgangs bin und inzwischen klar ist, dass im Alter ein Medikamenten -Mix nicht ganz ungefährlich sein kann.

Möglicherweise sagen Sie, dass ich übertreibe. Sicher, es ist nicht immer so,  aber immer häufiger. Das Hauptproblem scheint die Zeit zu sein. Obwohl es auch Ärzte gibt, die erkannt haben, dass sie viel Zeit sparen, wenn sie erst einmal ohne Druck zuhören.

Für mich ist auch der Computer, der immer dabei ist, ein Problem.  Manchmal noch ergänzt durch eine Mitarbeiterin, die den Befund gleich mitschreibt. Da stört mich ebenfalls, denn ich will mit dem Arzt sprechen und  zwar ohne Zuhörer, der mir noch dazu meistens unbekannt ist.

Damit Sie mich nicht missverstehen: Ich habe keineswegs etwas gegen Computer im Sprechzimmer, aber ich habe etwas dagegen, dass der Arzt mehr Zeit verbringt, alles, was ich sage und auch das, was er sich denkt, aufzuschreiben, als mir zuzuhören, nachzufragen und mich eben auch als Menschen wahrzunehmen, Nicht nur als Patientin.

Nur wenn es zu einem Dialog kommt, lässt sich das erreichen, was ich mir  im vorangegangenen Beitrag  gewünscht habe: mit dem Arzt auf Augenhöhe zu sein.

Das gilt besonders, wenn die Diagnose wirklich besorgniserregend ist. In dieser Situation möchte ich mehr von meinem Arzt als nur die  Vermittlung der Ergebnisse.

Wie ich das ändern  will und hoffentlich werde? Ich werde freundlich hartnäckiger sein. Ich werde mich nicht so einfach unterbrechen lassen, und ich werde auch meine Fragen in aller Ruhe stellen, bis ich mich informiert fühle. Bis hin zu Alternativen und Aussichten. Ob es klappt? Ich denke schon, denn ich weiß es ja: Die Ärzte wollen mir ja Gutes tun; wie das am besten gelingt, das werde ich ihnen jetzt sagen.

Vorläufiges Fazit
 Das Leben hat mir
die Instrumente gezeigt.
Ich habe genickt,
zum Zeichen, dass ich begriffen habe.
Seither sinne ich,
wie ich das Leben austricksen kann.
Beifällig nicht dazu Gevatter Tod.*

 

Bevor ich mich von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, für heute verabschiede, noch eines: Wundern Sie sich nicht, wenn es am Ende eines jeden Quartals schwierig wird, einen Facharzt-Termin zu bekommen. Das hat einen ziemlich schnöden Grund: Das Budget für das Quartal ist erschöpft. Rund 70 Prozent aller Untersuchungen werden von den gesetzlichen Kassen nur bis zu einer bestimmten Obergrenze bezahlt. Ist dieses Limit erreicht, gibt es weniger Geld. Mit der Folge, dass Sie auf den Bereitschaftsdienst verwiesen werden. Zu Beginn des neuen Quartals steht  dann alles wieder auf Start.

Um der Genauigkeit willen muss ich noch ergänzen: Ambulante Operationen, Impfungen und die Behandlung von Krebskranken und Schwangeren sind davon nicht betroffen.

Vielleicht haben Ihnen die beiden Beiträge etwas genutzt – es würde mich freuen.

Und: Bleiben Sie gesund!

Paula

*Robert Gernhardt, „Herz in Not – Tagebuch eines Eingriffs in einhundert Einträgen“, Ausgabe 1998 HAFFMANNS VERLAG

 

 

 

 

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