Berlin ab 50…

… und jünger

Rettet das Ofenmuseum Velten!

Den ersten warmen Sonntag im März nutzten wir, um einen lange geplanten Besuch im „Ofen –und Keramikmuseum Velten“ nun endlich durchzuführen. Wir hatten im Juli 2017 gelesen, dass dieses einzigartige brandenburgische Museum- übrigens  das älteste und bedeutendste Ofenmuseum  in Deutschland mit einer „heißen“ Beziehung zu Berlin-  von der Schließung bedroht sei. Das Museum befindet sich einem  großen gelben Klinkerbau, in dem  seit 1872 die   „Ofenfabrik A. Schmidt, Lehmann &Co“  mit 39 anderen in Velten ansässigen Kachelofen –Fabriken  nach Reichsgründung die Hauptstadt mit Kachelöfen versorgte. 1905 wurden z.B. in Velten 100.000 Kachelöfen produziert und in die Reichshauptstadt geliefert. Der letzte Besitzer in vierter Generation, Rolf Schmidt hat hier noch bis Februar 2016 Baukeramik produziert, aber mit Eintritt in die Rente die Produktion eingestellt. Die Kachelpressen, Gießbänke und Brennkammern im Gebäude sehen nun einem ungewissen Schicksal entgegen, denn die denkmalgeschützte Fabrik und das Gelände stehen zum Verkauf (Kaufpreis 1. 2 Mio €). Damit ist auch die Existenz des im Dachgeschoss befindlichen Ofenmuseums akut gefährdet.

Bereits 1905  gründete der ortsansässige Kantor Gustav Gericke (1863-1934) ein „Ortsmuseum im Dienste der Kachelofen-, Tonwaren-Industrie und Heimatpflege“ im Schulhaus der Stadt. Die zahlreichen Exponate waren wiederholt in Berliner Sonderausstellung zu sehen, so 1925 im Gropius- Bau. 1947 zog das Museum in das Dachgeschoss der  Mädchenschule. Wegen der Baufälligkeit des Standorts wurde das Museum  1970 geschlossen und der Bestand in das Berliner Museum für Deutsche Geschichte (heute DHM) verbracht, wo er -abgebaut und in Kisten  verstaut-  im Keller lag. 1994 konnte dann das Museum dank eines sehr rührigen Fördervereins  mit dem alten Bestand auf 850  Quadratmetern in der  „Ofenfabrik A. Schmidt, Lehmann &Co“  im Dachgeschoss wiedereröffnet werden. Die Sammlung umfasst Öfen des 16. bis 20. Jahrhunderts aus Deutschland, der Schweiz und Österreich mit dem Schwerpunkt der Veltener Ofenbaugeschichte. Seit 1835 entwickelte sich hier auf Grund der reichen Tonvorkommen die Ofenfabrikation und durch die Erfindung der weißen Schmelzglasur wurden die Veltener Öfen bekannt und begehrt.  Die Ausstellung zeigt außerdem wertvolle Objekte der Baukeramik bzw. Hinweise darauf, wo in Berlin Veltener Baukeramik nach Entwürfen von Max Taut, Erich Mendelssohn und Alfred Grenander heute noch zu finden sind. Das Ofen- Kehrer-Gewerbe findet in der Dauerausstellung die für ein Ofenmuseum angemessene Würdigung. Außerdem werden  4000 Einzelkacheln, Ofenteile, Ofenschmuck und Ofenmodelle und ein  reicher Fundus an  Musterkatalogen und -büchern verwahrt. Dieser Teil der Sammlung befindet sich allerdings in der seit 2011 aus Brandschutzgründen nicht öffentlich zugänglichen 2. Etage.

Seither wurden viele Exponate erworben (so 2014 die bedeutende Ofensammlung Udo Arndt aus Berlin-Frohnau) oder gestiftet und die Sammlung zu der heutigen Größe ergänzt.  Dieser Schatz ist nun bedroht, da sich die Stadt außer Stande sieht, Haus und Gelände zu kaufen. Der Förderverein hat ein Nutzungskonzept erarbeitet, dass neben der Weiterführung des Museums auch die Weiterführung der Produktion als „Gläserne Produktion“ und Behindertenwerkstatt vorsieht. Ein Café, die  zusätzliche gastronomische Nutzung  und zwei weitere Museen (Druckerei und Fliesen) sind angedacht. In der ausgelegten Broschüre sind vier Zukunftsszenarien beschreiben, von denen die eine positive Version (Kauf durch Gemeinde) wohl nichts wird. Die zweitbeste Variante- die Ofenfabrik wird Eigentum des Fördervereins- bedarf der finanziellen Hilfe durch uns alle mit Hilfe von  Crowdfunding. Sonst kommt vielleicht Variante 1, Verkauf und Kündigung des Museums durch neuen Besitzer – und das wäre in der Tat schrecklich.

Das europäische Kulturerbe-Jahr ist nun für den Förderverein ein Grund zur Hoffnung, endlich sein Konzept für die Zukunft des Standorts umsetzten zu können. Was der Blog hiermit unbedingt unterstützen will. Mehr Informationen sind unter http://okmhb.de/ofen-und-keramikmuseum/ zu finden. Öffnungszeiten Die – Fr 11 – 17 Uhr und Sa – So 13 – 17Uhr. Eine Highlightführung findet samstags 15 Uhr statt. Anreise mit der S-Bahn 25 bis Henningsdorf und dann mit der Regionalbahn Richtung Kremmen oder Neuruppin bis Velten. Vom Bahnhof 10 Minuten entfernt.

mw

Am  Museumsstandort auf dem Gelände der Ofenfabrik befindet sich außerdem das 2015 eröffnete Hedwig Bollhagen Museum, das sich im Besitz der Stadt befindet und nicht vom Verkauf bedroht ist.  Dazu mehr in einem zweiten Beitrag.

 

 

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