Modernisme in Barcelona

Ein Beitrag von Hans Jacobs – Teil II :

Im zweiten Teil der Serie über den spanischen Jugendstil (Modernisme) möchte ich Sie nach Barcelona mitnehmen:

Der Jugendstil wird in anderen Ländern “Art Nouveau” – also “Neue Kunst” – genannt. Es war etwas gänzlich Neues, brach mit den klassizistischen Stilen, war radikal, umstürzlerisch, angefeindet und modern. Konsequenterweise trägt die katalanische Variante den Namen “Modernisme”. Und das bringt es genau auf den Punkt! Das Alte hatte ausgedient, auch wenn es das noch nicht wusste, und das Neue trug den Samen des 20. Jahrhunderts in sich, auch wenn es sich erst noch Bahn brechen musste.

Barcelona war eines der Zentren des Modernisme und hier wurden architektonisch und städtebaulich Maßstäbe gesetzt. Anton Gaudí (1852 – 1926,  vgl. meinen Beitrag vom 03.November 2019)  war wiederum einer der wichtigsten Vertreter des Modernisme in der Architektur mit seinem Meisterwerk, der Sagrada Familia.

Der Modernisme begegnete uns in Barcelona ganz alltäglich in den vielen kleinen Straßen, Geschäften und Gaststätten.  Barcelona war seit etwa 1850 eine industrialisierte, sehr reiche und sehr aufstrebende Stadt. Sie platzte aus allen Nähten und daher unternahmen die Stadtväter etwas damals Revolutionäres: Sie erweiterten die Stadt durch ein riesiges, geplantes Stadtviertel („Eixample“) und zeigten quasi mit der Weltausstellung 1888 der gesamten Welt den erfolgreichen Abschluss dieses Modernisierungsprozesses. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich diese Modernisierung auf gestalterischer Ebene weiter und schuf den Modernisme, dessen bedeutendster Vertreter unser Gaudí war.

Bitte erlauben Sie mir eine kleine Anmerkung: In einem Führer habe ich die etwas verschämte Formulierung gefunden, dass der Reichtum der Stadt “mit schweren sozialen Konflikten” verbunden war. Dies bedeutete, dass, wie überall zu dieser Zeit, der Reichtum weniger Menschen mit der Ausbeutung und unfassbarem Elend des größten Teils der Bevölkerung verbunden war. Das sollten wir im Kopf haben, wenn wir die Kunst der damaligen Zeit bewundern.

Welch ein Unterschied: Während in Reus und Barcelona moderne avantgardistische Architektur und Kunst bereits um die Jahrhundertwende blühten und die Zukunft repräsentierten, verharrte man in Deutschland oft in dem alten (neo-)klassizistisch Gewohnten, orientiert an der Vergangenheit.  Auch bei uns gab es vereinzelte Jugendstil-Architektur, allerdings begann erst mit dem „Bauhaus Dressau“ die moderne Architektur.  Darüber denke ich nach: Das Neue wirkt aus der Nähe zunächst immer ungewohnt, unbequem und unwichtig, und dennoch liegt in ihm die Zukunft. Vielleicht sollte uns das die Augen öffnen für neue Entwicklungen unserer Gegenwart und Mut machen uns zu fragen, wie der “Modernisme” des frühen 21. Jahrhunderts aussehen kann.

Straßenszene in Barcelona

Element eines der bekanntesten Bauwerke Anton Gaudís

Restaurant in Barcelona mit einer typischen Modernisme-Fassade

Restaurant in Barcelona mit einer typischen Modernisme-Fassade

Das innere einer Gaststätte. Schöner geht es kaum noch

Auf dieser historischen Karte sieht man das alte Barcelona unten dunkel eingezeichnet, wirr und chaotisch, und das neue Barcelona “Eixample” mit regelmäßigen Straßenzügen

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