Seiner Zeit voraus

Wien, Secession von J.M.Olbrich

1918 starben  Gustav Klimt, Koloman Moser, Egon Schiele und – Otto Wagner. Sie alle waren wichtige Wegbereiter in die Moderne.

Jugendstil-Architektur in Berlin? Wenig. Der schöne Bahnhof am Mexikoplatz,  das Hotel am Steinplatz oder das Hebbel Theater.  Und der 1. Hof der Hackeschen Höfe von August Endell. Viel mehr fällt mir nicht ein. Moderne Architektur um 1900 findet hier nicht statt, denn der vorherrschende Geschmack wurde von den ästhetischen Vorlieben des Kaiserhauses bestimmt – und damit vom Historismus.

Berlin, Hackesche Höfe, 1.Hof von A.Endell

Mit Jugendstil und Fin de Siècle assoziiere ich Wien. Gustav Klimt*, Egon Schiele, Koloman Moser  und Otto Wagner.

Wien, Kirche am Steinhof von O.Wagner

Otto Wagner war Architekt und ein visionärer Stadtplaner. Sind seine ersten Entwürfe und Werke noch dem Historismus verhaftet, entfernt Wagner sich im Laufe der Jahre immer stärker davon hin  zu einem der modernsten Planer und Bauherrn um die Jahrhundertwende.

Wien, Fassade einer der Häuser in der Linken Wienzeile von O.Wagner

Form, Farbe, Material und Funktion müssen zum modernen Leben passen, „Das Modernste am Modernen ist die Großstadt“ sagte er.

Wien, Postsparkasse von O.Wagner

1894 wurde der Oberbaurat Professor Otto Wagner in den künstlerischer Beirat für den Bau der Wiener Stadtbahn berufen, die einheitliche architektonische Ausgestaltung der Hochbauten und Brücken der Stadtbahn zu übernehmen. Im Zuge dessen entstand auch der Kaiser-Pavillon, der Franz-Joseph I. einen kurzen Weg zum Schloss Schönbrunn ermöglichen sollte. Otto Wagner hoffte mit diesem Bau endlich die langersehnte kaiserliche Anerkennung zu bekommen, doch wieder hier vergeblich. Der alte Kaiser benutze die Station nur zwei Mal und das vermutlich naserümpfend.

Wien, Kaiser-Pavillon von O.Wagner

Wagners Jugendstil und sein avantgardistisches Architekturkonzept passte nicht zum Wiener Hof, der ganz im Historismus gefangen war (in diesem Punkt war man sich mit Berlin einig). Selbst der junge Kronprinz Franz Ferdinand konnte sich bei der Einweihung der Kirche am Steinhof,  ein Meisterwerk des Baukünstlers Otto Wagner und ein Gesamtkunstwerk des Wiener Jugendstils, zu keinen anerkennenden Worten durchringen, im Gegenteil.

Wien, Stadtbahn-Pavillon am Karlsplatz von O.Wagner

Wie bereits erwähnt war der Jugendstil in Deutschland nicht sehr ausgeprägt – ein paar schöne Beispiele gibt es aber durchaus wie  das Riquethaus in Leipzig, in Darmstadt wirkte Joseph Maria Olbrich, der auch die Wiener Sezession entworfen hat, Henry van der Velde in Chemnitz , die Bonn Südstadt oder das Sonnenhaus in Coburg, aber der moderne Baustil beginnt erst mit dem Bauhaus Dessau nach dem 1.Weltkrieg.

Einen guten Überblick über die verschiedenen nationalen Ausprägungen dieser Kunstrichtung bei Möbel, Glas und Schmuck  – etwa in der englischen Arts-and-Crafts-Bewegung, dem französischen Art Nouveau, dem deutschen und skandinavischen Jugendstil und der Wiener Secession –  kann man sich im Bröhan-Museum in Charlottenburg verschaffen.

Über eine ganz spezielle Ausprägung des Jugendstil lesen Sie nächstes Mal in einer kleinen Serie über den katalonischen Jugenstil. Seien Sie gespannt

Element eines der bekanntesten Bauwerke Anton Gaudís (c) H.Jacobs

*Kleiner Tipp zu Klimt: noch bis  zum 06.01.2019 wird in Halle im Kunstmuseum Moritzburg eine Ausstellung zum „seltenen Klimt“  zu sehen sein. Hier steht vor allem der Zeichner im Mittelpunkt. Den „goldenen“ Klimt kennt man ja inzwischen.

 

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