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Abschied auf Zeit

Abschied auf Zeit: Das Schloss auf der Pfaueninsel schließt

Das größte Sanierungsprogramm in der Geschichte der Hohenzollern-Schlösser und  -Parks beginnt in diesem Jahr und sichert mit  400 Millionen Euro bis 2030 den dringenden Sanierungsbedarf  an historischen Bauwerken und Schlössern. Das Geld hat die  Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) im letzten Jahr aus dem Bundeskulturhaushalt und von den Ländern Berlin und Brandenburg erhalten. Zu den Sanierungsobjekten  zählen das Logierhaus in Caputh, das Schloss auf der Pfaueninsel, das Neue Palais sowie die Römischen Bäder im Park Sanssouci, die Babelsberger Schlossräume (vgl. den Blog-Beitrag vom 21.07.2107 „Konkurrenz unter Gartenkünstlern“) und in Berlin am Schloss Charlottenburg die Hüllensanierung  und ein neues Besucherzentrum. Das jetzt aufgelegte Programm folgt dem Plan der Denkmalserhaltung von 2008, in dem 155 Millionen investiert wurden.

Als ich kürzlich davon hörte, war ich begeistert, ist mir doch der desolate Zustand einiger dieser Gebäude aus meinen Besuchen dort bewusst. Da mit den Sanierungen natürlich die Denkmale dem öffentlichen Zugang entzogen werden, möchte ich Ihnen heute ihnen empfehlen,  ab April noch einmal das Pfaueninsel-Schloss zu besuchen, denn ab 20. August  2018 werden die Räume vermutlich bis  2024  nicht zu besichtigen sein.  Das Schloss ist eines der wenigen Hohenzollern-Bauten, das noch in seinem Originalzustand aus der Bauphase bis hin zu den Bemalungen, Wandbespannungen und Möbeln erhalten ist und nie umgebaut wurde.

König Friedrich Wilhelm II. und seine Mätresse Wilhelmine Enke  weckten 1793  die  67 Hektar große Pfaueninsel aus dem Dornröschenschlaf.  Der letzte Besitzer, der Alchemist und Glasmacher Johannes Kunckel, hatte vor damals über 100 Jahren – genauer gesagt 1689 – nach dem Brand seiner Glashütte und seines Laboratoriums die Insel, und später Brandenburg, fluchtartig verlassen. 1692 ging er nach Schweden und wurde dort wegen seiner unbestreitbaren Verdienste um die Herstellung von Rubinglas und anderer technologischen Erfindungen geadelt und durfte sich nun  Johann Kunckel von Löwenstern nennen. Eine kleine Ausstellung in der Meierei berichtet über seine Zeit auf der Pfaueninsel.

Doch zurück zum „dicken König“, dem Neffen Friedrich II. Neben der gärtnerischen Gestaltung nach englischem Vorbild wurde 1794 auf der Pfaueninsel für den König und seine Geliebte Wilhelmine, die Tochter des Hoftrompeters Enke,  durch den Hofzimmermeister Brendel ein  zweigeschossiges ländliches Lustschloss errichten. Der mit Holzbohlen verkleidete Fachwerkbau  sollte als romantische Kulisse eine Ruine imitieren und dem Paar als Übernachtungsmöglichkeit dienen. Die Berichte  über die Bauten auf der  1774 entdeckten Insel Tahiti  bewogen den romantischen König, ein sogenanntes „Otaheitische Kabinett“ im Turmzimmer mit  exotischen Pflanzenabbildungen, Pfauenbildern  und Palmenausmalung  einrichten zu lassen. Zwischen Schloss  Charlottenburg und dem Marmorpalais gelegen, konnte die Fahrt mit dem Boot über Spree und Havel hier unterbrochen werden.

Die Arbeiten dauerten bis 1797, doch da der König FW II bereits im November 1797 starb und Wilhelmine – inzwischen geadelte Gräfin Lichtenau – vom Sohn des Königs verbannt wurde, blieb das Schlösschen unbewohnt. Friedrich Wilhelm III. und seine Gemahlin Königin Luise nutzten nun das Schloss als Sommersitz mit ihren zahlreichen Kindern. Auf der Insel zog mit dem jungen König  die Gutswirtschaft nach englischem Vorbild ein. Hofgärtner Fintelmann ließ den Wald roden und sechs Felder von je zwölf Morgen (ca.3 ha) anlegen, die im Wechsel von Halm- und Blattfrucht ohne Brache bestellt wurden. Vermittler dieser „englischen“ Fruchtfolge war Albrecht Daniel Thaer, der seit 1804 den König in Landwirtschaftsfragen beriet (im Blog wurde dazu 2016 berichtet: https://berlinab50.com/2016/06/27/neustart-mit-52-das-zweite-leben-des-albrecht-daniel-thaers/)

Die Insel, so wir sie heute kennen, wurde dann durch Peter Joseph  Lenné  gemeinsam mit Fintelmann in einer dritten Phase nach Luises Tod (1810) bis 1834 gestaltet. Jetzt prägten neben Schloss und den bereits vorhandenen Bauten –  Luisentempel, Tiergehege, Wiesen, Gärten –  ein Palmenhaus  und der Rosengarten die Insel. Die Tiere der Pfaueninsel bildeten 1842 dann den Grundstock des Berliner Zoos. Übrigens in seinem 2014 erschienenen Roman „Pfaueninsel“ schildert der Schriftsteller Thomas Hettche aus der Sicht des kleinwüchsigen Schlossfräuleins Marie das Leben auf der Insel im 19. Jahrhundert.

Doch zurück zum Schloss. Die  frühklassizistische Inneneinrichtung mit den Möbeln, Tapeten, Schnitzereien und Fußböden ist heute weitgehend original erhalten, jedoch in einem der langen Zeit geschuldeten beklagenswerten Zustand.  Eine Sanierung  war lange geplant, aber bisher wegen der fehlenden Finanzierung  nicht möglich. Und nun geht’s im Sommer los.

Ich werde im Frühjahr nochmal hingehen, ab 30.März  ist das Schloss von 10:00 -17:30 Uhr geöffnet, um dann ab 20.8. 2018 für längere Zeit wegen Sanierungsarbeiten zu schließen.

Ihr mw

 

2 Kommentare

  1. Anna

    Fasst unser erster Besuch, nachdem wir in Berlin gemeinsam eine Wohnung gesucht und gefunden (!) haben, galt der Pfaueninsel. Sie erinnerte uns ein bisschen an die Fraueninsel am Chiemsee in Bayern, unsere frühere Heimat. Die Pfaueninsel hat uns gut getan und eigentlich hätten wir sie längst ein weiteres Mal besuchen wollen.
    Was wir jetzt, angesichts der vorübergehenden Schließung bzw. dank des Hinweises auf selbige, auch tatsächlich umsetzen wollen. Was schon einmal einen Dank wert ist, denn wer weiß, ob wir zur Neueröffnung noch leben.
    Anna

  2. PB

    Ich erinnere mich an meinem ersten Besuch im Schloss auf der Pfaueninsel als Schüler. Das muss in den 1950-er Jahren gewesen sein. Damals fand ich es sterbenslangweilig – die alten Möbel, Bilder, Teppiche… Der Blick in die Landschaft sagte mir nichts. Vielleicht waren die Pfauen noch interessant, auch nur, wenn sie Rad schlugen.
    Heute, nicht zuletzt als Folge der Deutschen Wiedervereinigung, genieße ich die wieder entstandenen Blickachsen, das Verschwinden der Grenzanlagen und schmunzele über die „Verrücktheit“ früherer Herrscher, ein Schlösschen im Ruinenstil zu bauen als nicht mehr als eine Liebeslaube für sich und seine Maitresse. So etwas gibt es heute natürlich nicht mehr – oder?
    Die „Blickachsen“ haben sich geändert seit damals, meine auch :-))

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