Prinzessinnen-Träume

Wollten Sie in Ihrer Kindheit auch mal Prinzessin oder Prinz werden? Oder waren Sie es zumindest mal im Fasching?  Oder haben Sie lange auf den Prinzen gewartet oder nach der Prinzessin Ausschau gehalten?

Um ehrlich zu sein, ich  weiß es nicht mehr. Aber sicherlich dachte ich in Kindertagen, dass es den Königen gut geht, dass sie sich Burgen und Schlösser bauen können – wie unser bayerischer Ludwig II oder die preußischen Könige – oder Schönheits-galerien anlegen wie Ludwig I in Nymphenburg  oder in wunderschönen Gärten wie dem Park Charlottenburg spazierengehen können. Jedenfalls dachte ich sicher, sie haben keine Sorgen.

Seitdem ich nun begonnen habe, Biographien zu lesen – angefangen von der  höchst empfehlenswerten über Maria Theresia * über Friedrich II und seine Schwestern** bis hin zu Augusta von Sachsen -Weimar-Eisenach, der Gemahlin Kaiser Wilhelm I*** – bin ich von diesem Kinderglauben völlig geheilt.

Nicht, dass ich es mir romantisch-paradiesisch vorgestellt hätte, davon bin ich weit entfernt gewesen, aber was ich in den Biografien von aristokratischen Frauen der letzten 300 Jahre gelesen habe, hat mich entsetzt und tiefes Mitleid ausgelöst.

Prinzessin Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern, spätere Königin von Preußen, Gemahlin Friedrich II.

Das Stichwort heißt „Zwangsheirat“ –  im Dienste der Staatsräson. Nicht nur die Frauen sind Spielball in der dynastischen Überlegung ihrer Eltern, meistens ihrer Väter, auch für die Söhne sind  – im Sinne des machtpolitischen Interesses –  die zu vollziehenden ehelichen Verbindungen angebahnt worden. Und dies betrifft durchwegs alle Kinder, also nicht nur die Kronprinzen. Es gibt kaum eine Liebesheirat.

Gräfin Lichtenau, geb.Wilhelmine Encke, Mätresse Friedrich WIlhelm II

Für die Herren der Schöpfung bedeutet dies, man hält sich Mätressen, für die Damen ist dies undenkbar und wenn es eine gewagt hat, wurde sie verbannt. Dies ist für alle Seite kein angenehmer Zustand. Einige haben es besser, manche schlechter verkraftet und sich mit dieser Situation arrangiert, aber diese Zwangsheiraten waren noch bis zum Anfang des 20.Jahrhunderts  gang und gäbe. Liebesehen haben sich erst langsam durchgesetzt, erst in der 2.Hälfte der 20.Jahrhunderts waren zum Beispiel königliche Ehe mit Bürgerlichen  überhaupt vorstellbar – erinnern Sie sich an den Skandal mit Edward VIII und der Amerikanerin Wallis Simpson? Da war noch undenkbar, was 40 Jahre später für Carl Gustaf von Schweden möglich war: Er heiratete die bürgerlich Sylvia Sommerlath, die er 1972 in München als Hostess bei den Olympischen Spielen kennen und lieben lernte…

Also alles noch nicht so lange her. Die meisten der „arrangierten Ehen“ verliefen entsprechend unglücklich und die daraus hervorgegangen Kinder müssen vermutlich ziemlich traumatisiert gewesen sein. Nichts, was meinen Blick hinter die Kulissen des Hochadels neidvoll werden ließ. Und ob es Maria Theresia oder Friedrich II , ob es Friedrich Wilhelm II oder ein kleiner Provinzfürst war – alle mussten sich dem Diktat der Monarchie beugen.

Eines hat sich mir wieder bestätigt, nämlich wie hart erkämpft unsere Freiheit und unsere Gleichberechtigung ist, die wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollten.

Und sollten auch nicht vergessen, dass es unsere Vorfahren – egal ob Adel, Bürger oder Bauer  –  weitaus schlechter getroffen haben.

Nachdem ich nun so viel über unglückliche Ehen gelesen habe, bin ich dankbar, einen  „Traumprinzen“ gefunden zu haben –  ohne auf irgendeine Familienräson achten zu müssen.

Ich hoffe, es geht Ihnen ebenso.

go

* Barbara Stollberg-Rilinger, Maria Theresia – Die Kaiserin in ihrer Zeit, 2017, C.H.Beck

** Karin Feuerstein-Praßer,  „Friedrich der Große und seine Schwestern, 2016/2.Auflage, Piper

*** Karin Feuerstein-Praßer, „Die deutschen Kaiserinnen 1871-1918, 2016 6.Piper

**** Karin Feuerstein-Praßer, „Die preußischen Königinnen“, 2015/5.Auflage, Piper

5 Gedanken zu “Prinzessinnen-Träume

  1. Was für eine schöne Liebeserklärung! Ich finde besser geht’s nicht. Auf der anderen Seite einfach mal die Frage: ist es so, dass die ganzen Datingportale (also das Kennenlernen über das Internet) so großen Zulauf haben und damit richtig Geld machen? Was ich so von jungen Menschen höre, schwirren ja da nur Prinzen und Prizessinnen ‚rum. Einen Gruß an Alle Glücklichen von didi

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  2. Ich kenne die genannten Biografie nicht, aber Maria Theresia gehört sicher nicht zu den Frauen, die arm und hilflos den politischen Machenschaften ausgeliefert war. Sie hat ihren Mann, soweit ich weiß, durchaus selbst gewählt, und sie hat sich vor allem eine sehr starke Machtposition erarbeitet. Sie taugt wohl eher nicht als Beispiel für die willenlosen Verheiratung durch andere. Die es natürlich gab, wie von go geschildert. Und – dies vor allem – heutzutage noch gibt. Das ist das eigentlich Erschreckende.
    Eine – beinahe öffentlich – Liebeserklärung an den eigenen Mann – wie schön!
    Thomas

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    • Lieber Thomas – Maria Theresia wurde selbstverständlich von ihrem Vater entsprechend seines machtpolitschen Kalküls verehelicht und sie selbst war eine Meisterin darin, die Ehepartner für ihre Kinder nach dynstischen Gesichtspunken auszuwählen. Zum Erhalt der Macht und des Hauses Habsburg – Gefühle spielten keine Rolle. Ich kann Ihnen die genannte Biografie nur empfehlen.
      go

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      • Danke für den nochmaligen Hinweis. Vielleicht täuscht sich meine Quelle ja, die ausdrücklich sagt, dass Maria Theresia ihren Mann selbst ausgewählt hat und ihr Vater nicht abgeneigt war. Ich lasse mich natürlich gern belehren.
        Thomas

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  3. Pingback: Onderscheidende momenten in de dynastie van de Hohenzollern van Pruisen, met name in Berlijn) – Bob van Dijk's Blog

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